«Wären wir schwul, wären wir wohl verheiratet»

«Oh Mati, mi Amor! Er ist mein älterer Bruder und einer meiner engsten Freunde. Ich weiss nicht wann und wie, aber wir haben uns gefunden. Es ist wie eine Liebesgeschichte. Wir haben den gleichen Humor, sind beide etwas verrückt und haben wilde Seelen. Er bedeutet mir sehr viel. Ich habe ihn das erste Mal gesehen, da war er noch bei Besiktas. Ich habe mit Cagdas Atan ein Spiel am Fernsehen verfolgt und er erzählte mir, wie gross Matías Delgado in Basel war. Ein paar Jahre später sah ich mit eigenen Augen, wie speziell er ist.

Wir sind im selben Sommer zurückgekommen. Bei meinem ersten Training war eine Kamera dabei, bei ihm waren es 25. Die Leute sind verrückt nach Mati. Verständlicherweise, er ist ein so fantastischer Fussballer. Dieses Bild zeigt unseren letzten gemeinsamen Abend beim FCB. Was man hier nicht sieht, ist, dass wir das gleiche Armband tragen. Das hat er mir geschenkt als Zeichen unserer Freundschaft. Als wir uns an diesem Abend verabschiedet haben, haben wir uns tief in die Augen geschaut und gesagt: ‹Wären wir schwul, wären wir wohl verheiratet›.»

«Trägt einer einen Turban, gewinnt der FCB»

«Was für ein Spiel! Und was für ein fantastisches Gefühl ich gleich wieder habe, wenn ich dieses Bild sehe. Das war Chelsea auswärts, eines meiner Top-5-Spiele, die ich beim FCB erleben durfte. Wir haben dort das Unmögliche möglich gemacht. Wir lagen 0:1 hinten, an der Stamford Bridge, und haben es dank Toren von Mohamed Salah und Marco Streller noch in ein 2:1 gedreht. José Mourinho, der damals im Jahr 2013 noch Chelsea-Trainer war, sagte einmal, dass wir gewonnen hätten, weil wir guten Fussball gespielt hätten und nicht, weil sie schlecht waren. Das ist ein riesiges Kompliment von einem Typen wie ihm.

Chelsea wurde in diesem Jahr Meister und dieses 1:2 war die einzige Heim-Niederlage der ganzen Saison. Und das gegen uns! Das werde ich für immer in Erinnerung behalten. Das Lustigste an diesem Bild ist jedoch mein Turban. Ich hatte einen Ellenbogen von Willian ins Gesicht bekommen und musste die Wunde abbinden. Jemand hat mir nachher erzählt, dass der FCB jedes Spiel gewonnen hat, in dem einer seiner Spieler – wie Murat Yakin beispielsweise mal – einen Turban hat anziehen müssen.»

«Ich wollte mich die Treppe runterstürzen»

«Kennen Sie das Gefühl, wenn man in ein Eisbad steigt? Genau so war mein erstes Treffen mit Christian Gross. Erst denkst du ‹Oh mein Gott› – danach kommt es gut. Er hat mich vom Flughafen abgeholt – im Anzug und ohne Socken. Ich fragte ihn, ob er der Fahrer sei, und er sagte: ‹Nein, der Trainer. Und ich habe gemeint, du bist grösser.› Ein suboptimaler Start.

Auch mein erstes Auswärtsspiel gegen GC habe ich schlecht in Erinnerung. Mein Fehler führte zum Gegentor. In der Pause zerlegte mich Gross vor allen. ‹Für was haben wir dich gekauft? Damit du Fehler machst?› So ging es eine Minute. Ich habe mir sogar überlegt, wie ich mich selber verletzen kann. Ich war kurz davor, mich die Treppe im Letzi hinunterzustürzen, damit ich die zweite Halbzeit nicht spielen muss.»

