Während die Gastgeber, obwohl sie die Stammfünf forcieren mussten, locker mit den bes­ten fünf Leuten die Endphase bestreiten durften, sahen sich die Starwings in der zweiten Halbzeit vom Ref-Trio förmlich verfolgt. Gastcoach Pascal Donati musste viele Wechsel - aufgrund der hohen Foulbelastung - vornehmen. Und so kam es, dass Union-Spielmacher Brandon Brown sagenhafte 18 Freiwürfe werfen konnte (zuletzt, nach unsportlichen und technischen Fouls, weil die Birsfelder völlig entnervt waren), während die Starwings als Team nur zehnmal an der Linie standen.

Das Verhältnis von 10:41 bei den Freiwürfen zu Ungunsten der Deutschschweizer ist schlicht skandalös – Zuschauer, die sehr viel Lärm verursachten und wenig Sachverstand (von Fairness ganz zu schweigen) zeigten, mach­ten zusätzlich Druck auf die Unparteiischen, die – in dieser klaren Form muss man es sa­gen – gute Verbündete des Siegers waren. 

Ein neuer Center

Union hat in den letzten Wochen viel Aktionismus entwickelt. Aus der 1. französischen Di­vision kam mit Abdel Kader Sylla (28, 206cm) ein Zuzug, der ein brachialer Center ist. Der Mann von den Seychellen war auch in Frankreich unter den Brettern eine Grösse. Er schaffte es, wie andere, über 15 Minuten lang mit vier Fouls zu spielen… Sicher, mit Jared Berggren (28,m 209cm) fehlte der 4. Ausländer – so war Neuchâtel in seiner Rotation ein­geschränkt.

So lange die Unterbaselbieter normal aufspielen konnten, waren sie dem Fa­voriten mehr als ebenbürtig; erst ab der 25. Minute spürte man, dass Union mit Publikum und „Unparteiischen“ willkommene Verstärkungen erhalten würde.

Der Exploit fehlte

 Seitens der „Wings“ hätte es aber auch ein Schweizer Quintett gebraucht, wo zumindest zwei Akteure punktemässig mehr geleistet hätten. Alle erfüllten ihre Aufgabe – einige wie Antonio Hester oder Nemanja Calasan waren sogar brillant. Und weil es die Refs locker schafften, Calasan (204cm) und Ryan Smith (213cm) mit Fouls zu belasten, konnten diese nicht mehr aggressiv verteidigen und mussten tatenlos zusehen, wie Union leichte Punkte unter dem Korb erzielte und Brown (im letzten Jahr Liga-Topskorer mit dem BC Boncourt) serienweise Freiwürfe werfen konnte.

Dass er diese in den Korb setzte (17 von 18 erge­ben unverschämte 94 Prozent, das ist ein Wert, wie man ihn ganz selten findet), spricht für die Nervenstärke des neuverpflichteten Amerikaners.

Wetten aber, dass bei einem Vergleich zwischen Neuchâtel und einem Widersacher aus der Romandie das Foulverhältnis nie 17:29 lauten wird? Merke: Basketball made Switzer­land soll eine Sache der Romand bleiben – diese Maxime gilt von der obersten Verbands­spitze bis zum Schiedsrichter-Trio.