Nach starken 10,90 Sekunden über 100 Meter vom 1. Mai in Basel, gelaufen bei nasskaltem Wetter und Gegenwind, hat der 18-jährige Oberwiler Jason Joseph vom LC Therwil am Eröffnungsmeeting des TV Riehen nachgedoppelt und seine 200-Meter-Bestzeit auf 21,98 Sekunden gesenkt, wieder bei nasskaltem Wetter, aber immerhin ohne Gegenwind. Kein Zweifel – Jason Joseph ist gross in Form. Und Grosses hat er vor. Denn seine eigentliche Paradedisziplin ist er dieses Jahr noch nicht gelaufen. 

U20-EM-Medaille in Visier 

Diese Paradedisziplin sind die 110 Meter Hürden. Eine Zeit um die 13,90 Sekunden hat er sich für das erste Saisonrennen auf der Junioren-Hürdenhöhe von 99,1 Zentimetern vorgenommen, seine Bestzeit liegt bei 14,06 Sekunden. Laufen möchte er die am Sprint- und Hürdenmeeting in Basel am 20. Mai. Sein Saisonziel sind die Junioren-Europameisterschaften. Trainer Philipp Schmid traut seinem Schützling diese Saison eine Junioren-EM-Medaille zu.

Dass er zur Leichtathletik gefunden habe, sei Zufall, sagt Jason Joseph. Davor hatte er etwas Fussball gespielt, es kurz mit Karate versucht – und dann an einem Sporttag des Sportamtes Baselland in Pratteln teilgenommen. Kurz darauf meldete sich der LC Therwil bei ihm. Dominik Jauch war das junge Talent aus dem Nachbardorf ins Auge gestochen. Und dem damals 13-Jährigen gefiel die neue Sportart, auch weil er allein für seine Leistung verantwortlich sei. 

Frech, verspielt und ehrgeizig 

«Jason war ein Störenfried am Anfang», erinnert sich Philipp Schmid, und einmal habe er ihm gesagt, entweder er pariere jetzt oder er könne nach Hause gehen. Das sass. Ein Schlitzohr sei er immer noch, aber auch einer, der sich unglaublich gut fokussieren könne. Er sei top motiviert, sehr ehrgeizig, manchmal fast etwas zu ungeduldig. Und er habe für den Hürdensprint mit seiner Grösse von jetzt schon über 1,90 Metern und seiner schnellkräftigen Muskulatur auch körperlich ideale Voraussetzungen.

Nach einem Knorpelanriss im Knie, den er operieren lassen musste und der ihn die Freiluftsaison 2015 kostete, kehrte Joseph 2016 gestärkt auf die Tartanbahn zurück. Inzwischen trainiert er siebenmal pro Woche, verteilt auf fünf Tage, neben seinem Haupttrainer Philipp Schmid auch bei der früheren Old-Boys-Spitzenmehrkämpferin Claudine Müller.

Er geht in die Sportklasse der Wirtschaftsmittelschule. Und möchte auch beruflich irgendetwas mit Sport zu tun haben, zum Beispiel als Personal Coach. Doch das ist noch Zukunftsmusik. Welchen Beruf er später wirklich machen wolle, wisse er noch nicht so genau.

Der Hürdensprint ist nicht nur die Disziplin, in welcher Jason Joseph die besten Chancen hat, es ist auch jene Disziplin, die ihm am besten gefällt. Die Anspannung am Anfang, der Rhythmus von Sprint und Sprung – das sei für ihn wie ein Rausch. 

Rekordmann Wirz mit Problemen 

Colin Wirz vom SC Liestal konnte in Riehen seinen Baselbieter Speer-Rekord vom 1. Mai nicht ganz bestätigen. Auf der Schützenmatte hatte Wirz 58,88 Meter erreicht und sich dabei eine kleine Verhärtung am Oberschenkel eingefangen, die er in Riehen wieder spürte. Mit den 54,94 Metern auf der Grendelmatte war er nicht zufrieden. «Im Training habe ich schon mehrmals deutlich über 60 Meter geworfen, aber im Wettkampf kann ich im Moment beim Anlauf zu wenig Druck aufbauen», analysierte er.

Starke Leistungen zeigte auf ihrer Heimbahn die Juniorin Jara Zwahlen vom TV Riehen mit einer 100-Meter-Zeit von 12,46 Sekunden und mit 25,86 Sekunden über 200 Meter. Und stark präsentierte sich auch Antje Pfüller vom LC Fortuna Oberbaselbiet, amtierende U18-Schweizer-Meisterin im 2000-Meter-Steeple- und im 600-Meter-Lauf. Im 2000-Meter-Lauf war sie in 6:23.00 genau fünf Sekunden schneller als im Vorjahr an gleicher Stätte.