Tatsächlich läuft in Zug die «Operation Meistertitel.» Aber eigentlich beginnt sie erst nach dieser Saison. Wenn Leonardo Genoni aus Bern und Grégory Hofmann aus Lugano in Zug eingetroffen sind.

Wie ein Meisterkandidat 

Der erstaunliche 3:0-Sieg des EVZ in Bern provoziert nun aber die Frage: Warum nicht schon im nächsten Frühjahr Meister werden? Lugano und Davos werden sich wahrscheinlich nicht für die Playoffs qualifizieren. Die ZSC Lions sind nach wie vor auf der Suche nach ihrer Identität und Form. Nur der SCB spielt wie ein Meisterkandidat – und diesem SCB haben die Zuger soeben mit einem 3:0-Sieg die Tabellenführung wieder entrissen.

Als der neue Trainer Dan Tangnes im Sommer 2018 seine Arbeit aufnimmt, endete in Zug die Ära des nordamerikanisch geprägtem Power- und Rumpelhockeys. Der norwegische Trainer setzt auf gut organisiertes «Designerhockey». Und er sagt, er brauche Zeit, um seine Vorstellungen umzusetzen. Nun ist er am Samstag nach dem Sieg in Bern gefragt worden, ob die Mannschaft «sein» Hockey bereits verinnerlicht habe. Er bleibt bescheiden und sagt, es sei noch ein weiter Weg zu gehen.

Meisterliche Bescheidenheit 

Es ist eine fast meisterliche Bescheidenheit. Er hat in ein paar Monaten viel verändert. 2017 war Zug im Finale gegen den SCB chancenlos und hatte seither alle acht Qualifikationspartien gegen den SCB verloren. Die Niederlage im Cup-Halbfinal auf eigenem Eis vermochte die Berner noch nicht zu beunruhigen. Den Cup haben sie nicht ernst genommen. Aber dieses 0:3 geht unter die Haut. Sie sind irritiert.

Selbst der fürchterliche Check von Tristan Scherwey gegen Garret Roe in der 7. Minute, der dem SCB-Vorkämpfer eine Fünfminutenstrafe plus Restausschluss eintrug (und Sperren nach sich ziehen dürfte), vermochte die Zuger nicht einzuschüchtern. Kari Jalonen liess in der Schlussphase in offensiver Bestbesetzung stürmen, konzentrierte seine besten Kräfte wie üblich in drei Linien (6 Spieler mit über 20 Minuten Eiszeit) und unter dem Druck dieses wuchtigen Powerhockeys wäre wohl jeder andere Gegner zerbrochen.

Die Zuger hielten im Kollektiv stand. Dan Tangnes setzte bis in die Schlussphase vier Linien ein (bloss 2 Spieler mit über 20 Minuten Eiszeit). Obwohl er nur drei Ausländer zur Verfügung hatte und Verteidigungsminister Raphael Diaz fehlte. Seine Vorgänger waren in den Playoffs gescheitert, weil sie ihre Schlüsselspieler schon während der Qualifikation zu stark forciert hatten.

Noch ohne ultimativen Erfolgsdruck 

Er wird nicht in diese «Energie-Falle» tappen. In den Playoffs wird Zug frischer sein als in den letzten Jahren – und noch ohne den ultimativen Erfolgsdruck. Den werden die Zuger erst ab der nächsten Saison spüren. Gute Voraussetzungen für eine Playoff-Sensation. Es ist der beste EVZ seit dem Titelgewinn von 1998.

Die Intensität des Spitzenkampfes zeigt noch etwas: Es ging mehr als «nur» um die Tabellenführung. Die Arena war mit nervöser Energie aufgeladen und das Publikum aufgebracht wie seit Jahren nie mehr. Gegenstände flogen zwischendurch aufs Eis. Das hat es im anständigen Bern seit Menschengedenken nicht mehr gegeben. Eine neue, erbitterte Rivalität zieht herauf.

Der SCB verdient durch harte Arbeit Geld und gibt nicht mehr aus, als hereinkommt. Seit der Milliardär Hans-Peter Strebel den Vorsitz hat, bekommt Zug einfach Geld, so viel es braucht. Das stimmt so natürlich nicht. Der EVZ ist eine moderne, sehr gut strukturierte, auf die Digitalisierung ausgerichtete Firma, die sich am Markt behauptet wie der SCB. Aber das Publikum empfindet es so.

Schlimmer noch: Die Zuger haben dem SCB mit viel Geld den Torhüter «gestohlen». Das haben selbst die Milliardäre aus Zürich und Lugano nie gewagt. Aber Zug hat es nun getan. Eine Ungeheuerlichkeit sondergleichen. Der Genoni-Transfer und dieses 0:3 haben das SCB-Selbstverständnis erschüttert – und Zug zum erbitterten Rivalen gemacht.