Für Tristan Scherwey sind solche Spiele unüblich. Mit der Nati gelang ihm nie mehr als ein Tor pro Spiel. Vor fünf Jahren skorte Scherwey für den SC Bern gegen Kloten vier Assists. Vor sechs Jahren gelangen ihm gegen Ambri ebenfalls zwei Goals und ein Assist. Aber diese Spiele gewann der SCB. Am Dienstag mochte sich Scherwey nicht über sein bestes Länderspiel freuen. Weil die Schweiz nicht gewann, weil eine dumme Strafe - "und erst noch eine von mir" - die Wende einleitete.

"Wir spielten nicht clever genug", so Scherwey. "Wir machten falsche Sachen im falschen Moment, und der eine oder andere Fehler, wie meine Strafe in der offensiven Zone, wurde bestraft."

Auch bei der Suche nach positiven und erfreulichen Dingen begann Scherwey nicht bei seinem Drei-Punkte-Spiel. "Vor dem letzten Drittel sprachen wir in der Kabine von einem Charakter-Test. Wir wollten unbedingt verhindern, dass wir für die Viertelfinals nach Kosice reisen müssen. Für dieses Ziel benötigten wir vier Tore. Diesen Charakter-Test bestanden wir am Ende trotz der Niederlage. Wir fanden ins Spiel zurück. Und mit etwas Glück hätten wir noch gewinnen können. Dieser letzte Abschnitt macht uns Mut für den Viertelfinal."

Die Sturmlinie mit Scherwey, Philipp Kuraschew (1 Assist) und Lino Martschini (3 Assists) entstand für die Partie gegen die Tschechen eher zufällig. "Es gab in den letzten Tagen sehr viele Wechsel", so Scherwey, was aber auch logisch sei, weil zuerst mit Sven Andrighetto und dann mit Nino Niederreiter neue Schlüsselspieler zum Team stiessen. Scherwey kennt mittlerweile fast alle Stürmerkollegen: Zuerst lief er neben Noah Rod und Christoph Bertschy auf, dann neben Andrighetto und Gaëtan Haas, schliesslich wieder neben Bertschy und Rod und gegen Tschechien erstmals neben Kuraschew und Martschini. Scherwey: "Cool, dass es so gut lief. Ich liebe es, mit Spielern zusammen zu stürmen, die mit dem Puck gerne viel kreieren."

Auch Patrick Fischer freute sich über den Erfolg seiner neuen nominell vierten Sturmlinie: "Diesen dreien mag ich das extrem gönnen. Scherwey ist ein grosser Kämpfer. Philipp Kuraschew reagierte vorzüglich darauf, dass er im letzten Spiel schon früh raus genommen worden ist, und Lino Martschini stellte unter Beweis, dass er auch in internationalen Spielen eine brandgefährliche Waffe ist."

Ob die drei in den Viertelfinals wieder zusammenspielen werden, steht noch in den Sternen. Gegen die Tschechen unterliefen den Schweizern in der Defensive derart viele Fehler, dass erneute Umstellungen nicht auszuschliessen sind. Für Scherwey ist das kein Problem: "Es darf keine Rolle spielen, wer mit wem spielen muss, und wer wie viel Eiszeit erhält. Jetzt zählt nur noch eins: Wir wollen für die Halbfinals um jeden Preis nochmals nach Bratislava zurückkehren. Jetzt heisst es: Halbfinal oder Strand! Und der Strand kann warten."