Mit einer Choreo über der Muttenzerkurve verabschieden sich die Fans des FC Basel im letzten Heimspiel im Jahr 2018 von ihrer Mannschaft. Das Motto vor dem Klassiker gegen den FC Zürich: Sonnenschein und Regen.

Auf den ersten Blick sind auf der Choreo jubelnde Basler zu sehen. Ziehen die Zuschauer im Joggeli jedoch die bereitgelegten rotblauen Brillen auf, sitzen die FCB-Spieler beim Blick auf die Choreo plötzlich niedergeschlagen am Boden. Eine Situation, die den aktuellen FCB mit all seinen Problemen und am Ende einer Chaos-Woche mit Spielerrevolte und Aussprache schon etwas besser beschreibt.

Jüngste FCB-Startelf der Saison

Dazu passt, dass es wenige Minuten vor Anpfiff wie aus Kübeln zu regnen beginnt. Auch die lange Verletztenliste macht Sorgen. FCB-Trainer Marcel Koller vertraut fast schon gezwungenermassen der mit durchschnittlich 24,2 Jahren jüngsten FCB-Startelf überhaupt in dieser Saison.

Zum Vergleich: Raphael Wickys jüngste Startformation in der vergangenen Saison war durchschnittlich 24,6 Jahre alt. Mit Yves Kaiser kommt ein Nobody aus dem eigenen Nachwuchs zu seinem Super-League-Debüt und viele fragen sich: Kann dieser FCB gegen den einen Platz besser klassierten FCZ gewinnen? Die Antwort lautet klar und deutlich: Ja.

Traumkombination von Ajeti

Rotblau legt los wie die Feuerwehr. «Wir haben mit sehr viel Kampf das Publikum schnell hinter uns gebracht», analysiert Raoul Petretta nach dem Spiel richtig. Zürich kommt mit dem FCB-Pressing nicht klar und verliert viele Bälle sogar schon in der eigenen Hälfte.

Bei FCB-Ballbesitz wirbeln Aldo Kalulu und Noah Okafor auf den Flügeln und stellen die FCZ-Dreierkette immer wieder vor grosse Probleme. Albian Ajeti muss Basel nach zehn Minuten eigentlich in Führung schiessen, doch sein Lupfer geht knapp am Tor vorbei. Neun Minuten später macht es der Stürmer besser. Ajeti drischt eine Traumkombination über Okafor, Zuffi und die Hacke van Wolfswinkels ohne Rücksicht auf Verluste durch die Hosenträger von Brecher ins Netz. 1:0. Sonnenschein trotz Regen.

In der Folge verpasst es der FCB, nachzulegen. Kalulu per direktem Freistoss, Eray Cömert mit einem Flatterball und Ajeti aus kurzer Distanz scheitern noch vor der Pause am glänzend aufgelegten FCZ-Schlussmann. Brecher ist allerdings der einzige Zürcher in Normalform. Umso bitterer für den FCZ, dass es für ihn nach einem Sturz auf den Rücken und Schwindelgefühlen nicht mehr weitergeht.

Sonntagsschuss und Schiri-Fehler

FCZ-Trainer Ludovic Magnin stellt nach der Pause taktisch um. Doch der FCB lässt gar nicht erst Hoffnung aufkommen und doppelt durch einen Sonntagsschuss von Petretta drei Minuten nach Wiederanpfiff nach. Eine schlechte Ballannahme von Adrian Winter landet auf dem schwachen rechten Fuss des linken Aussenverteidigers. Petretta kann sein Glück kaum fassen, als er sieht, wie der Ball aus 16 Metern via Lattenunterkante den Weg ins Netz findet. 2:0. Immer noch Sonnenschein. Das gab es bei Rotblau in Halbzeit 2 zuletzt nicht oft.

«Bis zum 2:0 war der FCB das einzige Team, das Fussball gespielt hat», sagt Magnin später. Doch jetzt wacht der FCZ auf. «In dieser Phase haben wir zwei Riesenparaden von Jonas Omlin gebraucht», weiss sein Kollege Koller. Tatsächlich tauchen plötzlich erst Winter und wenig später auch Stephen Odey alleine vor Omlin auf. Doch der macht sich gross und pariert.

Wie schon beim 1:1 im Hinspiel, als der FCZ ein reguläres Tor nicht bekam, steht auch jetzt Schiedsrichter Nikolaj Hänni mit einer Fehlentscheidung im wahrsten Sinne des Wortes im Regen. Kalulu nimmt den Ball im eigenen Sechzehner mit der Hand mit. Doch Hänni verlegt den Tatort nach ausserhalb des Strafraums und gibt nur Freistoss. Glück für den FCB, der in der Folge wieder aktiver wird und nicht mehr zittern muss.

Der Sonnenschein kann schnell wieder Regen weichen

Mit einem der besten Spiele unter Kollers Regie zeigt der FCB eine Reaktion auf die Vorkommnisse der letzten Tage. Doch wie die Fans weiss auch Fabian Frei: «Wenn wir am Samstag in Sion wieder die Schiessbude sind, bringt das Momentum nichts.» Der Captain weiss nur zu gut, dass beim FCB dieser Tage der Sonnenschein schnell dem Regen weichen kann.


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