Es ist ein hoch emotionaler Nachmittag im Stade de Suisse. 26 506 Zuschauer erscheinen bei sommerlichen Temperaturen, um dem womöglich zweitletzten Schritt der Young Boys zum ersten Meistertitel nach 32 Jahren beizuwohnen. Und tatsächlich: Weil der FC Basel in Sion nur 2:2 spielt, YB aber gegen Lausanne-Sport 4:1 gewinnt, können die Berner nun am nächsten Samstag in der fünftletzten Runde der Super League mit einem Heimsieg über den FC Luzern den Sack zumachen. Egal, wie der FCB tags darauf gegen Thun spielt.

«Die Gewissheit, dass wir am Samstag Meister werden können, muss ich zuerst einmal verarbeiten. Das gibt eine extreme Woche», sagt der zweifache Torschütze Christian Fassnacht. Goalie Marco Wölfli jubelt: «Es ist genial. Die ganze Euphorie in und um Bern gibt uns eine unglaubliche Kraft. Wir spielen eine Riesenrückrunde und haben in dieser noch kein einziges Spiel verloren.»

«Es ist genial. Die ganze Euphorie in und um Bern gibt uns eine unglaubliche Kraft. Wir spielen eine Riesenrückrunde und haben in dieser noch kein einziges Spiel verloren.»

«Es ist genial. Die ganze Euphorie in und um Bern gibt uns eine unglaubliche Kraft. Wir spielen eine Riesenrückrunde und haben in dieser noch kein einziges Spiel verloren.»

Der Nachmittag beginnt mit einer Trauerminute für den am Mittwoch verstorbenen Klub- und Stadionbesitzer Andy Rihs. Die Mannschaft läuft in speziell angefertigten Trikots mit der Aufschrift «Merci Andy» auf, und als YB schon nach zehn Minuten durch Guillaume Hoarau in Führung geht, zeigen die Spieler in Richtung Himmel, um zu dokumentieren, dass sie dieses Tor Andy Rihs widmen. Der Franzose trifft dann auch noch zum 3:0 und liegt nun mit 13 Toren allein an der Spitze der Torschützenliste. Dies, obschon er im Herbst wegen einer Verletzung acht Spiele verpasst hatte.

So, wie YB schnurstracks dem Titel entgegensteuert, krebsen die Lausanner in Richtung Challenge League. Gemäss der Zeitung «Le Matin» sollen es die Spieler gewesen, welche auf die Ablösung von Trainer Fabio Celestini hingearbeitet hätten. Allerdings zeigen sie sich in Bern unter dem bisherigen Nachwuchstrainer Ilija Borenovic kaum verbessert. Vermutlich ist es einfach so, dass es dem Team an Charakter für den Klassenerhalt fehlt.

2. Erich Vogel: Die grosse Abrechnung

Lange hat Erich Vogel geschwiegen. Der Mann, der am Ursprung der Turbulenzen steht, welche GC seit einigen Wochen begleiten. Gestern nun hat er zurückgeschlagen. Bevor er im «SonntagsBlick» am Ende eines Interviews ankündigte, dass er sich mit Aktionär Heinz Spross solidarisch zeigen und sich ebenfalls aus dem Grasshopper Club zurückziehen werde, prügelte er verbal auf die Führung ein.

Ex-GC-Manager Erich Vogel Foto: HO

Ex-GC-Manager Erich Vogel

Ex-GC-Manager Erich Vogel Foto: HO

In einer Tonart, die an US-Präsident Donald Trump erinnert. Es ist eine Mischung aus Hasstiraden und mit Fakten unterlegter Kritik. Wobei anzumerken ist, dass GC-Präsident Stephan Anliker die Retourkutsche mit gleichfalls unappetitlichen Aussagen provoziert hatte.

Nur ein Müsterchen aus Vogels Replik: «Marginale Führungskompetenzen, verbunden mit minimalen Sozialkompetenzen verschmelzen sich rasch zu einem latenten Pulverfass für GC.»

3. Kenan Kodro: Ein einmaliger Abend

Kenan Kodro gehört zu jenen Spielern, die in der Winterpause von Trainer Murat Yakin zu GC gelotst wurden. Anzunehmen ist, dass Erich Vogel im Hintergrund diesen Transfer goutierte.
Bis zum Samstag allerdings kam der Leihspieler von Mainz, der im Herbst in acht Bundesligaeinsätzen ohne Tor geblieben war, nicht auf Touren.

Kenan Kodro jubelt nach seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 3:2 für die Grasshoppers.

Kenan Kodro jubelt nach seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 3:2 für die Grasshoppers.

Nachdem er vor drei Wochen beim 1:1 im Derby gegen den FCZ zwar ein Tor geschossen hatte, aber drei oder vier weitere hätte erzielen müssen und deshalb als Chancentod bezeichnet wurde, explodierte er nun beim 4:3 gegen Lugano. Drei Treffer gelangen dem 24-jährigen bosnischen Nationalspieler, der nun in neun Einsätzen für GC fünf Mal getroffen hat.

«Das ist mein erster Hattrick als Profi», sagte überglücklich der in Spanien aufgewachsene Kodro, «dieser Sieg wird uns im Abstiegskampf Moral geben.»

4. Raphaël Nuzzolo und Xamax: Aufstieg

Ohne selber zu spielen, haben Raphaël Nuzzolo und Neuchâtel Xamax am Sonntag den Aufstieg in die Super League geschafft. Weil Schaffhausen gegen Rapperswil verlor, haben die Neuenburger ihr grosses Saisonziel erreicht, bevor sie heute in Genf gegen Servette antreten.
Nach dem Debakel und Konkurs unter dem Tschetschenen Bulat Tschagajew in der Saison 2011/12 hatte Xamax im Sommer 2012 mit dem Neustart in der interregionalen 2. Liga zu einem eigentlichen Sturmlauf in Richtung Super-League-Rückkehr angesetzt.

Raphael Nuzzolo (rechts)

Raphael Nuzzolo (rechts)

Es gab den Durchmarsch via 1. Liga und Promotion League in die Challenge League, wo nun nach zwei zweiten Plätzen der grosse Wurf gelang. Baumeister des Erfolgs sind Präsident Christian Binggeli, Trainer Michel Decastel und Stürmer Raphaël Nuzzolo, der stolze 23 Tore schoss.

5. Gavranovic, Freuler und Embolo: Effizient

In Kroatien steuern Mario Gavranovic und Dinamo Zagreb dem Titel entgegen. Nach dem 2:1-Sieg im Spitzenkampf bei Hajduk Split beträgt der Vorsprung fünf Runden vor Schluss auf Rang 2 acht Punkte. Im Mittelpunkt stand der Schweizer Natispieler Gavranovic, der beide Tore erzielte und nun 13 Treffer auf dem Konto hat.

Auch Nati-Aufbauer Remo Freuler wird immer treffsicherer. Beim 2:1 von Atalanta Bergamo gegen Torino gelang ihm sein fünfter Saisontreffer. In 70 Serie-A-Spielen hat er nun schon elf Tore auf dem Konto. Weil die AC Milan zu Hause kläglich gegen Absteiger Benevento verlor, schob sich Atalanta auf einen Europacupplatz.

Breel Embolo war an diesem Wochenende wieder erfolgreich

Breel Embolo war an diesem Wochenende wieder erfolgreich

Breel Embolo schliesslich brachte Schalke 04 mit seinem dritten Saisontor in Führung, am Ende reichte es dem Zweiten aber beim designierten Absteiger 1. FC Köln nur zu einem 2:2.