Plötzlich geht alles so schnell, dass FCB-Präsident Urs Gribi nicht einmal alle Mitglieder rechtzeitig informieren kann. Am Abend des 6. Januar 1984, dem Tag vor dem ersten Internationalen Basler Hallenturnier, ist Gribi in einer «Blitzaktion» ein ganz grosser Coup geglückt. Im Hotel Europe verkündet der Präsident im kleinen Kreis während der Abschlusssitzung der Turnier-Organisatoren: «Paul Breitner wird für den FCB spielen!»
Der deutsche Welt- und Europameister, der in seiner Karriere auch mit Bayern München und Real Madrid zahlreiche Titel gewonnen hat, verstärkt Rotblau für ein Wochenende. Ein halbes Jahr nach seinem Karriereende hat der damals 32-Jährige offenbar Zeit für den Besuch in der Schweiz.

Doch ganz so einfach ist es nicht. Paul Breitner hätte am selben Samstag eigentlich in Berlin mit den Alt-Internationalen ein Freundschaftsspiel bestreiten müssen. Auf Wunsch des FC Basel wird diese Partie vorverlegt. Mit dem Privat-Flugzeug der Architekten-Brüder Suter, welche die Basler Grossgarage Schlotterbeck entwarfen, wird Breitner am Samstagmorgen in Berlin abgeholt und nach Basel geflogen.

Die Kosten für den Flug teilen sich Schlotterbeck, der damalige Trikotsponsor PAX und der FCB. Paul Breitner selber bekommt für das Wochenende in Basel 10'000 Deutsche Mark, was damals knapp 10'000 Schweizer Franken entsprach. Als Dankeschön für die «wertvolle Zusammenarbeit» erhält der FC Bayern München – Breitners letzter Klub vor dessen Karriereende und erster Ansprechpartner des FCB vor der Verpflichtung – ein Pfund Schweizer Pralinen. So steht es im Vertrag, der heute fein säuberlich im Basler Staatsarchiv lagert.

Auch die Bayern spielen in Basel

Neben Breitner ist Bayern München die Attraktion des Basler Turniers. 70'000 DM Antrittsgeld, die Kosten für den Crossair-Flug von München nach Basel und zurück, eine Übernachtung für das 18-Mann-Kader inklusive Begleitung und Pauschalspesen von 1000 Franken lässt sich der FC Basel das Gastspiel der Bayern in der St. Jakobshalle kosten. Diese verpflichten sich im Gegensatz dazu, ihre «erste Mannschaft in stärkster Formation» inklusive der publikumswirksamen Topspieler, Karl-Heinz und Michael Rummenigge, Sören Lerby und Goalie Jean-Marie Pfaff einzusetzen.

Das Turnier selber wird ein Erfolg. Insgesamt 9000 Zuschauer kommen an beiden Tagen in die St. Jakobshalle und damit 1000 mehr als budgetiert. Der FC Basel macht so sogar noch Gewinn. Die Bayern und der FCB dominieren auf dem mit einer einen Meter hohen Holzbande umrandeten Tartanspielfeld die Vorrunde. Die anderen drei Teams – der FC St. Gallen mit Spieler Christian Gross, der RFC Seraing aus Belgien und der FC Mulhouse – sind nur Kanonenfutter. Zumindest bei den Franzosen gibt es einen Grund für die schlechten Leistungen. Die erste Mannschaft läuft erst am Sonntag in Basel auf, weil am Samstag ein Spiel im französischen Cup stattfand.

Traumfinal am Sonntag

Paul Breitner wird seiner angedachten Rolle gerecht. Laut damaligen Medienberichten spielt er «Traumpässe en masse». Dazu schiesst der Deutsche in der Vorrunde sechs Tore für Basel und ist damit mit einem Treffer vor Erni Maissen FCB-Topskorer. In der Gruppenphase, bei der jeder einmal gegen jeden spielt, trennen sich die beiden FCBs aus Basel und München 4:4. Am Sonntag stehen sie sich im Traumfinal erneut gegenüber.

Doch gegen seine alten Kollegen kann auch Breitner – jetzt, wo es so richtig um die Wurst geht – nichts ausrichten. Mit 5:1 gewinnt München gegen Basel und damit auch das Turnier. Weil die Bayern eine Antrittsprämie bekamen, muss der FCB keine Siegprämie von 15 000 Franken zahlen. Auch das ist vertraglich so geregelt. Lediglich Torschützenkönig Karl-Heinz Rummenigge, der auch im Final dreimal trifft, bekommt eine Prämie von 1000 Franken ausbezahlt.

Und wie lautet das Fazit der Blitzverpflichtung Paul Breitner? Bevor er gemeinsam mit dem FC Bayern in das Flugzeug nach München steigt, sagt er: «Basel hat mir viel Spass gebracht, aber jetzt bin ich ganz schön geschlaucht.» Vielleicht hat er ja in München dann zur Stärkung eine der vielen Basler Pralinen bekommen.