Raoul Petretta kann sein Glück kaum fassen. Nachdem sein Sonntagsschuss gegen den FC Zürich den Weg ins Netz gefunden hat, dreht der FCB-Linksverteidiger ab. Er strahlt über das ganze Gesicht, wedelt mit der Hand und denkt sich wahrscheinlich: «Uiuiui, jetzt habe ich aber so richtig einen rausgehauen.» Nach dem Spiel, als die Emotionen verflogen sind, sagt Petretta ganz nüchtern: «Ich habe es auch mit dem schwachen rechten Fuss einfach probiert.»

2:0 Petretta

Das 2:0 von Petretta im Spiel gegen Zürich.

  

Die Freude über den seltenen Torerfolg des Verteidigers ist nicht nur bei Petretta gross, denn Abschlüsse sind nicht gerade seine Stärke. Nur Silvan Widmer, sein Pendant auf der rechten FCB-Seite, schiesst pro Minute Einsatzzeit noch weniger auf das gegnerische Tor. Dass dieser Fakt nicht nur an der Position liegt, beweist Michael Lang. Der heutige Gladbach-Profi schoss in der vergangenen Saison mehr als doppelt so häufig aufs Tor wie Petretta, der nur alle 157 Minuten zum Abschluss kommt. Zwei Drittel seiner Torschüsse gehen auch noch vorbei, was die Schlussfolgerung zulässt, dass der Name Petretta bei gegnerischen Torhütern bislang nicht gerade Angst und Schrecken verbreitete.

Im internen FCB-Ballermann-Ranking (siehe Tabelle unten) steht aber ein Spieler an der Spitze, der anders als Petretta noch überhaupt gar nicht getroffen hat: Afimico Pululu. Hinter dem erwartbaren Zweitplatzierten Albian Ajeti schafft es überraschenderweise auch Samuele Campo aufs Podium. Der momentan verletzte Spielmacher ist auch der Akteur, dessen Schüsse am häufigsten von gegnerischen Verteidigern geblockt werden. In dieser Statistik folgen auf Campo (31 Prozent), Noah Okafor (30 Prozent) und Luca Zuffi (26 Prozent).

Im Danebenschiessen hat Taulant Xhaka in dieser Saison Geoffroy Serey Dié den Rang abgelaufen und ist jetzt mit 75 Prozent Schüssen, die nicht auf das gegnerische Tor kommen, einsame Spitze. Knapp dahinter ist mit den angesprochenen 66 Prozent Petretta. Doch der hat
gegen den FCZ eindrucksvoll bewiesen, dass er es auch anders kann. Auch Xhaka (vergangene Saison gegen ZSKA Moskau) und Serey Dié (im Hinspiel gegen Luzern) haben schon sehenswert getroffen. Sie nehmen durch ihre Gewaltschüsse aus der Distanz in Kauf, dass ein Grossteil in die Wolken geht. Dafür sind ihre Tore – wenn sie dann mal fallen – umso schöner.