«Für diese zwei habe ich nichts als Liebe»

«Bernhard und Gegge, Für diese zwei habe ich absolut nichts als Liebe übrig. Sie sind wohl die Hauptgründe dafür, dass ich mich in Basel so sehr zu Hause gefühlt habe. Sie haben sich so sehr um mich gekümmert – sowohl das erste als auch das zweite Mal. Sie haben mir das Gefühl gegeben, ein Teil dieser FCB-Familie zu sein und auch immer zu bleiben. Ich denke, Basel hat erst jetzt realisiert, was die beiden alles geleistet haben. Wie gross ihre Bedeutung war und wie wichtig ihre schiere Existenz in den so erfolgreichen Jahren war. Sie sind zwei unglaublich harte Arbeiter.

Dank Ihnen bin ich auch nach Basel zurückgekehrt. In diese Stadt, die mir so viel bedeutet und mit der ich auf eine ganz spezielle Art verbunden bin. Die Leute, die Stadt, der Klub, die Fans, alles hat einen sehr grossen Platz in meinem Herzen. Basel ist meine zweite Heimat geworden und der Klub hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin: ein Winner-Typ. Das habe ich alles dem FCB zu verdanken. Hier herzukommen, war die beste Entscheidung meines Lebens. Und hier wegzugehen, die härteste, die ich je treffen musste.

Bernhard hat versucht, mich zu überzeugen, dass ich bleibe. Er wollte unbedingt ein Gespräch mit mir, aber wir fanden kein Zeitfenster, in dem es beiden möglich gewesen wäre. Und was macht er? Er schlägt vor, dass wir gemeinsam joggen gehen, da wir eh im selben Dorf wohnten. Also hat er mich um sechs Uhr morgens bei meinem Haus abgeholt. Um sechs Uhr! Da war die Sonne noch nicht mal zu sehen! Er hat alles versucht, um mich zu halten. Das schätze ich sehr.»

Interview mit Behrang Safari, der nach sechs erfolgreichen Jahren in Basel mit einem lachenden und einem weinenden Aug zurück zu Malmö in Schweden wechselt.

«Das war der Anfang des grossen Triumphlaufs»

Wow, das ist ein sehr spezielles Foto! Das war mein aller erster Titel, den ich mit dem FC Basel gewonnen habe. Das war der Cup 2010, den Meistertitel haben wir uns erst später gesichert. Mit diesem Sieg im Pokal hat alles angefangen. Es ist der Ursprung unserer grossen Triumphlaufs. Danach haben wir nur noch gewonnen. Es kam Titel auf Titel, jedes Jahr mindestens einer. Ich wurde zu einem richtigen Sammler.

Auch nach meinem Weggang aus Basel zurück zu Malmö konnte ich weiter sammeln und insgesamt neun Mal in Serie Meister werden. Aber nicht nur deshalb ist dieses Bild speziell. Sondern auch, weil dieser Junge neben mir, Xherdan Shaqiri, damals keine Ahnung hatte, was noch alles auf ihn zukommen würde. Er ist da ja auch erst etwa zwölf Jahre alt (lacht)! Am speziellsten aber ist der Ort, wo dieses Bild aufgenommen wurde. Auf dem Stadtcasino-Balkon zu stehen, das ist das beste Gefühl der Welt.

Irgendwann werde ich zurück nach Basel kommen, nur um wieder auf diesen Balkon zu stehen. Dann winke ich und schaue, ob mich noch irgendjemand kennt. Ach, wenn ich das so sehe, denke ich mir, dass ich für den FCB arbeiten sollte nach meiner Karriere. Das wäre ein Traum für mich. Als Motivator, Goalie-Trainer, oder Cheftrainer – egal was, Hauptsache, ich wäre zurück.»

