Bis am frühen Montagmorgen feierte der FCB den Cupsieg feuchtfröhlich in der Basler Innenstadt. Einige Spieler gönnten sich auch am Montag und Dienstag noch reichlich Feiernachspielzeit.

So war es nicht verwunderlich, dass der Kater nach der Cupparty am Mittwochabend noch nicht ganz verflogen ist. Da half es auch nicht, dass der FCB zwischen den beiden Spielen gegen Thun nur am Dienstag trainierte und ausnahmsweise erst am Spieltag ins Berner Oberland fuhr.

In der Startphase verspringen dem im Vergleich zum Cupfinal auf sieben Positionen veränderten FCB reihenweise Bälle. Raoul Petretta bringt erst seinen dritten Ballkontakt unter Kontrolle. Zdravko Kuzmanovic übergibt Thun mit einem Ballverlust im Aufbau ein verspätetes Cup-Geschenk und auch Jonas Omlin bedankt sich mit einem Flachpass zu Thun-Flügel Nelson Ferreira beim Cupzweiten.

Reflexe nicht verloren

Doch die Berner Oberländer wollen die Basler Geschenke nicht annehmen. Sie vergeben kläglich oder scheitern an Omlin, der immerhin seine Reflexe nicht beim Feiern verloren hat. Für den FC Thun geht es gestern um einiges.

Rund vier Millionen an Fixeinnahmen ist Platz 3 in der Super League wert. Das, weil der Dritte den Startplatz des Cupsiegers in der Europa-League-Gruppe erbt. Der FC Basel startet als Tabellenzweiter bekanntlich in der 2. Runde der Champions-League-Qualifikation.

Für den FC Thun würden diese Einnahmen enorm viel bedeuten. Doch die Konkurrenten aus St. Gallen und Luzern punkten gestern dreifach. Gewinnt Thun nicht, rutscht es in der Tabelle auf Rang 6 ab.

Schlitzohr-Aktion von Ajeti

Doch dieser FCB ist mehr als schlagbar. «Wir haben ziemlich gefeiert. Der Schlaf hat uns schon gefehlt. Ich weiss nicht, ob jeder bei 100 Prozent war», gibt Eray Cömert später zu. Die auffälligsten FCB-Szenen in Halbzeit 1 sind ein Kopfball von Carlos Zambrano über das Tor und eine Schlitzohr-Aktion von Albian Ajeti.

Der Pyro-Partyhengst von Sonntag wechselt nach einem Tritt an die Nase nicht nur sein blutbeflecktes Trikot, sondern lässt auch den GPS-BH an der Seitenlinie. So sieht anschliessend wenigstens niemand, wie wenig er in diesem Spiel gelaufen ist.

In Halbzeit 2 fallen die Tore

Der Pausentee entfaltet nach 15 Minuten seine katerlindernde Wirkung. Aldo Kalulu zwingt Thun-Goalie-Faivre in der 62. Minute zu einer Parade. Dieser kann nur in die Mitte abwehren, wo Samuele Campo abstaubt. Schwierig war das nicht. Das 1:0 hätte die Basler Nummer 10 wohl am Montagmorgen so gemacht.

Nach der Führung zieht sich Basel wieder zurück. Obwohl in der 75. Minute gleich acht FCB-Spieler im eigenen Strafraum stehen, geht Costanzo am Penaltypunkt völlig vergessen. Der Thuner bringt den Ball im linken oberen Eck zum verdienten 1:1 unter.

Plötzlich scheint es, als könne der FC Thun das Basler Kater-Geschenk doch noch nutzen. Die Berner Oberländer drängen auf den Siegtreffer. Costanzo und der eingewechselte Hunziker – ein ehemaliger FCB-Junior – haben die Chance auf das 2:1. Doch einmal pariert Omlin und einmal steht Campo auf der Linie genau richtig.

Siegtreffer durch Okafor

In der 88. Minute macht sich der FCB dann nach einem Thun-Corner doch noch einmal zu einem Konter auf. Omlin wirft direkt auf den eingewechselten Noah Okafor. Der sprintet über das halbe Feld, legt rüber zu Kevin Bua: eine Körpertäuschung, ein trockener Abschluss von der Strafraumkante und der Siegtreffer ist Tatsache.

Trotz nur 40 Prozent Basler Spielanteilen und einer Torschussstatistik von 15:7 für Thun. «Das Spiel musst du gewinnen. Zur Pause hätten wir schon 3:0 führen müssen», bilanziert Thuns Costanzo.

«Vor sechs Monaten hätten wir solche Spiele wohl nicht gewonnen. Das war heute vor allem für den Kopf schwierig», sagt Campo. Ob er damit den Kater meint oder die neue mentale Stärke des FCB? Wahrscheinlich beides.