Werner Schmid (69) hat diesen Moment immer wieder hinausgezögert, obwohl ihn seine Frau und seine Tochter schon länger zum Rücktritt bewegen wollten. Doch jetzt ist der Tag gekommen. Nach 34 Jahren Volleyball, 19 Jahren Sm’Aesch Pfeffingen und elf Jahren als Präsident zieht sich der Garagist aus Reinach per Ende Saison sowohl aus dem Verwaltungsrat als auch aus dem Vereinspräsidium zurück.

«Ich werde bald 70 und möchte etwas mehr Ruhe», begründet Werner Schmid seinen Entschluss. Durch den sportlichen Erfolg der letzten Jahre ist sein Job stressiger geworden. Unterschiedliche Personen hatten zahlreiche Verbesserungsvorschläge und forderten immer wieder Dinge, ohne sich Gedanken über die Finanzierung zu machen. Werner Schmid möchte jetzt einer neuen Führung die Möglichkeit geben, «das alles zu verwirklichen».

Berhnard Heusler wird es wohl nicht

Wer der Nachfolger werden könnte, steht noch in den Sternen. Die frühzeitige Kommunikation des Rücktritts soll den Weg für Gespräche freimachen. Natürlich steht ein Name sofort im Zentrum des Interesses: Bernhard Heusler. Der ehemalige FCB-Präsident war im Sommer 2017 zusammen mit Werner Schmid und Marc Troxler von der Venenklinik in Arlesheim in den Verwaltungsrat der neu gegründeten AG eingetreten und wäre als Edelfan mit den nötigen Kontakten sicher keine schlechte Nachfolgelösung. Doch Bernhard Heusler und Marc Troxler kamen 2017 in den Verwaltungsrat, um dem Präsidenten zu helfen, nicht um ihn eines Tages zu beerben. Deshalb sagt Werner Schmid: «Ich gehe nicht davon aus, dass Bernhard Heusler mein Nachfolger wird.»

Präsident Werner Schmid hat im Verein das Sagen.

Präsident Werner Schmid hat im Verein das Sagen.

Die Suche nach einem adäquaten Ersatz ist eine Herkulesaufgabe. Werner Schmid war nicht nur 1985 Gründungsmitglied des VC Pfeffingen und der Trainer, der die Volleyballerinnen von der untersten Spielklasse in die 1. Liga führte. Auch bei der Fusion mit dem Volleyballklub aus Aesch im Jahr 2000 war er federführend. Mit Marianne Hollinger, der Gemeindepräsidentin von Aesch, erfand damals seine Schwägerin das Wortspiel Sm’Aesch Pfeffingen.

Werner Schmid diskutierte auch mit, wenn es bei der Gemeinde um die neuen Hallenzeiten ging und kümmerte sich um das Finanzielle. Er zog zahlreiche Sponsoren an Land und pumpte auch selber jede Menge Geld in den Klub, für den es sportlich stetig nach oben ging.
Nach dem Aufstieg in die NLB 2003 spielten sich die Volleyballerinnen ein Jahr später direkt in die höchste Schweizer Spielklasse. Im Januar 2019 steht Sm’Aesch Pfeffingen an der Spitze des Klassements und könnte – auch wegen dem Abgang von Dauermeister Voléro Zürich in die französische Liga – erstmals Schweizer Meister werden. Es wäre das perfekte Abschiedsgeschenk für den abtretenden Präsidenten.

Seit je her hat Werner Schmid ein offenes Ohr für seine Spielerinnen. Er hilft den ausländischen Profis bei der Eingewöhnung, bei bürokratischen Fragen und fungiert zur Not sogar als Handwerker. Da liegt es auf der Hand, dass er die aktuelle Equipe persönlich über seinen Entscheid informierte.

Droht jetzt der Zwangsabstieg?

Sm’Aesch Pfeffingen steht nach dieser Nachricht vor einer ungewissen Zukunft. Es wird schwierig sein, einen Nachfolger zu finden, der ähnlich viel Leidenschaft und Geld in den Verein pumpt wie Werner Schmid. Der 69-Jährige bleibt Sm’Aesch zwar als Sponsor erhalten, trotzdem droht im schlimmsten Fall der Entzug der Lizenz und damit ein Neuanfang auf Amateurniveau. Damit es nach seinem Rückzug aber nicht soweit kommt, hat Werner Schmid vorgesorgt. Seine 2011 eröffnete Nachwuchsakademie trägt bereits Früchte. «Ich glaube, dass Sm’Aesch auch mit reduziertem Budget und ohne ausländische Profispielerinnen in der NLA bestehen könnte», sagt er.