Gegen 150 Interessierte fanden den Weg ins Auditorium des Hotel Hilton in Basel. Das hatte nicht nur damit zu tun, dass das Podium mit Urs Leutert (59), Sportchef Schweizer Radio und Fernsehen DRS, Urs Lacotte (59), bis vor einem Jahr noch der Generalsekretär des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und der Ski-Ikone Bernhard Russi (64) prominent besetzt war. Die Thematik «Olympische Winterspiele – Traum oder Albtraum?» hat weder an Aktualität und schon gar nicht an Brisanz verloren. Leiter des Symposiums war Gregor Dill (47), Leiter des Sportmuseums Basel.

Letztmals fanden im Jahre 1948 Olympische Winterspiele in der Schweiz statt. Wie 1924 war St. Moritz damals der Ausrichter dieser Sportveranstaltung. Spätere Versuche, die Spiele ins Wintersportland Schweiz zu holen, scheiterten oftmals schon im Anfangsstadium oder zogen unerwartet gegen Turin (2006) den Kürzeren.

In seiner Begrüssungsrede hatte Peter Minder (55), langjähriger Radio- und Fernsehjournalist sowie Kommentator, welcher aktuell Kommunikationschef des VBS ist, klar zum Ausdruck gebracht, dass «ich zu Olympischen Spielen ein ambivalentes Verhältnis habe. Dieser Gigantismus ist schon fast wieder ein Anachronismus», so der Aargauer, welcher selber – im Modernen Fünfkampf – Olympionike gewesen war.

Auch Leutert brachte Zweifel an, ob Olympische Winterspiele in der Schweiz realistisch und realisierbar sind. Denn für den Fernsehmann ist eine Olympiade «nicht nur ein Sportevent, sondern vielmehr ein Treffen von Kulturen aus allen Kontinenten». Russi hat, ob als Aktiver, Funktionär oder Pistenbauer, elf Olympische Winterspiele erlebt. «Die Begeisterung und der Enthusiasmus der Athleten und Besucher ist riesig. Das spricht für eine Durchführung von Olympischen Winterspielen in Graubünden. Aber über die Nachhaltigkeit kann und muss man diskutieren», so der Urner.

In der Tat rief Leutert in Erinnerung, dass «in Athen, wo das schönste aller Olympiastadien für die Spiele 2004 gebaut wurde, das Werk zu einer Ruine zerfällt». Und dies hat nicht nur mit der Wirtschaftskrise zu tun. An den meisten olympischen Veranstaltungsorten werden die Sportstätten kaum genutzt. Die Athletenunterkünfte stehen meist leer und die finanzielle Nachbelastung (Steuern!) ist für die Bevölkerung gross.

Dass während der Veranstaltung, die Meldung eintraf, dass die Schweizer Sportverbände einer Olympia-Kandidatur Graubünden 2022 ihre volle Unterstützung zusichern (mit dem Votum von 76:0 Stimmen), stimmt zuversichtlich. Eine Ad-hoc-Abstimmung im Auditorium ergab, dass rund 70 Prozent der Anwesenden für Olympische Winterspiele in der Schweiz sind. Auch Mathieu S. Jaus, bis vor kurzem Vorstandsmitglied und Finanzminister des FC Basel, gehört zu den Befürwortern: «Winterspiele in der Schweiz sind realisierbar», so der Therwiler.