Wer an diesem grauen Aprilnachmittag an der Basler St. Jakob-Arena vorbeiläuft ahnt kaum, dass nur wenige Meter von ihm entfernt einige NHL-Stars der Zukunft auf dem Eis stehen könnten. Denn im Innern der Arena steigt dieser Tage von vielen unbemerkt ein Five-Nations-Turnier, bei welchem nebst dem Gastgeber aus der Schweiz auch die Jugend-Nationalteams von Tschechien, Finnland, Schweden und Russland gegeneinander antreten.

Weil im Eishockey erst ab der U18-Stufe Weltmeisterschaften ausgetragen werden, hat das Turnier zusätzlich einen besonderen Stellenwert: «Das Turnier ist für uns eine perfekte Standortbestimmung im Jahr vor der ersten WM mit diesem Jahrgang. Wir können uns mit den Top-Teams aus Europa messen und schauen, wo wir im Vergleich zu ihnen stehen», sagt der Schweizer U17-Nationaltrainer Martin Höhener.

Nordamerikanische Scouts auf der Tribüne

Doch nicht nur die Nationalcoachs nutzen das Turnier, um zu sehen, wie ihre Talente im internationalen Ernstkampf bestehen. Auf der Tribüne sitzen zahlreiche Scouts aus Nordamerika, die einen Blick auf die Stars von morgen werfen und den europäischen Talentmarkt sondieren wollen.

Eine grosse Chance aber auch eine ungewohnte Situation für die Jugendspieler, die nun plötzlich im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Die Chance, entdeckt zu werden und eine Profikarriere zu lancieren so gross wie nie zuvor. «Natürlich träumt jeder der Spieler davon, eines Tages einmal den Durchbruch zu schaffen. Mein Coaching-Staff und ich möchten ihnen helfen, sich in diesen Tagen bestmöglich zu präsentieren», so Höhener, der in früher selbst unter anderem für Bern und Kloten in der obersten Schweizer Spielklasse aktiv war.

Auch als Spieler stand Höhener schon auf dem Eis der St. Jakob-Arena: Sechs Spiele absolvierte er 2012/13 in seiner letzten Profi-Saison für den EHC Basel. «Ich war zwar nur einige Wochen in Basel als Leihspieler, aber die Erinnerungen sind positiv. Ich komme immer wieder gerne zurück», erinnert sich der 38-Jährige. Der Trainer ist damit der einzige Schweizer mit Bezug zum Austragungsort, denn Basler Junioren stehen keine im Aufgebot.

Auch bei den U17-Junioren gehören kernige Checks zur Tagesordnung.

Auch bei den U17-Junioren gehören kernige Checks zur Tagesordnung.

Conradin Cramer eröffnet das Turnier

Auch die Stadt Basel ist sich der Strahlkraft des Events, der bereits zum zweiten Mal in Serie am Rheinknie ausgetragen wird, in der Hockey-Szene bewusst. Regierungsrat Conradin Cramer eröffnet das Turnier bei einem Apéro im Bauch der Arena und zeigt sich dabei euphorisch: «Basel ist bekannt für seine grossen Sportler und Sportvereine. Entsprechend stolz sind wir, nun auch die besten Hockey-Talente Europas für einige Tage zu beherbergen.»

Dass ausgerechnet Basel, das beileibe nicht als Eishockey-Hauptstadt der Schweiz gelten kann, zum Handkuss kommt, überrascht auf den ersten Blick. «Basel besticht mit einer Top-Infrastruktur, einem modernen Stadion und bringt alles mit, was es braucht. Wir fühlen uns enorm wohl hier», erklärt Höhener. Im nächsten Jahr werden Talente und Scouts jedoch nicht mehr in die Stadt kommen. Denn gemäss dem vereinbarten Turnus der fünf Verbände ist 2020 Finnland mit der Austragung an der Reihe.

Zwei Niederlagen zum Start

Sportlich erwischte die Schweizer U17 einen durchzogenen Start in den Wettbewerb. Einer 1:4-Niederlage gegen Schweden im Startspiel folgte ein 0:3 gegen Tschechien, bei dem man bereits nach einer Minute ins Hintertreffen geriet und den Anschluss trotz vieler herausgespielter Chancen nicht mehr fand.

Die Schweizer Youngster müssen somit weiter auf ihr erstes Erfolgserlebnis an diesem Turnier warten. Mit den Duellen gegen Finnland und Russland am Wochenende folgen die nächsten Chancen, um sich in die Notizblöcke der NHL-Scouts zu spielen.