Es ist das Los des Erfolgreichen, dass die Scheinwerfer bis in den hintersten Winkel reichen und Seiten beleuchten, die man selber lieber im Dunkeln belassen hätte. Tennys Sandgren wurde dieses Urgesetz zum Verhängnis. Als der Amerikaner Anfang Jahr bei den Australian Open die Viertelfinals erreichte, wollte jeder wissen, wer dieser Mann ist. 

Und weil das Internet bekanntlich nichts vergisst, zeichnete man mit Verweis auf sechs Jahre alte Äusserungen in den Tiefen der sozialen Netzwerk schnell das Bild eines Mannes, der mit der politischen Rechten der USA sympathisiert: ein Antisemit, homophob und sexistisch. Er entschuldigte sich zwar später, doch die Etikette wird er so schnell nicht los.

19 Monate Sperre für Cecchinato

Ein ähnliches Schicksal droht Marco Cecchinato, der Italiener, der bei den French Open die Halbfinals erreichte. In Paris auf seine Vergangenheit angesprochen, sagte er: «Sorry, darüber spreche ich nicht.» Darüber, dass er 2015 wegen Spielmanipulation für 19 Monate gesperrt worden war, weil er Geld auf die eigene Niederlage gewettet haben soll.

Weil er die Vorwürfe bestritt, wurde die Sperre später aufgehoben, und Cecchinato spielte weiter. Vielleicht unbescholten, vielleicht auch nicht. Aber wegen seiner marginalen Stellung im Welttennis blieb die Episode ohne Folgen. Erst jetzt, wo er erstmals in den Fokus der Weltöffentlichkeit gerät, nimmt die Geschichte wieder Fahrt auf. Natürlich ohne Folgen.

Täter sind meist Nonvaleure

Allerdings, und auch das ist bezeichnend: Sein Vergehen rührt von einer Zeit her, in der Kicker um das nackte Überleben spielte. Wer Bilder vom Turnier in Barranquilla, Kolumbien, sieht, wie Kicker Doppelfehler serviert, als hätte er nie zuvor Tennis gespielt. Und doch: Selbst unter Profis kommt das vor. Nichts illustriert das Dilemma besser als diese Bilder.

Hier manipuliert Nicolas Kicker ein Tennisspiel

Gewaltandrohung bei Spielern

Umstritten ist, wie weit verbreitet Manipulationen in der Elite sind, wo die Preisgelder üppiger sind, aber auch die Auslagen grösser. Die existenziellen Sorgen in den Niederungen der Weltspitze öffnen Tür und Tor für Betrug, der kaum nachweisbar ist. Ein Doppelfehler hier, eine Vorhand ins Netz dort  – Ermittlern sind die Hände gebunden.

Am Dienstag wurden in Belgien bei einer Razzia 13 Personen eines belgisch-armenischen Netzwerks festgenommen. Sie stehen im Verdacht, bei unterklassigen Turnieren Spiele im grossen Stil verschoben zu haben, auch unter Androhung von Gewalt. Eine Erfolgsmeldung, sicher. An der Anfälligkeit des Tennis für Betrug ändert das indes wenig.