Der neue Hoffnungsträger: Henrik Tömmernes.

Der schwedische Verteidigungsminister soll die Abwehr stabilisieren und die Offensive befeuern. Er hat das Potenzial, einer der besten Verteidiger der Liga zu sein.

 

Das alte Sorgenkind: Chris McSorley.

Es hat ein mächtiges Genf nach Johannes Calvin und Jean-Jacques Rousseau gegeben – aber wird es ein grosses Servette nach Chris McSorley geben? Diese Frage ist immer und immer wieder gestellt worden. Jetzt muss sie beantwortet werden. Zum ersten Mal seit 2001 heisst Servettes Trainer nicht mehr Chris McSorley (55). Der charismatische Kanadier hat vor drei Jahren seine Aktien (und damit die Macht) an Präsidenten Hugh Quennec verkauft und ist im Nachgang einer enttäuschenden Saison im letzten Frühjahr des Amtes enthoben worden. Die zwei ehemaligen NHL-Generäle Mike Gillis und Lorne Henning sind nun die Einflüsterer des Präsidenten. Der entmachtete Trainer fällt zwar weich in den Polstersessel eines Sportchefs. Sein Vertrag läuft zu gleichen Bezügen mindestens sieben Jahre weiter. Aber in seiner neuen Position ist seine Gestaltungskraft arg eingeschränkt. Zur Anstellung des neuen Trainers hatte Chris McSorley nichts zu sagen. Über Budget, Strategie und Personalfragen entscheiden die neuen Herren, die auch durchgesetzt haben, dass Kultverteidiger Goran Bezina nach einem Jahr KHL im Alter von 37 Jahren zurückkehren darf. Zum ersten Mal seit seiner Ankunft in Genf vor 16 Jahren muss Chris McSorley im Hockeygeschäft ausführen, was andere ihm vorgeben. Zum ersten Mal hat er in Hockeybelangen nicht mehr das letzte Wort. Pessimisten sagen, seine Entmachtung sei der Anfang vom Ende der Genfer Hockeykultur. Optimisten verweisen auf eine uralte Sportweisheit: «Trainer kommen und gehen, Klubs bleiben bestehen.»

Der entmachtete Trainer Chris McSorley muss sich nun mit dem Sessel als Sportchef zufrieden geben.

Der entmachtete Trainer Chris McSorley muss sich nun mit dem Sessel als Sportchef zufrieden geben.

Der Schlüsselspieler: Tanner Richard.

Der Sohn des kanadischen Kultspielers Mike Richard (ZSC, Olten, Rapperswil), soll Servettes neuer Leitwolf werden. Der kanadisch-schweizerische Doppelbürger war zu gut für die AHL, aber zu wenig gut für die NHL und kehrt nach sechs Jahren Nordamerika (Junioren, AHL, 3 NHL-Partien) in die Schweiz zurück. Im letzten Frühjahr hat er sich bereits bei der WM in Paris bewährt. Der robuste Stürmer soll mit seiner intensiven Spielweise im allerbesten Fall so etwas wie Genfs Antwort auf Mark Messier werden.

Tanner Richard: Der Schlüsselspieler.

Tanner Richard: Der Schlüsselspieler.

Der Trainer: Craig Woodcroft.

Als er im letzten Frühjahr zu Verhandlungen nach Genf anreiste, wurde sein Hotelzimmer unter falschem Namen gebucht. Diskretion war das höchste Gebot. Stoff für einen Agenten-Thriller? Ja, wenn es sich um Ralph Krueger, Mike Babcock oder Scotty Bowman gehandelt hätte. Aber es war «nur» Craig Woodcroft (47). Ein Kanadier ohne Charisma und wenig Erfahrung als Cheftrainer. Servettes neuer Bandengeneral hätte also ruhig unter seinem Namen absteigen können. Niemand hätte ihn erkannt. Letzte Saison betreute er Dinamo Minsk und assistierte den weissrussischen Nationaltrainer. Die alles entscheidende Frage: Kann er Erfolg haben, wenn Chris McSorley immer noch präsent ist? Seine Situation lässt sich etwas frivol mit einem Mann vergleichen, der seine ehelichen Pflichten erfüllen sollte, aber die Schwiegermutter daneben im Ehebett liegt, strickt und alle fünf Minuten fragt, ob sie etwas helfen könne. Chris McSorley singt Psalmen über den neuen Trainer, den er nicht selbst ausgesucht hat und wer bei seinen Lobpreisungen Sarkasmus herauszuhören glaubt, ist wahrlich ein Schelm.

Craig Woodcroft: Der neue Trainer.

Craig Woodcroft: Der neue Trainer.

Fazit

Servette hat genug Talent für die Playoffs. Aber das moderne Servette ist Chris McSorleys Schöpfung. Um die eingangs gestellte Frage zu beantworten: Nein, es gibt kein grosses Servette nach Chris McSorley.

«Nordwestschweiz»-Tipp

8. Platz nach der Qualifikation