Man möge diesen Satz mal ganz langsam lesen und sich jedes Wort auf der Zunge zergehen lassen: Sm’Aesch Pfeffingen, im Schweizer Volleyball der Frauen seit dem Aufstieg in die Nationalliga A im Jahr 2004 eine feste, stabile Grösse, aber halt noch ohne nationalen Titelgewinn, hat jetzt die grosse Chance, erstmals einen Pokal ins Birstal zu holen.

Und weil sich der Verein für diese Saison das süffige Motto „One Dream – one Team“ verschrieben hat, sei es deutlich ausgesprochen: Es winkt sogar das „Double“, denn nur zwei Wochen nach Beginn der Playoff-Viertelfinals spielt Sm’Aesch Pfeffingen am 30. März in Fribourg gegen Viteos NUC Neuchâtel um den Cupsieg.

Abgang von Voléro Zürich begünstigt alle Teams

Selbstverständlich braucht nicht verschwiegen zu werden, dass diese hervorragende Ausgangslage neben den eigenen fast immer starken Leistungen auch durch das Auswandern des bisherigen Serienmeisters Volero Zürich in die französische Meisterschaft begünstigt wurde.

Doch davon profitiert jetzt ja nicht nur SMAP, sondern theoretisch alle Teams der NLA und praktisch vor allem die drei anderen Spitzenteams neben Sm’Aesch Pfeffingen, die da
Düdingen, Schaffhausen und Neuchâtel heissen. Sei’s drum: Das Team vom Löhrenacker hat eine realistische Möglichkeit, seinem jahrelangen Präsidenten, Förderer und Geldgeber Werner Schmid zu dessen bevorstehenden Abschied aus Amt, Würde und Bürde ein wunderbares Abschiedsgeschenk zu machen.

In der Nationalliga A wäre, der Titelgewinn vorausgesetzt, Sm’Aesch Pfeffingen der zwölfte Name auf der Liste der Meisterinnen im Schweizer Volleyball nach Uni Basel (22 Titel), Volero Zürich (13), BTV Luzern (7), Zeiler Köniz (6), VBC Biel (3), RTV 1879 Basel, Montana Luzern, Lausanne UC (alle 2), dem KSV Wattwil, Servette und dem ersten Schweizer Meister der Geschichte, dem FC Luzern (alle je 1). Auch auf der Liste der Cupsiegerinnen fehlt der Name von Sm’Aesch Pfeffingen (noch…).

Cheftrainer Andi Vollmer setzt sich allerdings sehr differenziert mit den beiden Aufgaben auseinander und beurteilt die Ausgangslage für sein Team im Cup anders als in der Meisterschaft.

Sm'Aesch Pfeffingen will den Cupsieg.

Sm'Aesch Pfeffingen will den Cupsieg.

Cup: „Der 2. Platz kann kein Ziel sein“

Ungeachtet der Tatsache, dass jetzt mit dem Heimspiel vom 16. März gegen Genève Volley die Meisterschafts-Playoffs und damit der eigentliche Titelkampf nach 21 Qualifikationsrunden beginnen, dreht sich im Kopf von Andi Vollmer schon vieles um den Cupfinal. Und dieses Bewusstsein vermittelt der Cheftrainer seit längerem auch seinen Spielerinnen in den Trainings.

„Ich muss das so tun“, sagt Vollmer, „das hat rein gar nichts mit unserem Playoff-Gegner aus Genf zu tun, den respektieren wir, den nehmen wir ernst.“ Aber, so Vollmers völlig nachvollziehbare Gedanken: Gegen Genève Volley hat „Sm’Aesch Pfeffingen“ maximal fünf Chancen, sich für die Halbfinals zu qualifizieren, jetzt aber den Cup zu holen, muss das Werk eines einzigen Spiels sein.

