Ruhe, Ruhe und noch mehr Ruhe. Es ist das, was Marcel Koller ausmacht. Es ist das, was er ausstrahlt. Es ist das, was er will. Es ist das, was er fordert. Und vor allem ist es das, was er in «den Verein und in den Kessel» bringen soll. Das war einer der Anforderungspunkte, den Marco Streller nannte, als er das Profil des neuen Trainers wenige Tage vor der Installation Kollers als Cheftrainer des FC Basel umschrieb.

Nun darf bilanziert werden: Marcel Koller hat Ruhe eingebracht. Die Basis dafür sind die Resultate, die sich seit seinem Antritt ausschliesslich positiv gestalten. Sechs Spiele, sechs Siege. Und doch: die absolute Ruhe ist noch nicht eingekehrt.

«Das habe ich noch nie erlebt. Seit wir da sind, ist in fast jedem Spiel auf dieser Position etwas passiert», sagt Marcel Koller.

«Das habe ich noch nie erlebt. Seit wir da sind, ist in fast jedem Spiel auf dieser Position etwas passiert», sagt Marcel Koller.

Neben der noch nicht ganz verschwundenen Verunsicherung und der damit verbundenen, noch nicht komplett wieder gefundenen Leichtigkeit hat dies insbesondere einen Grund: die Zwangs-Umstellungen. Und zwar dort, wo für gewöhnlich weniger rotiert wird als auf anderen Positionen: in der Innenverteidigung.

In seinen sechs Spielen als Cheftrainer des FCB hat Koller bereits drei verschieden Innenverteidiger-Duos zu Beginn auf den Platz geschickt. In der Hälfte der sechs Spiele musste Koller während einer laufenden Partie umstellen.

Frei springt ein

In seinem Debüt-Spiel gegen GC musste er auf den Platzverweis Eray Cömerts reagieren und beorderte Fabian Frei eine Reihe weiter nach hinten. Eine Woche später war es Marek Suchy, der verletzt rausmusste und von Frei hatte ersetzt werden müssen.

Und im letzten Spiel am Donnerstag zwickte es Eder Balanta in der Wade so stark, dass er sich auswechseln lassen und Frei ein weiteres Mal einspringen musste. «Das habe ich noch nie erlebt. Wir sind seit drei Wochen da und fast in jedem Spiel ist auf dieser Position etwas passiert», sagt Koller. Dass es ausgerechnet das Zentrum der Abwehr trifft, mache die Sache noch schwieriger. «Das Zentrum ist für die offensive Spielentwicklung und die defensive Stabilität sehr wichtig.»

Fabian Frei zum Sieg gegen Arnheim

Fabian Frei zum Sieg gegen Arnheim

Und in diesem Zentrum gehen langsam die Spieler aus. Suchy ist langzeitverletzt und Balanta nach seiner Auswechslung im Spiel gegen Limassol für den Klassiker am Sonntag zumindest höchst fraglich. Mit Carlos Zambrano hätte der FCB einen gestandenen Mann für diese Position – aber auch einen, der nach acht Monaten ohne Spielpraxis nicht weit genug ist für einen Startelf-Einsatz.

Also wird Frei aller Voraussicht nach erneut einspringen müssen, «auch wenn ich nicht unbedingt glücklich bin, wenn er da spielen muss. Aber er kann auch diese Position dank seiner Erfahrung bekleiden», sagt Koller nicht unbedingt begeistert. Denn Ruhe sieht anders aus. Für einen Trainer, für den Ruhe höchste Priorität geniesst und der die Grundlage des Siegens in einer ruhenden Defensive sieht, muss dies mit das Schlimmste sein.

Omlin bis auf Weiteres out

Als wären die Rotationen im Abwehrzentrum nicht schon genug, fehlt jetzt auch noch Jonas Omlin. Der einzige Basler, der seit Saisonbeginn und auch entgegen der anfänglichen schlechten Resultate immer Leistung zeigte, ist verletzt. Vor dem Spiel gegen Limassol blieb er im Rasen hängen, verdrehte sich das Bein und zog sich am hinteren linken Oberschenkel eine Muskelverletzung zu.

Wie der FCB am Freitagabend mitteilte, fällt Omlin für mehrere Wochen aus. Somit bricht auch noch die letzte Konstante des aus Innenverteidigung und Goalie gebildeten Defensiv-Dreiecks weg. Omlins Back-up Hansen kommt somit zum dritten Einsatz in Serie, nachdem er in Montlingen debütierte und gegen Limassol kurzfristig eingesprungen war. Wie gut der Däne den so überragend spielenden Omlin ersetzen kann, ist ungewiss.

In keinem der beiden Spiele hat er seine Qualitäten unter Beweis stellen können – und an den beiden Gegentoren war er schuldlos. Mit Signori Antonio ist zudem auch der dritte Goalie verletzt. Etwas, das in diese Phase der nicht einkehren wollenden Ruhe passt. Nachwuchs-Keeper Jozef Pukaj wird erneut auf der Bank sitzen.

Luca Zuffi nach dem 1:0-Sieg gegen Vitesse Arnheim im Joggeli.

Luca Zuffi nach dem 1:0-Sieg gegen Vitesse Arnheim im Joggeli.

Dass mit Valentin Stocker (fehlt auf unbestimmte Dauer) und Kevin Bua (nach einem Schlag auf den Rist fraglich für Sonntag) zwei weitere Akteure sicher (Stocker) oder ziemlich sicher (Bua) ebenfalls passen müssen, ist ob der Engpässe in der Defensive beinahe schon leicht abzutun.

Schliesslich hat Koller auf dem Flügel mit dem aus der U21 wieder zu den Profis zurückbeorderten Dimitri Oberlin wieder eine Option mehr. Für die ersehnte Ruhe steht er aber auch nicht gerade.