Obwohl die Ausgangslage nicht vielversprechend ist, werden rund 2000 Fans des FC Zürich am Donnerstagabend in Neapel erwartet. Die Reise in den Süden Italiens ist für den Fussball-Anhänger verlockend: Das San Paolo ist eines der Stadien Europas, dem etwas Mystisches anhängt. Eine dieser Arenen, die den Verlauf eines Spiel beeinflussen kann - wenn sie denn gut gefüllt ist.

In letzter Zeit war das selten der Fall, und der Klub selber rührt nicht die Werbetrommel für sein 1959 erbautes, über 60'000 Plätze bietendes Stadion. Wenn es nach Präsident Aurelio De Laurentiis gehen würde, wäre die baufällige Arena längst dem Erdboden gleichgemacht.

Das San Paolo ist im wahrsten Sinn des Wortes eine der wenigen Baustellen, die Laurentiis seit der Übernahme des Klubs 2004 nicht in den Griff bekommen hat. Nach seinem Geschmack hat die Stadt, die das Stadion besitzt, viel zu wenig in Renovationen investiert. Mehrmals hat er mit einem Umzug gedroht, mal nach Bari, mal in eine andere Region von Neapel.

Das Stadion sei nicht nur hässlich, sondern falle auch auseinander, ärgerte sich der Präsident und drohte: "Ich könnte in zwei Sekunden Land kaufen und in 18 Monaten ein neues Stadion gebaut haben. Aber das San Paolo ist Teil der Geschichte von Napoli - hier hat Maradona gespielt."

Verfechter einer europäischen Superliga

Solche prägnanten Sätze sind das Markenzeichen von De Laurentiis. Der 69-Jährige nimmt kein Blatt vor den Mund, legt sich mit allen scheinbar genussvoll an und findet doch immer die richtige Wendung, um nicht als etwas irrer Vereinsboss dazustehen.

Absteiger, die der Liga keine Mehreinnahmen verschaffen, sollten mit Bussen bestraft werden, hat er schon gefordert. Oder die Fussballspiele dürften nur 60 Minuten dauern, schlug er auch einmal vor. Er ist ein grosser Verfechter einer europäischen Superliga und gleichzeitig begehrt er gern als "Kleiner" gegen die "Grossen" auf, gegen die UEFA oder gegen den reichen italienischen Norden.

Legendär ist De Laurentiis' Auftritt bei einem Verbands-Meeting 2011, als der Spielplan für die kommende Saison bekannt wurde. Weil er sich benachteiligt fühlte, stürmte er schimpfend aus dem Gebäude, stoppte einen jungen Mann mit Vespa und fuhr mit diesem davon. "Ich schäme mich, Italiener zu sein.

Ich kehre zum Film zurück", hatte er zuvor noch gerufen. Aurelio De Laurentiis stammt aus einer Familie von Filmproduzenten. Sein Onkel Dino produzierte eine ganze Reihe berühmter Werke, unter anderen den Klassiker "La Strada". Aurelio spezialisierte sich auf etwas seichte, aber oft einträgliche Komödien.

In 15 Jahren von 29 auf 400 Millionen

Ins Fussballgeschäft stieg Aurelio De Laurentiis 2004 ein. Für 29 Millionen Euro erhielt er damals den SSC Napoli vom Insolvenzverwalter zugesprochen. Der Klub hatte sich in den Ruin und damit in die Drittklassigkeit gewirtschaftet. Aurelio De Laurentiis richtete ihn im horrenden Tempo wieder auf: 2006 Aufstieg in die Serie B, 2007 Rückkehr in die Erstklassigkeit, 2011 erstmalige Teilnahme an der Champions League.

Der zunächst belächelte Präsident umgab sich mit den richtigen Leuten - etwa mit Sportchef Pierpaolo Marino -, tätigte gute Transfers und fand sich im Fussball rasch bestens zurecht. Heute schätzt "Forbes" den Wert des Vereins auf 400 Millionen Euro, in der laufenden Saison dürfte er knapp 200 Millionen Euro erwirtschaften und sich damit knapp ausserhalb der europäischen Top 20 befinden.

Aurelio De Laurentiis hat als Kenner des Filmgeschäfts die richtige Mischung aus Entertainment und Business gefunden. Er klagt - Kraft seiner neapolitanischen Wurzeln - die Verbands- und Vereinsoberen aus dem italienischen Norden an, und verhandelt mit seinem römischen Akzent erbarmungslos die Löhne und Transfersummen.

Gonzalo Higuain, Edinson Cavani oder Jorginho gehören zu jenen Spielern, die in den letzten Jahren mit viel Gewinn weiterverkauft wurden. Und trotzdem ist die Mannschaft immer wettbewerbstauglich geblieben. Nur zweimal seit 2010 war Napoli Ende Saison nicht in den Top 3 der Serie A klassiert. Wäre da nicht das übermächtige Juventus Turin, hätte De Laurentiis mehr als die zwei Cupsiege nach Neapel geholt.

Ähnlich wie die Agnellis bei Juventus hat De Laurentiis die SSC Napoli fest im Griff. Seine Vizepräsidenten sind seine Schweizer Ehefrau Jacqueline und Edoardo, eines der drei gemeinsamen Kinder. Den zweiten Sohn hat er an der Spitze des vor kurzem gekauften und im letzten Sommer in die Viertklassigkeit zwangsrelegierten Bari installiert.

Auch der in SSC Bari umbenannte Verein soll aus dem Konkurs an die nationale Spitze geführt werden. "Mein Bari wird wie Rocky Balboa", verspricht Luigi De Laurentiis. Rocky II ist in Produktion.