Eine zweite Chance gibt es da nicht. Dazu kommt pragmatisch gesehen, dass der Tabellenzweite aus Aesch den Zweitletzten der Liga aus Genf auch dann besiegen sollte, wenn in der Trainingsarbeit zwischen der Vorbereitung auf den nächsten Gegner und der Vorbereitung auf den Cupfinal munter geswitcht wird, was Vollmer derzeit tatsächlich tut. Unterstrichen wird diese Beurteilung durch die Tatsache, dass SMAP in der Qualifikation die Genfer in den drei Spielen dreimal reichlich locker und ohne jeden Satzverlust
bezwungen hat.

Deshalb nahm es Andi Vollmer auch relativ gelassen, als sein Team am vergangenen 8. März zum Abschluss der Qualifikation mit einem 0:3 gegen Kanti Schaffhausen die bisher dritte Meisterschaftsniederlage bezog und damit den 1. Schlussrang der Qualifikation an Düdingen verlor. „Wir hatten zum einen wirklich schwarzen Tag, zum andern aber befassten wir uns im Training ausnahmsweise tatsächlich nur zwei Tage mit dem Gegner aus Schaffhausen. Der
Fokus der anderen Trainings jener Woche waren bereits auf den Cupfinalgegner aus Neuchâtel gerichtet.“


Vor dem besagten Auswärtsspiel in Schaffhausen hat also Vollmer die Vorbereitung umgestellt: „Da haben wir uns die ersten drei Trainingstage mit dem Cupfinalgegner NUC beschäftigt und uns dann nur die zwei Trainings direkt vor dem Meisterschaftsspiel gegen Kanti Schaffhausen mit dem bevorstehenden Match auseinandergesetzt.“

Man sieht: Vollmer brennt förmlich auf diesen 30. März mit dem Cupfinal in Fribourg gegen die Neuenburgerinnen. Und deshalb kennt er für diesen Match beim Formulieren des Ziels auch kein Zögern und kein Verwedeln: „Du kannst nicht in einen Cupfinal gehen und das Ziel rausgeben, Zweiter zu werden, niemand auf der Welt tut das…“

Zurückhaltende Ziele in der Meisterschaft

Deutlich zurückhaltender in der Formulierung des Zieles ist Vollmer vor dem Start der Playoff-Viertelfinals gegen Genève Volley. Klar ist zwar auch für ihn, dass die Romands eliminiert werden müssen. Denn objektiv gesehen gibt es kein Argument, die Favoritenrolle dem Gegner zuzuschanzen, nicht einmal die Unwägbarkeiten des Sports. Aber sonst „halte ich den Ball für diese Playoffs flach – aus meiner Sicht völlig berechtigterweise.“

Tatsächlich erinnert Vollmer zurück an die Zeit vor dem Saisonstart im Herbst 2018. Das damals von allen Führungskräften im Verein unisono formulierte Saisonziel lautete: Wir wollen eine Medaille gewinnen. „Dieses Ziel haben wir bereits erreicht, denn im Cupfinal ist uns mindestens die Silbermedaille sicher. Und das Endspiel wollen wir gewinnen, da wird man von mir nichts anderes hören.“

Dass Vollmer für die NLA-Playoffs kein konkretes Ziel öffentlich machen will, erklärt er so: „Wir haben bisher eine wirklich schwierige Saison hinter uns, da ist es meines Erachtens einfach nur grossartig, was wir bisher erreicht haben: Platz 2 mit nur drei Niederlagen in der Meisterschaft und das Erreichen des Ziels Medaillengewinn.

Das ist doch schon mal eindeutig über den Erwartungen, weshalb ich für den letzten Teil in der Kommunikation nach aussen bescheiden bleiben möchte, denn zumindest für die drei anderen Spitzenteams ist die Chance ja ebenfalls sehr gross, die Nachfolge von Volero Zürich übernehmen zu können.“


Diese verschiedenen Hürden, die es zu meistern galt und teilweise noch immer gilt, sind der Grund, weshalb Vollmer zu Recht lobt, was bisher geschah, aber noch nicht ausdeutschen mag, was alles noch werden kann für ein Team mit einem Traum…