Meister, zum zweiten Mal in Serie. Vielleicht am 25. Mai auch noch Cupsieger. Trotzdem muss Urs Fischer nach dieser Saison den FC Basel verlassen. Daran ändert auch die Option nichts, wonach sein Vertrag um ein Jahr verlängert wird. Die designierte FCB-Führung um Präsident Bernhard Burgener und Sportdirektor Marco Streller hat andere Pläne.

Sie proklamiert den kompletten Neuanfang. Und hat mit Raphael Wicky bereits den neuen Trainer verpflichtet. Dabei hat sich Fischer in zwei Saisons beim FCB wenig zuschulden kommen lassen. Das Out in der Qualifikation zur Champions League gegen Maccabi Tel Aviv vor knapp zwei Jahren kann man ihm ankreiden. Und sonst? Ein Remis zu viel gegen Ludogorets Rasgrad. Und letztes Jahr das Aus im Cup-Viertelfinal in Sion. In der Summe ein dünnes Rinnsal auf die Mühle seiner Kritiker.

Trotzdem ist Urs Fischer zeit seiner Anstellung in Basel im Auge des Orkans gefangen. Auch aus Mangel an Argumenten wird bald schon seine Spielweise moniert. Subjektive Eindrücke. Oder war früher tatsächlich alles besser? Bemühen wir doch die Fakten. Der FCB ist sechs Runden vor Schluss Meister. Hat 77 Punkte, 77 Tore erzielt und nur 24 kassiert. Sehr wahrscheinlich, dass der FCB diese Saison erfolg- und torreicher abschliesst als unter Fischers Vorgängern Thorsten Fink, Heiko Vogel, Murat Yakin und Paulo Sousa.

Unspektakulärer Beamten-Fussball, wie man ihn dem 51-jährigen Zürcher vorwirft, sieht definitiv anders aus. Gleichwohl werden ihn die Fans verabschieden, wie sie ihn im Juni 2015 begrüssten: «Fischer, nie eine vo uns!!!»

Einer von ihnen

Wo beim FCB so viel umgekrempelt wird, hätte man sich gut vorstellen können, wenigstens beim Trainer auf Bewährtes zu setzen. Umso mehr, als Fischer die Mannschaft im Griff hat, allein mit seiner Seriosität das Erreichen des Primär-Zieles (Meistertitel) beinahe garantiert. Aber eben: Wicky kommt. Und das ist ein Wagnis.

Egal, wie erfolgreich der 40-jährige Walliser im FCB-Nachwuchs arbeitet. Die Erfahrung als Dompteur einer Vielzahl von Nationalspielern mit grossen Löhnen und grossen Egos fehlt Wicky. Gleichwohl wird er von Medien und Fans vom ersten Tag an eine höhere Akzeptanz erfahren als sein Vorgänger nach zwei erfolgreichen Jahren.

Fischers Problem in Basel ist und war seine Herkunft. Was die Führungscrew etwas unterschätzt hat. Doch wer kann es ihr verübeln? Basel versteht sich ja als weltoffene Stadt. Und man ist zu Recht auch mächtig stolz darauf, dass der Fussballklub ein nationales Ereignis ist. Aber ein Zürcher auf der Trainerbank? No way! Nur wirkt diese Attitüde im Kontext der internationalen Ausstrahlung des Fussballklubs etwas provinziell.

Ohne, dass er irgendetwas verbrochen hat, spürt Fischer vom ersten Tag an Ablehnung. Schlimmer noch: Er hat keine Chance, die Ressentiments aus der Welt zu schaffen. Dabei ist er einer von ihnen. Bodenständig, loyal, geradeheraus. Aber die Kurve bleibt unbarmherzig. Vielleicht wirkt Fischer deshalb bisweilen gereizt.

Sicher ist hingegen, dass ihn die mediale Kritik trifft. Weil sie seiner Meinung nach ungerechtfertigt ist. Von wegen Langweiler-Fussball. Und dann noch die Sache mit dem Stillstand. Der Vorwurf, er würde die Spieler nicht besser machen. Und sowieso ist er bieder, der Herr Fischer.

Fischer ist Fischer

Verständlich, dass ihn das alles trifft. Verständlich auch, wenn er sich wehrt. Verständlich auch, dass er nicht versteht, warum in seinem Fall Eigenschaften negativ ausgelegt werden, die gemeinhin als positiv bewertet werden.

Sicher, Fischer hat nicht die Eloquenz eines Heiko Vogel. Er hat nicht das Kumpelhafte eines Thorsten Fink. Er hat auch nicht den Charme von Murat Yakin oder die Arroganz eines Paulo Sousa. Und er hat nicht die Entertainment-Qualitäten eines Jürgen Klopp oder die intellektuelle Ausstrahlung eines Thomas Tuchel. Fischer ist Fischer. Etwas unprätentiös, vielleicht. Aber er ist ehrlich, ehrgeizig und bodenständig.

Muss man nun Mitleid haben mit Fischer, weil er seinen Job in Basel nicht fortsetzen darf? Nein. Er mag bisweilen etwas dünnhäutig auf Kritik reagieren. Aber wenn es ums Geschäft geht, ist er unzimperlich – auch gegenüber sich selbst. Bereits Anfang des Jahres vernahm er, dass die Führung wechseln könnte. Fischer war fortan klar: Wenn es zum Wechsel kommt, wird er nächste Saison nicht mehr FCB-Trainer sein. Doch die Gefahr, er würde zur lahmen Ente, bestand nie.

Frustriert ist Fischer nicht. Wohl auch deshalb, weil er weiss, dass er einen Markt hat. Sein nächster Arbeitgeber wird zwar kaum die gleichen Möglichkeiten bieten wie der FCB. Aber mit dem Schritt zurück hatte Fischer schon keine Probleme, als er nach seiner Zeit als FCZ-Trainer beim FC Thun anheuerte.

Bickels Wunschliste

Apropos FCZ: Für Fischer könnte sich der Kreis schliessen. Nicht, dass er zum FC Zürich zurückkehrt. Das scheint ausgeschlossen, solange Ancillo Canepa den Klub präsidiert. Wahrscheinlich scheint aber, dass Fischer von einem früheren FCZler engagiert wird.
Seit Winter ist Fredy Bickel Sportchef bei Rapid Wien. Eben erst musste er Trainer Damir Canadi entlassen. Interimistisch wird die Mannschaft vom bisherigen Assistenten geführt.

Seit Winter ist Fredy Bickel Sportchef bei Rapid Wien.

Seit Winter ist Fredy Bickel Sportchef bei Rapid Wien.

Aber für die kommende Saison sucht Bickel einen neuen Trainer. Auf seiner Liste steht Fischer ganz weit oben. Warum? Weil Bickel gerne mit Menschen zusammenarbeitet, die er gut kennt. Weil Bickel einen Trainer braucht, der authentisch ist und seiner intelligenten, aber etwas weichen Mannschaft eine gewisse Härte vermittelt. Weil Bickel beim FCZ bis zuletzt gegen Fischers Entlassung gekämpft hat. Und dass Fischers Assistent Markus Hoffmann aus Österreich stammt, ist auch kein Hindernis.

Kurz: Fischer zu Rapid – das tönt plausibel. Zürcher sind in Österreich zwar seit der enttäuschenden EM nicht mehr super hoch im Kurs. Aber Fischer kann immer noch darauf verweisen, dass der österreichische Nationaltrainer Marcel Koller ein Grasshopper und nicht wie er ein FCZler ist. In einer Stadt mit Austrianern und Rapidlern hat man dafür bestimmt grosses Verständnis.