Der Medienraum des Zürcher Hallenstadions ist so voll, wie er es normalerweise nur während eines Playoff-Finals ist. Die ZSC Lions haben zur Pressekonferenz gerufen – und fast alle sind gekommen. Mit gutem Grund: Ein paar Stunden vorher haben die Zürcher eine mediale Bombe platzen lassen, die Entlassung von Serge Aubin verkündet und gleichzeitig Arno Del Curto als neuen Trainer bekannt gegeben. Eine Rochade, mit welcher niemand in der Szene zu diesem Zeitpunkt gerechnet hat.

Die Verantwortlichen der ZSC Lions wissen, was dieser personelle Paukenschlag bedeutet, und bereiten sich entsprechend generalstabsmässig auf den medialen Rummel vor. «Wenn wir einen unbekannten Trainer geholt hätten, hätten wir so etwas nicht veranstaltet. Dann wären vielleicht drei Leute zum Medientermin gekommen», sagt Lions-CEO Peter Zahner lächelnd.

Arno Del Curto will «alles verbessern»

Arno Del Curto will «alles verbessern»

Am Montag stellte sich das Davoser Urgestein den Medien und verriet seine Ziele mit dem ZSC, ob der Wechsel schon seit seinem Weggang beim HC Davos feststand und ob er wirklich nur bis Saisonende bei den Löwen bleiben will.

Ein anderes Universum

Arno Del Curto erscheint, eingekleidet in einem eleganten Jackett mit aufgesticktem ZSC-Lions-Logo und einem weissen Hemd. Auf dem Kragen prangt der Name des Kleidersponsors. So wird man ihn in Zukunft auch hinter der Bande sehen. Der Vertrag mit dem Sponsor schreibt es so vor. Fertig Davoser Freestyle-Look. Willkommen in der glatt polierten Welt einer grossen Sportorganisation.

Sowieso ist der Planet Del Curto, um den sich in Davos während über 22 Jahren fast alles drehte, quasi von heute auf morgen in ein neues Universum katapultiert worden. Am Sonntagabend, wenige Stunden nach der 1:2-Niederlage der ZSC Lions gegen den HC Davos, nahmen die Zürcher Verantwortlichen Kontakt mit ihm auf. Am Montagmorgen unterschrieb er einen Vertrag bis Ende Saison. Zuvor hatte der HCD ordnungsgemäss die Freigabe für den Ende November zurückgetretenen Trainer erteilt.

Jedes Wort hat Gewicht

Als der 62-Jährige auf dem Platz hinter seinem Namensschild Platz nimmt, sind zehn Videokameras und ebenso viele Mikrofone auf ihn gerichtet. Die Medienkonferenz wird per Livestream auf die Computer, Laptops und Handys der Interessierten übertragen. Jedes Wort, das er spricht, hat Gewicht und wird interpretiert. Entsprechend vorsichtig äussert sich der Mann, der in Davos vor allem auch dafür bekannt wurde, dass er öfter mal ziemlich unverblümt seine Meinung kundtat und dabei gerne mal auf politische Korrektheit verzichtete.

Del Curto an der Pressekonferenz.

Del Curto an der Pressekonferenz.

Man spürt: Das ist nicht der Arno Del Curto, den man aus seinen besten Davoser Tagen kennt.
Aber das ist auch gar nicht in seinem Sinn. Das, was in Davos war, ist Vergangenheit. Del Curto betont mehrmals, dass er froh ist, hat er in Zürich jetzt einen Präsidenten (Walter Frey), einen CEO (Peter Zahner), einen Sportchef (Sven Leuenberger) und einen Assistenten (Michael Liniger) an seiner Seite. Kompetente Leute, mit denen er Probleme auf Augenhöhe diskutieren kann. «In Davos war ich lange Trainer und quasi Sportchef, und nebenbei machte ich noch weitere Sachen mit Sponsoren-Terminen und so weiter. Hier bin ich jetzt einfach mal Trainer», freut er sich über die klare Rollenverteilung.

«Ich bin ein Wahlzürcher»

Als er nach der offenen Medienrunde noch vor den zehn Videokameras zehnmal dieselben Phrasen von sich geben muss, wird Arno Del Curto vom Lions-Medienchef auf Schritt und Tritt begleitet und immer wieder mit Wasser versorgt, damit die Stimmbänder geschmeidig bleiben.

Nach geschlagener Schlacht wirft Del Curto leicht erschöpft einen Blick auf sein Handy. Innert kürzester Frist haben sich wieder 50 neue Nachrichten angehäuft. Er erhält Gratulationen aus der ganzen Schweiz, aber besonders viele aus seiner Lieblingsstadt Zürich. Denn für den Engadiner ist es auch eine Art Rückkehr. «Ich habe in Zürich gewohnt, gearbeitet, habe noch eine Wohnung in Zürich, die ich an einen Kollegen untervermietet habe. Als ich 2002 erstmals mit dem HCD Meister wurde, feierte ich auch in Zürich im Niederdorf. Ich liebe diese Stadt. Viele alte Bekannte und Freunde kamen immer auch nach Davos in die Ferien. Und ich bin immer gerne ins Hallenstadion gekommen, gerade auch als Trainer von Davos. Ich habe immer gesagt, dass ich ein Wahlzürcher bin.»

Wie der FC Liverpool

Am Dienstag leitet Arno Del Curto sein erstes Training als ZSC-Headcoach. Am Freitag steht die erste Meisterschaftspartie in Langnau auf dem Programm. Am Samstag das erste Heimspiel gegen denselben Gegner. Er hofft, dass seine Spieler bald einmal so auftreten wie aktuell der FC Liverpool: «Mit Emotionen, mit Power und mit Tempo.» Sagts – und verschwindet in den Zürcher Abend.