Wenige Tage, nachdem Marcel Koller den FC Basel übernommen hatte, sagte er, dass er bereits viel habe in Erfahrung bringen können. Nicht aber, wie diese Mannschaft auf einen Rückstand reagieren würde.

Seit gestern Abend ist Koller um diese Erfahrung reicher. Einen 1:2-Rückstand drehen die Basler und holen sich in diesem Playoff-Hinspiel gegen Apollon Limassol einen 3:2-Heimsieg. Nur, dass Koller überhaupt hat erfahren müssen, wie seine Spieler auf einen Rückstand reagieren würden, ist unnötig. Absolut unnötig. Zu gut startet der FCB in dieses Spiel. Nur sechs Minuten dauert es, bis Ricky van Wolfswinkel zum 1:0 trifft. Der Holländer schliesst eine Traumkombination – ausgelöst von Eray Cömert – souverän ab.

Der Schock, dass Keeper Jonas Omlin kurz vor dem Anpfiff aufgrund muskulärer Probleme am Oberschenkel Forfait geben muss (eine Untersuchung soll heute Klarheit geben wie lange er ausfallen wird), steckt die Mannschaft ohne Problem weg. Zu abgeklärt, zu stark ist der FCB im Vergleich mit dem Gast. Entsprechend schnell scheinen die Machtverhältnisse geklärt. Der FCB hat alles im Griff, während Apollon Limassol überfordert wirkt, kein Bein vor das andere bringt. Die Zyprioten spielen gar so schlecht, dass man sich fragen muss, wie sie diese Playoffs überhaupt haben erreichen können. Und viel mehr noch: Wie kann es sein, dass der FCB nur mit einer 1:0-Führung in die Pause geht?

Die Basler hätten die Chanchen gehabt, um den Sack zu machen zu können. Aber sie lassen im Pressing nach und die Chancen liegen. Eine Nachlässigkeit, die nach der Pause eiskalt bestraft wird. Mit dem allerersten Schuss auf das Tor überhaupt erzielen die Gäste das 1:1. Aber damit nicht genug. Nur vier Minuten später erzielt Fotis Paoulis das 2:1 für Apollon. Unglaublich. Fassungslosigkeit macht sich breit. Wie kann das passieren? Wie kann der FCB ein solches Spiel aus der Hand geben?

Eray Cömert: "Die Gegentore waren schon ein bisschen Scheisse"

Eray Cömert: «Die Gegentore waren schon ein bisschen Scheisse»

   

Mangelnde Konzentration

Es ist ein Doppelschlag, der weh tut. «Wir haben in der Pause noch angesprochen, dass wir keine Konter bekommen wollen. Und dann kriegen wir gleich nach der Pause zwei. Das ist nicht optimal», sagt Koller zu den beiden Gegentoren und fügt an: «Wir waren unorganisiert, das darf nicht passieren. Wir führen mit 1:0 und dann geben wir dem Gegner die Möglichkeit für zwei so einfache Tore.»

Beim ersten Gegentor steht der Schütze alleine, beim zweiten genügt eine Finte gegen Eder Balanta, um diesen im Schilf stehen zu lassen und treffen zu können. Eray Cömert spricht von «Unkonzentriertheit und mangelnder Abstimmung», welche die beiden Tore ermöglicht haben. Der FCB wägte sich offenbar zu früh in Sicherheit. Was die Mannschaft nach dem zweiten Gegentreffer aber zeigt, ist eine starke Moral. Sie verliert die Nerven nicht, arbeitet stattdessen kontinuierlich auf den Ausgleich hin. Diesen erzielt van Wolfswinkel in der 69. nach einem Eckball von Luca Zuffi: 2:2.

Es wäre ein Resultat, das dem Gast mehr dienen würde. Aber in der 84. Minute sorgt Cömert mit seinem ersten Profi-Tor für den FCB dafür, dass es die Basler sind, die im Rückspiel die bessere Ausgangslage haben. Eine Flanke von Kevin Bua köpft er ein zum 3:2. Der FCB holt sich also diesen immens wichtigen Heimsieg, weil «wir wirklich gefightet und diesen verdienten Sieg erzwungen haben», wie Koller resümiert.

Verdient ist der Sieg in der Tat. Nur ist er auch viel zu wenig hoch. Der FCB war überlegen, gefährlicher vor dem Tor, liess nur zwei Torschüsse der Zyprioten zu. Fünf Minuten geprägt von Unkonzentriertheit kosten den FCB die perfekte Ausgangslage. Aber er hat einen Sieg im Gepäck, wenn er nächste Woche nach Zypern reist. Einen Sieg, der Torschütze Cömert sagen lässt: «Wir werden das packen.»

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