Es ist ein bemitleidenswerter Anblick. Pünktlich zum Anstoss öffnet der Himmel über der St. Galler Arena seine Schleusen. Haufenweise Eiskörner fallen herab und malträtieren die Frisuren der Spieler auf dem Rasen, noch bevor Schiedsrichter Erlachner die Partie eröffnet. Die Hagelkörner hopsen in den ersten Minuten auf dem immer weisser werdenden Grün, das Thermometer zeigt sechs Grad.

Neben den widrigen Bedingungen geben zu diesem Zeitpunkt zwei weitere Fakten Anlass zur Sorge. Durch die 1:3-Niederlage des FC Thun hatte sich der FCB bereits am Samstag vom Sofa aus Platz 2 und die damit verbundene Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation gesichert.

Sportlich geht es in der Liga seit diesem Wochenende definitiv um rein gar nichts mehr. Und drei Tage nach dem erfolgreichen Einzug in den Cupfinal wäre keiner überrascht gewesen, wenn der FCB gegen St. Gallen aufgrund des Cup-Katers nicht mit der gleichen Intensität zu Werke gegangen wäre. Doch die 13 755 Zuschauer – darunter auch über 1000 Basler – sollten überrascht werden.

Bewerbungen für die Startelf

Der FCB startet furios. Vielleicht liegt es daran, dass FCB-Trainer Marcel Koller sein Team im Vergleich zum Cupspiel auf sieben Positionen verändert hat und Samuele Campo, Valentin Stocker, Zdravko Kuzmanovic und Co. zeigen wollen, dass auch sie im Cupfinal Mitte Mai gegen Thun in die Startelf gehören.

Bereits in der 2. Minute donnert Campo – von Stocker in Szene gesetzt – einen Ball mit dem schwachen rechten Fuss an den Pfosten. Fünf Minuten später verfehlt Stocker selber aus guter Position das Tor. In der 14. Minute rettet dann St.-Gallen-Goalie Stojanovic mirakulös gegen den völlig frei zum Abschluss kommenden Ricky van Wolfswinkel.

Doch der FCB lässt sich von dem Chancenwucher nicht aus der Ruhe bringen. In der 21. Minute lanciert Blas Riveros den nächsten Angriff. Der Paraguayer, der im Cupfinal den gesperrten Raoul Petretta ersetzen soll und deshalb in den nächsten Wochen hinten links Spielpraxis sammeln darf, flitzt an zwei Gegenspielern vorbei und kommt bis zur Grundlinie. Diesmal hat van Wolfswinkel keine Mühe. Per Kopf verwandelt er die perfekt getimte Riveros-Flanke zur verdienten Führung.

Seit 17 Spielen ungeschlagen

Anschliessend nimmt der FCB den Fuss vom Gas und überlässt dem Gegner – sehr zum Ärger von Koller – viele Räume. Die Ostschweizer übernehmen das Spieldiktat, werden aber nur in einer Aktion wirklich gefährlich, als ein Kopfball von Rapp an der Latte landet.

Ansonsten machen die eingespielten Espen überraschenderweise viel mehr Fehler als der neu zusammengewürfelte FCB. FCSG-Trainer Peter Zeidler liefert nach Spielschluss eine Erklärung: «Basel strotzt nur so vor Selbstvertrauen. Das hat man heute gesehen.» Tatsächlich ist der FCB jetzt seit 17 Spielen ungeschlagen.

In der zweiten Halbzeit sichert sich Rotblau mit der Abgeklärtheit eines Spitzenteams die drei Punkte. Zwei von drei gefährlichen Chancen landen im Tor. In der 65. Minute erzielt Campo nach einem schönen Doppelpass des eingewechselten Kevin Bua mit Stocker das 2:0.

Ein Geschenk für die Fans

Einziger Schönheitsfehler: Bei der Entstehung des Treffers steht van Wolfswinkel im Offside. In der 82. Minute macht Stocker mit dem 3:0 dann den Deckel drauf. Auch diesen Treffer bereitet Bua vor.

Diesmal bricht der Romand nach einem Doppelpass mit dem ebenfalls eingewechselten Fabian Frei zur Grundlinie durch, von wo er den Ball mustergültig auflegt und Stocker – wie zuvor auch Campo – nur den Fuss hinhalten muss.

Als das Spiel wenig später vorbei ist, scheint in St. Gallen sogar die Sonne. Die Gästefans hüpfen und singen euphorisiert: «Ole, Super FCB!» und «Cupfinal! Cupfinal! Cupfinal!» Den FCB-Spielern steht beim Gang in die Kurve ebenfalls die Freude ins Gesicht geschrieben. Denn der Anblick ihrer Fans zeigt ihnen, warum es sich gelohnt hat, auch in diesem eigentlich unwichtigen Spiel alles zu geben.

Die Stimmen zum Spiel:

Die Noten um Spiel:

Die Highlights im Video:

Super League, Saison 2018/19, Runde 31, St. Gallen-FC Basel, Highlights