Wie ein Schatten begleitet ihr Manager Stuart Duguid Belinda Bencic. Setzt sich in eine der ersten Reihen des kleinen Mediensaals von Roland Garros, als die Ostschweizerin sich den Fragen der Schweizer Journalisten stellt. Sie sind im Prinzip unverfänglich, Bencics Antworten sind es hingegen nicht. Sie verstrickt sich in unnötigen, wachsweichen Aussagen, lächelt und sagt dann, dass sie eigentlich nichts sagen will. Es wirkt etwas überfordert und unbeholfen. 

Dabei geht es nur um die Frage, wo sie inzwischen wohnt, wenn sie nicht bei Turnieren weilt. In der Nähe der slowakischen Hauptstadt Bratislava trainiert sie in der Empire Tennis-Akademie, von der sie in den höchsten Tönen schwärmt: gute Trainingspartnerinnen, Plätze, dazu ein Fitnesscenter, Physiotherapeuten, Konditionstrainer. Dazu hat sie Wurzeln in der Nähe: Die Grosseltern wohnen in der Kleinstadt Trnava, 50 Kilometer von Bratislava entfernt. 

Monte Carlo, Bratislava, Florida, Dubai

Auf die French Open bereitete sich Bencic aber in der Schweiz vor. «Meine Eltern sind hier, ich besuche sie.» Regelmässig weilt sie auch in Monte Carlo. Bencic sagt auf die Frage, wie oft sie wo sei mit einer Gegenfrage: «Also, wie oft ich wo bin? Nun, ich trainiere wirklich überall, auch in Monte Carlo,in Florida, in Dubai. Eine fixe Basis habe ich nicht. Ich bin ein bisschen überall und finde es gut so. Diese Abwechslung habe ich gerne, ich brauche sie.»

Nachfrage: Belinda Bencic, aber stimmt es, dass Ihr Wohnsitz Monte Carlo ist? «Also wollen Sie jetzt meine Adresse wissen? Nein, das ist egal.» Punkt. Es mag ein Nebenschauplatz sein, aber hilfreich ist die Geheimniskrämerei sicher nicht. Es legt den Verdacht nahe, es gehe in jedem Bereich ihres Lebens um Optimierungen, in diesem Fall im monetären Bereich. Dazu passt auch, dass sie in Paris spielt, was ihr 40'000 Euro Preisgeld garantiert.

Trainer Iain Hughes auf dem Absprung

Orchestriert wird das wohl alles von dem Mann, der in der zweiten Reihe sitzt: Manager Stuart Duguid. Neben dem Konditionstrainer Martin Hromkovic ist er der einzige aus ihrer Entourage, der in Paris weilt. Trainer Iain Hughes, mit dem sie erst seit letztem Herbst und auch sehr erfolgreich zusammenarbeitet, ist nicht hier. Gibt es dafür einen Grund? «Nein.» Ist er noch ihr Trainer? «Ehm, ich weiss es noch nicht.» Ihr Blick wandert zum Manager in Reihe zwei.

Das alles hinterlässt in der Summe ein ungutes Gefühl. Zuletzt hatte sie wegen einer Vor-Stressfraktur am rechten Fuss pausieren müssen. Ihr Körper ist seit Monaten eine Baustelle. «Das ist Scheisse», nimmt sie bei diesem Thema kein Blatt vor den Mund. Doch viel beunruhigender sollte für sie sein, dass sich auch ihr Umfeld ständig verändert. Trainer, Wohnort, Management sind ständigen Umwälzungen unterworfen, die Probleme hausgemacht.

Auf Sand hat Bencic seit drei Jahren kaum gespielt, erst seit einer Woche trainiert sie wieder, die Erwartungen sind entsprechend gering. «Es ist ein Test für meinen Körper, es ist nicht so, dass ich mega gut vorbereitet bin», sagt die Nummer 72 der Welt. Ihren Fokus legt sie auf die Rasensaison. Gemeldet ist sie in Rosmalen, danach bestreitet sie im Vorfeld von Wimbledon zwei kleinere Turniere. Sie ist gut beraten, bis dahin auch andere Fragen zu klären.