«Dank Franco war ich nicht mehr alleine»

«Ich weiss nicht wieso, aber irgendwie bin ich immer bei den Südamerikanern gelandet. Vielleicht, weil ich Asado, ein argentinisches Barbecue, einfach so gerne habe! Spass bei Seite. Franco Costanzo war in meiner ersten Zeit beim FCB wie später Matías Delgado oder Walter Samuel einer meiner engsten Vertrauten. Franco war der, der mir die Tür zur Mannschaft aufgemacht hat. Er hat dafür gesorgt, dass ich nicht mehr einfach ein Neuzugang bin, sondern ein Teil des Ganzen.

Zuvor war ich ziemlich alleine. Aber dann hat er mich und meine Frau gleich zu Beginn meiner Basler Zeit zu ihm nach Hause eingeladen, hat Asado -gemacht und mir ein Gefühl von Heimat vermittelt. Auch deshalb bedeuten er und seine Familie mir sehr viel. Franco und ich sind immer noch sehr gut befreundet.»

«Fink ist wie ein zweiter Vater für mich»

«Mit Thorsten Fink hatte ich meine Anfangsschwierigkeiten. Heute kann ich sagen, dass er ein sensationeller Trainer ist. Aber ich musste lernen, ihn zu lieben. Zu Beginn unserer gemeinsamen Zeit hat er mich immer ausgewechselt. Immer in den letzten fünf oder zehn Minuten. Das hat mich richtig wütend gemacht. Vor lauter Wut habe ich mal vergessen mit ihm abzuklatschen und setzte mich einfach auf die Bank.

Thorsten drehte sich um, schrie mich an und sagte, dass ich nie wieder für diesen Verein spielen würde. Später hat er sich entschuldigt. Nach einem halben Jahr hat er mich mal in sein Büro beordert und mir gesagt, dass ich einer der besten Linksverteidiger Europas sei, ich immer spielen werde und er schon immer an mich geglaubt habe. Danach wurde er wie ein zweiter Vater für mich.»

«Er sagte nur: ‹Ich hasse es›»

«Wenn ich Pipi Streller sehe, dann kommt mir immer eine Geschichte in den Sinn. Wir waren vor einem Auswärtsspiel in Zürich im Hotel, von wo wir einen fantastischen Blick über Zürich und den See hatten. Ich stand neben Pipi, blickte hinaus und sagte zu ihm: ‹Sieht das nicht wunderschön aus?› Er war zuerst ruhig, dann schaute ich ihn an und er sagte nur: ‹Ich hasse es. Ich hasse Zürich und alles was damit zu tun hat.› Er lief weg, fügte an, dass er Basel liebt, und war verschwunden.

Von diesem Moment an wusste ich: Noch nie zuvor habe ich jemanden kennen gelernt, der einen Verein so sehr liebt wie er. Er verkörpert den Geist Basels. Von ihm habe ich gelernt, Basel genau so zu lieben wie er: von ganzem Herzen. Leider musste ich gehen, als ich das gleiche Level wie er erreicht hatte.»

«Den FCB zu verlassen, war das Härteste»

«Das ist ein trauriger Tag. Das ist nach dem letzten Spiel, das ich für den FC Basel bestreiten durfte. Den FCB zu verlassen, war das Härteste, was ich in meinem ganzen Leben habe tun müssen. Ich wollte wirklich bleiben, musste aber meiner Familie zuliebe gehen. Ich weiss noch, wie ich vor dem Spiel in der Senftube stand, im Wissen, dass ich da ein letztes Mal raus gehen würde. Das war ein schreckliches Gefühl. Ich stand dort und dachte nur: ‹Heul’ ja nicht, wenn du da raus läufst!›

Und tatsächlich, ich musste nicht weinen. Die Tränen kamen erst nach dem Spiel, als ich realisiert hatte, dass es wirklich zu Ende ist und was gerade auf dem Platz passiert war. Heute denke ich nicht mehr all zu oft daran. Wenn ich aber Bilder von damals sehe, kommen alle Erinnerungen wieder hoch.»

Verteidiger Behrang Safari wird auf dem Balkon am Barfüsserplatz verabschiedet.

  

Behrang Safari erzählt: So tickt die Basler Meistermannschaft von 2016 wirklich