Samuele Campo nützt den freien Tag zum Besuch der Familie. Eben hat er noch mit seinen Brüdern zu Mittag gegessen, jetzt sitzt er in Muttenz in einem Café und erzählt aus seinem Leben als Profi des FC Lausanne-Sport. «Ich bin sehr zufrieden, wie es läuft», sagt der 22-Jährige. Und klammert dabei den vergangenen Sonntag aus, als es im Letzigrund gegen den FC Zürich eine 0:2-Niederlage absetzte.

Dass in diesem Spiel die Lausanner beim Stande von 0:0 zu viert gegen zwei Zürcher aufs Tor zusteuerten, die Konterchance aber nicht nützten, ärgert Campo auch zwei Tage später noch. «Das hätte ein Tor werden müssen», sagt der offensive Mittelfeldspieler, der den Ball vielleicht einen Tick zu weit nach rechts gespielt hatte.

Unbestrittener Stammspieler

Sonst aber fällt Campo in dieser Saison vor allem durch Präzisionsarbeit auf. In der Rangliste der besten Passgeber liegt er zusammen mit dem Basler Mohamed Elyounoussi mit acht Assists hinter dem Thuner Matteo Tosetti (10) an zweiter Stelle und er hat auch schon drei Tore geschossen. Er ist unter Trainer Fabio Celestini unbestrittener Stammspieler, wie er das auch schon in der vergangenen Saison gewesen ist.

«Wir haben viel Qualität in der Mannschaft und machen jetzt weniger Fehler als im Jahr nach dem Aufstieg, als uns noch die Super-League-Erfahrung fehlte», sagt Campo. «Jetzt freuen wir uns extrem auf den Besuch des FC Basel, der für mich immer noch die beste Mannschaft ist; besser als Tabellenführer YB.»

Nach vier Niederlagen gegen den FCB in der letzten Saison haben die Waadtländer im September im St. Jakob-Park 2:1 gewonnen. Campo hat dabei Joël Geissmanns Siegtor vorbereitet. Für ihn ist eine Partie gegen Rot-Blau noch immer speziell und weit davon entfernt, «ein Spiel wie jedes andere» zu sein.

Samuele Campo im Dress der Lausanner.

Samuele Campo im Dress der Lausanner.

Als Dreijähriger hatte Klein-Samuele beim VfR Kleinhüningen mit dem Fussball begonnen und war dann bereits im zarten Alter von sechs Jahren zum FC Basel gelotst worden, weil er bei einem Hallenturnier aufgefallen war. «Ich hatte eine super Juniorenzeit mit vielen Highlights bei internationalen Turnieren. «Miloš Veljković, der jetzt bei Werder Bremen spielt, war mein Teamkollege, aber auch Nicolas Hunziker, Albian Ajeti und Cedric Itten gehörten zu jener Mannschaft», erzählt Campo.

Während Veljković schon mit 16 Jahren zu Tottenham wechselte, hofften die anderen, beim FCB den Sprung in die erste Mannschaft zu schaffen. Doch es reichte ihnen nicht. «Es war schwierig, in diesem riesigen Kader Aufnahme zu finden», sagt Campo. «Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort», sagt er heute.

Er entschied sich im Januar 2016, nach 15 Jahren FCB den Verein zu verlassen und mit einem Vertrag bis Juni 2018 definitiv zu Lausanne zu wechseln. «Ich musste diesen Schritt tun», sagt Campo, «und bin überglücklich, dass es so gut herausgekommen ist. Ich bin fussballerisch auch dank dem taktisch unglaublich versierten Celestini weitergekommen und habe mich fernab der Heimat menschlich weiterentwickelt.»

Ihm ist pudelwohl in Lausanne

Richtig Vollprofi ist Campo allerdings erst seit diesem Sommer, nachdem er die Wirtschaftsmittelschule abgeschlossen und den praktischen Teil im Büro des eben abgetretenen Lausanne-Präsidenten Alain Joseph absolviert hatte. Campo, der ganz in der Nähe des Stadions wohnt, fühlt sich pudelwohl in Lausanne. «Es ist eine grossartige Stadt und mit den Teamkollegen unternehme ich viel.»

Aber eben: Wenn Celestini freigibt, dann zieht es Campo immer nach Muttenz zu seiner Familie. Der Vater ist Sizilianer, die Mutter Tessinerin und Samuele der jüngste von vier Brüdern. Er ist eingefleischter Inter-Fan und hat mitgelitten, als Italien die WM verpasste. «Wie konnte der Trainer im entscheidenden Spiel gegen Schweden einen Torjäger wie Insigne nur auf der Bank lassen!», hadert Campo, der 15 Juniorenländerspiele für die Schweiz bestritt, noch immer.

Natürlich hat er mit Interesse den Umbruch beim FCB verfolgt und freut sich darüber, dass vermehrt auf die Jungen gesetzt werden soll. «Ich bin überrascht, wie gut es schon läuft», sagt Campo. Ist er bald selber Teil des neuen FCB und wird wie Itten und Ajeti in den St. Jakob-Park zurückgeholt? «Gelesen habe ich dies auch schon», wiegelt Campo ab. Basler Insider aber sagen, seine Rückkehr im Winter sei beschlossene Sache.