Sind Spiele gegen die Schweiz für Sie immer noch speziell?

Roger Bader: Ja klar. Ich bin auch als Trainer der österreichischen Nationalmannschaft immer noch ein stolzer Schweizer. Letztes Jahr sass ich in Kopenhagen während des WM-Finals als Fan der Schweiz auf der Tribüne. Ich hätte riesige Freude am WM-Titel gehabt. Aber heute Abend bin ich voll und ganz Österreicher.

Ist es ein Vorteil, dass Sie das Schweizer Eishockey in- und auswendig kennen?

Nein. Ich glaube, zwischen unseren Mannschaften gibt es keine Geheimnisse mehr. Wir kennen sie, sie kennen uns.

Sie haben mit Ihrem Team im Vorjahr als erster Aufsteiger seit zehn Jahren den Klassenerhalt geschafft. Wie wurde das in Österreich aufgenommen?

Ich glaube, ich habe mir einen guten Ruf erarbeitet. Mit dem Klassenerhalt hat sich die positive Wahrnehmung sicher nochmals gesteigert. Aber unabhängig vom Erfolg schätzt man, wie ich das Projekt Nationalmannschaft aufgebaut habe. Alles wurde professioneller im Vergleich zu früher.

Wie sieht es mit der Erwartungshaltung aus?

Nur, weil wir den Klassenerhalt geschafft haben, wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Dessen ist man sich in Österreich auch vollauf bewusst. Wir müssen versuchen, unsere Punkte in den entscheidenden Begegnungen mit Norwegen und Italien zu holen. Natürlich werden wir auch versuchen, gegen die klar favorisierten Teams den einen oder anderen Punkt zu holen. Aber man muss ganz einfach realistisch bleiben.

Zwischen der Schweiz und Österreich herrscht ja traditionell eine Rivalität – wenn man schon nur an Ski alpin denkt. Einige Ihrer Nationalspieler sind auch in der Schweiz engagiert. Das ist schon speziell, oder?

Man muss schon sehen, dass punkto Eishockey die Favoritenrolle klar verteilt ist. Ungefähr 1996 befanden sich die beiden Nationen auf Augenhöhe. Seither hat sich die Kluft zwischen der Schweiz und Österreich massiv vergrössert. Erst seit drei, vier Jahren sind wir dabei, wieder Schritt für Schritt aufzuholen. Aber das ist noch ein weiter Weg.

Dieser Zeitraum fällt ja nicht zufällig mit Ihrem Engagement zusammen.

Ich werde mich hier sicher nicht selber loben. Das sollen andere machen. Wir versuchen, in Österreich einen ähnlichen Weg zu gehen wie die Schweiz unter Ralph Krueger zu Beginn des neuen Jahrtausends, damit wir uns in den Top 12 der Welt festsetzen können. Klar ist: Das geht nicht von heute auf morgen.

Angenommen, die Schweiz gewinnt gegen Österreich. Werden Sie bei der Nationalhymne trotzdem mitsingen?

Ich glaube, man wird mir in der Schweiz verzeihen, wenn ich das in diesem Moment nicht mache. Im Falle einer Niederlage meiner Mannschaft wäre ich primär mal enttäuscht. Aber: Wir würden den Schweizern natürlich allzu gerne ein Bein stellen.

Wie realistisch ist das? Im letzten Jahr verloren Sie gegen die Schweiz erst nach Verlängerung.

In einem einzelnen Spiel ist immer alles möglich. Letztes Jahr waren die Voraussetzungen etwas anders. Damals hatten wir die Schweizer im Startspiel als Gegner. Da spürte man bei ihnen nach dem missglückten Olympia-Auftritt noch eine gewisse Verunsicherung. Jetzt hat die Schweiz schon sechs Punkte sowie einen Vize-Weltmeistertitel auf dem Konto und geht entsprechend mit viel Selbstvertrauen in dieses Spiel.