Xamax Neuchâtel ist in der Fairnesstabelle der Super League Letzter. Dabei begehen die Romands ligaweit die wenigsten Fouls. Wie ist das möglich? Da ist zum einen die Zählweise schuld. Für die Fairnesstabelle zählen nur die Karten. Weil Xamax die zweitmeisten gelben und die meisten direkt roten Karten gesehen hat, steht der Aufsteiger ganz unten. So weit, so gut. Doch die Frage bleibt: Warum bekommt Xamax trotz wenig Fouls so viele Karten?

Hier gibt es zwei Erklärungsansätze. Entweder foult Xamax brutaler als andere Superligisten oder die Schiedsrichter lassen den Romands einfach weniger durchgehen. Für die erste These lassen sich anhand der Foul-Daten und der bisherigen Saisoneindrücke keine Argumente ableiten. Auch Ballbesitz oder Tabellenplatz korrelieren nicht mit der Anzahl gelber Karten.

Für die zweite These gibt es da aktuell bessere Argumente: Ein Xamax-Spieler muss im Schnitt mehr als achtmal gefoult werden, bis der Schiedsrichter gelb zückt. Im Gegenzug darf ein Xamaxien aber durchschnittlich nur 4,6 Mal foulen, bis er selbst verwarnt wird. Auch mit Sion (alle 4,8 Fouls eine gelbe Karte) und Lugano (5,1) haben unsere Schiedsrichter
wenig Erbarmen. Weil diese drei Klubs schneller verwarnt werden als die sieben Deutschschweizer Vereine, lässt die Analyse der Daten nur eine Schlussfolgerung zu: Es gibt einen Röstigraben für gelbe Karten. 

Von dem will Schiedsrichterboss Daniel Wermelinger nichts wissen: «Im Fussball sehen wir keinen Röstigraben.» Wermelinger glaubt eher an unsere erste These und findet die vorgelegten Daten unproblematisch, da sie sich nur auf die aktuelle Saison und damit auf eine kurze Zeitspanne beziehen. Trotzdem: Elf der zwölf in dieser Saison eingesetzten Super-League-Schiedsrichter kommen aus der Deutschschweiz. Natürlich wollen wir ihnen an dieser Stelle keine Parteilichkeit unterstellen. Aber könnte es nicht doch möglich sein, dass sie unbewusst gewisse Klubs wie Xamax benachteiligen? Wir werden die Zahlen weiter im Auge behalten.