Von Iowa nach Kalifornien, von dort in die Schweiz, ein kurzer Abstecher nach Deutschland, zurück in die USA und wieder in die Schweiz: Für ihre Volleyballkarriere ist die 26-jährige Kristen Tupac schon um die halbe Welt gereist. Die gebürtige Amerikanerin wohnt heute gemeinsam mit ihrem Mann in Denver, Colorado. Volleyball spielt sie diese Saison allerdings in der Schweiz für das NLA- Team von Sm’Aesch Pfeffingen.

Ihre Karriere startet Tupac mit 13 Jahren. An ihrer High School in Iowa tritt sie dem Volleyballteam bei. Nebenbei spielt die Sportskanone Softball, Basketball und Track & Field. Als sie dann die High School abschliesst und an die Iowa State University geht, wird sie auch dort für das Collegeteam aufgeboten. «Meine ganze Familie ist schon an diese Schule gegangen. Es war für mich ein Traum, dort zu spielen», erzählt Tupac. Damals macht sie Volleyball nur zum Spass. Erst mit 21 Jahren erfährt sie von der Möglichkeit, auch professionell zu spielen. Von da an ist für sie klar: «Das will ich machen.»

Als Erste das Nest verlassen

Tupac ergattert sich einen Platz im amerikanischen Nationalteam. Damit beginnt ihre Reise um die Welt: Um mit dem Nationalteam trainieren zu können, verlässt sie nach dem College ihre Heimatstadt Iowa und zieht an die Westküste nach Kalifornien. Nach einer erfolgreichen Saison beginnt sie, sich nach neuen Möglichkeiten umzusehen: Neben Rumänien und Frankreich ist auch die Schweiz ein Thema. «Meine Ururgrossmutter stammte aus der Schweiz. Als ich klein war, habe ich so von meiner Grossmutter immer wieder Geschichten über dieses Land gehört», erinnert sich Tupac. Als sie dann von Volley Düdingen ein Vertragsangebot bekommt, sagt die Amerikanerin begeistert zu.

Es ist das erste Mal, dass sie ihre Verwandten verlässt, um in ein anderes Land zu ziehen. «Die meisten aus meiner Familie haben Iowa nie verlassen. Die Person zu sein, die das Nest verlässt und wegzieht, das ist nicht ganz einfach», erzählt Tupac. Man sei daran gewöhnt, Freunde und Familie immer um sich zu haben. «Da ist es schwierig, wegzugehen – und dann auch noch in ein völlig fremdes Land.»

Genau in dieser Zeit verliebt sich Tupac in ihren heutigen Mann. «Wir wussten nicht, wie das mit einer Fernbeziehung funktionieren würde.» Dennoch wagt Tupac das Abenteuer und bereut es nicht. Sie fühlt sich auf Anhieb in der Schweiz wohl, ist begeistert von der neuen Kultur, den Leuten, der Natur und den Schweizer Bergen. «Ich habe ein grossartiges Jahr in Düdingen verbringen dürfen», schwärmt sie. Auch das mit der Fernbeziehung hat funktioniert. «Seit Juni sind wir verheiratet» sagt Tupac und lacht.

Die einjährige, stressfreie Auszeit

Bei Volley Düdingen ist für die 26-Jährige aber noch lange nicht Endstation. Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung entschliesst sie sich, nach Deutschland zu ziehen und dort in der Bundesliga zu spielen. «Ich wollte meine Karriere weiter vorantreiben und sehen, wie weit ich es schaffen kann». Eine Saison lang bleibt sie in Deutschland, doch es ist eine schwierige Zeit. Tupac hat Probleme mit dem Trainer, die mentale Belastung wird immer grösser. Sie fühlt sich isoliert und ausgebrannt. Schliesslich entscheidet sie sich, in die USA zurückzukehren. Ein Jahr lang nimmt sie eine Auszeit und bleibt mit ihrem Mann in Colorado. «Diese Zeit habe ich gebraucht, um mich wieder mehr auf mich selbst zu konzentrieren. Ich konnte mich so langsam und stressfrei erneut in den Volleyball verlieben», erzählt Tupac.

Aber ohne ihren Sport geht es nicht. Das wird ihr in dieser Zeit klar. Als dann eine zweite Anfrage aus der Schweiz kommt, muss Tupac nicht lange überlegen. «Nach meiner Saison in Düdingen war ich mir sicher, dass ich zurück in die Schweiz gehen würde, sollte sich die Möglichkeit dazu ergeben.» So findet sie ihren Weg ins NLA-Team von Sm’Aesch Pfeffingen, wo sie in dieser Saison spielen wird. Der Amerikanerin geht es dort bestens: «Mit meinen Teamkolleginnen verstehe ich mich super. Die Chemie stimmt.»

Die Reise wird weitergehen

Die Mannschaft führt momentan als Spitzenreiter die Tabelle an und das Ziel ist klar: «Wir wollen am Ende dieser Saison die Schweizer Meisterschaft gewinnen. Und den Schweizer Cup am besten auch», sagt Tupac. «Ich möchte in meiner Zeit hier bei Sm’Aesch dem Team helfen, so erfolgreich wie möglich zu werden.»

Was sie nach dieser Saison machen wird, weiss die 26-Jährige noch nicht so genau. «Aber sollte ich weiter Volleyball spielen, würde ich das gerne in der Schweiz tun.» Später möchte sie gemeinsam mit ihrem Mann als Volleyballtrainerin arbeiten. «Wir beide lieben Volleyball sehr und helfen gerne anderen Leuten.» Wo genau sie diesen Traum verwirklichen werden, steht noch in den Sternen. «Wo auch immer sich die Möglichkeit ergibt», sagt Tupac. Klar ist: Dem Volleyball wird sie weiterhin verbunden bleiben. Und ihre Reise, die ist wohl auch noch lange nicht zu Ende.