Auf den ersten Blick ist es ja «nur» der Cup. «Nur» ein Spiel. Aber auf den zweiten Blick erkennen wir: Es ist mehr. Viel mehr. Im Rückblick werden wir erkennen, dass dieser Cup-Final unsere Hockey-Landkarte verändert hat.

Die Zuger haben ihren ersten Titel seit 1998 auf so überzeugende, ja gnadenlose Art und Weise geholt, dass dieses Spiel wirkt wie die Morgendämmerung einer neuen, grossen Zeit. Einer neuen Zeit mit Zug als Titan, der regelmässig Meisterschaften gewinnt und den SC Bern oder die ZSC Lions hinter sich lässt.

Eine wundersame Parallelwelt

Eine neue Zeit? Tatsächlich? Ist das nicht masslos übertrieben? Der Gegner war doch bloss der Tabellenletzte, der in der laufenden Meisterschaft 55 Punkte weniger auf dem Konto hat und froh sein muss, wenn es am Ende der Saison gelingt, dem Abstieg zu entrinnen. Dieser Sieg kann doch bei Lichte besehen nicht viel mehr als die Erfüllung einer Pflicht sein. Oder?

Aber so ist es eben nicht. All die Statistiken dieser Saison, die Zug vor diesem Cup-Final zum himmelhohen Favoriten gemacht hatten, zählten gestern nicht mehr. Die Lakers, die vermeintlichen Aussenseiter, waren auf eine ganz besondere Art Titanen. Eine verschworene Gruppe auf einer Mission. Erst mit diesen Lakers hat der Eishockey-Cup seine Identität bekommen. Mit dem Cupsieg vor einem Jahr hatte sich der Aufsteiger eine wundersame, bunte Parallelwelt zum tristen Alltag der Meisterschaft erschaffen. Erst mit dem Cupsieg der Lakers – vor einem Jahr waren sie noch zweitklassig – hatte der Cup seinen Charme bekommen.

Eine Nummer zu gross

Und nun sollte dieses Cup-Märchen ihre Fortsetzung finden. Mit einer Titelverteidigung gegen Zug auf eigenem Eis. In sechs Minuten waren alle Tickets für diesen Final verkauft. Und am Freitag hatten die Lakers in der Qualifikation, sozusagen als Warm-up, die ZSC Lions, den Schweizer Meister, 4:1 besiegt.

Aber Zug war eine Nummer zu gross. Und das sollte für die Konkurrenz im Hinblick auf die Playoffs und auf die kommenden Meisterschaften eine Warnung sein. Die Zuger haben diesen Titel mit ihrem besten Spiel der Saison gewonnen. Es war nicht ein Spektakel-Sieg für die Tribüne. Es war ein logischer, zwingender Sieg. Wie auf dem taktischen Reisbrett entworfen. Auf fremdem Eis, in einer bis auf den letzten Platz gefüllten Arena gegen eine Mannschaft, die mit der Energie aus der Begeisterung ihrer Anhänger aufgeladen war. Vor einem Jahr ist hier unter diesen Umständen der damals noch nicht marode HC Davos im Final mit 7:2 vom Eis gefegt worden.

Klasse siegt über Emotionen

Zum ersten Mal seit dem letzten Titel von 1998 waren die Zuger dazu in der Lage, ein Spiel zu gewinnen, das sie gewinnen mussten. Eine Chance zu nützen, die es nur in diesem einen Spiel gab. Und sie taten es mit ruhiger, beinahe provozierender Kaltblütigkeit und mit einem Selbstvertrauen, das den Gegner irritierte. Zugs Klasse, Zugs taktischer Verstand siegte über die Emotionen und die Energie des Aussenseiters.

Deshalb ist dieser Cup-Sieg wie ein Vorbote für eine neue, grosse Zeit. Die seit dem letzten Titel von 1998 andauernde Zuger Hockey-Folklore, mit Spektakel zwischen September und März und Scheitern in den Playoffs, wenn die wahren harten Männer spielen, ist beendet.

Das Spiel war übrigens bereits nach 3 Minuten und 15 Sekunden entschieden. Torhüter Sandro Aeschlimann verhinderte mit einer grandiosen Reflexparade das 1:0 für die Lakers: Kurz darauf nützten seine Vorderleute das erste Powerplay eiskalt nach nur 9 Sekunden zum 1:0. Es war der Stich ins Herz des Cup-Titanen. Das Ende der Cup-Romantik. Der Einsturz der Parallelwelt der Lakers. Nach 21 Jahren wissen die Zuger endlich wieder, wie man Titel gewinnt. Und für die tapferen Lakers heisst es jetzt, nach dem Zusammenbruch ihrer Cup-Parallelwelt: Willkommen in der Wirklichkeit des Abstiegskampfes.