Samuele Campo hat dieses gewisse Etwas, diesen Hauch Magie in seinen Füssen. Manchmal scheint es, als würde er mit seinen Pässen Räume öffnen, die vorher gar nicht existierten. Und seine Freistösse können eine gefürchtete Waffe sein. Samuele Campo hat das Zeug, um den Unterschied zu machen. Das hat er mehrfach bewiesen, auch schon in Basel, aber vor allem vorher bei Lausanne. Dort war er der Spielmacher, ja, der Star der Mannschaft.

Es ist die Rolle, in der man ihn auch in Basel sah. Wenigstens der entlassene Trainer Raphael Wicky und Sportchef Marco Streller. Man wollte ihm Zeit geben, um im Schatten von Mohamed Elyounoussi zu reifen. Deshalb köderte ihn Streller schon im Winter zurück zum FCB, dem Verein, wo Campo die ganze Nachwuchsabteilung durchlief. Zu seiner grossen Enttäuschung wurde er nicht für die Champions League nominiert.

Nicht, weil man ihn nicht dem Druck aussetzen wollte, sondern weil er überzählig war. Drei Spieler hatte der FCB nachmelden können – und entschied sich für die anderen beiden Rückkehrer Fabian Frei und Valentin Stocker sowie für den Akanji-Ersatz Léo Lacroix.

Druck hat Campo dennoch. Bei seiner Ankunft gab man ihm die Zehn, diese sagenumwobene Rückennummer des Spielmachers. Er erbte sie von Matias Delgado, der Basler Version von Diego Armando Maradona. Man versuchte Campo also einerseits zu schützen, liess die Erwartungen der Fans aber mit der Nummernwahl in Roche-Turm-Höhe schnellen.

Zuerst die Verletzung ...

Als der filigrane Spielmacher dann erstmals für Rotblau auflief, war der Rhythmus weg und die Enttäuschung der Anhänger gross. Campo – ein ewiges Versprechen, hiess es da schnell. Aber er fand tritt. Nur zögerlich zu Beginn mit einem einzelnen Assist. Doch gegen Ende der Saison legte er praktisch in jedem Spiel ein Tor auf und er erzielte seine ersten beiden Treffer. Campo schien angekommen.

Diesen Eindruck verstärkte die Klubführung. «Samuele ist gereift in diesem halben Jahr», sagte Streller. Immer wieder hörte man Schwärmereien über die technischen Fähigkeiten, seine Freistösse, sein Auge. Und obwohl er sich gleich zu Beginn des Trainingslagers in Tegernsee verletzte, zeigte sich Streller felsenfest überzeugt: «Er wird uns noch viel Freude machen diese Saison.» Campo war unter Wicky eine Schlüsselrolle zugedacht. Er hätte der Mann sein sollen, der den Unterschied ausmacht, das zentrale Puzzlestück.

... und dann die Sperre

Eine Muskelverletzung, zugezogen Ende Juni im Test gegen 1860 München, kostete Campo einen grossen Teil der Vorbereitung. Den Saisonauftakt gegen St. Gallen verpasste er. Und Wicky meinte vor diesem Spiel: «Wir können ihn nicht 1:1 ersetzen.» Trotzdem hielt er am 4-2-3-1 fest, setzte Kalulu als Spielmacher ein und tauchte zum Saisonauftakt (1:2) gegen die Ostschweizer. Wenig später war Wicky Geschichte.

Interimstrainer Alex Frei brachte Campo gegen Xamax erstmals wieder - und Campo flog innert weniger Minuten vom Platz. «Der Platzverweis kam im falschen Moment, ich habe dadurch ein Spiel verpasst, das war nicht der perfekte Einstand», sagt der Zauberfuss. Campo verpasst die Premiere unter Koller – und findet sich seither auf der Ersatzbank statt im Zentrum des Spiels.

Frei-Zuffi eingespielt

Koller setzt in der Mitte auf die Achse Frei-Zuffi. «Das hat sich eingespielt. Aber ich glaube, dass noch mehr möglich ist, wir werden das weiter forcieren», sagte Koller nach dem sich der FCB gegen Vitesse Arnheim und ohne Campo die Qualifikation für die Playoffs zur Europa League sicherte.

Und daran wird der FCB-Trainer auch heute gegen Apollon Limassol mit grösster Wahrscheinlichkeit nichts ändern. «In der Vorbereitung habe ich als Zehner gespielt. Das hat sich mit dem Trainerwechsel geändert», sagt Campo. Das sei Teil des Profi-Geschäfts, damit müsse er umgehen können, fügt er an.

«Genau das braucht das Team»

Aufgeben will er noch nicht. Campo will nicht nur zaubern können, sondern auch kämpfen, sich durchbeissen. Unter einem Trainer, der wenigstens in seinen Anfängen mehr auf Physis denn auf Technik setzte (Kalulu und Campo – der eine klein, der andere filigran – haben unter Koller massiv an Bedeutung verloren). «Er fordert von uns allen, dass wir konsequent und diszipliniert sind. Genau das braucht in einem Team», sagt Campo über seinen Trainer.

Fit wäre Campo wieder. Und er zeigt sich gewillt, um seinen Platz zu kämpfen. Die Zukunft wird zeigen, ob er Erfolg hat. Sollte er nicht reüssieren, es käme für ihn nicht aus heiterem Himmel. Lausanne-Trainer Fabio Celestini warnte Campo kurz vor seinem Wechsel, sagte ihm, er gehe zu früh, Basel sei vergleichbar mit dem Schritt ins Ausland. Diesen würde er erst wagen, wenn er mindestens zwei gute Saisons auf höchstem Schweizer Niveau in den Beinen hat.