Salah Tahlak machte sich gar nicht erst die Mühe, zu verbergen, welchen Sieger er sich für sein ATP-Turnier in Dubai wünscht: den Schweizer Roger Federer (37). «Wenn er spielt, herrscht eine elektrisierende Atmosphäre. Die Leute kommen, um ihn zu sehen.» Er liess auch die gebotene Neutralität für einmal aussen vor, als er die Hoffnung äusserte, Federer möge am Samstag zum achten Mal das Turnier gewinnen.

Zwar ist der Name des Rekordsiegers ohnehin schon untrennbar mit dem Turnier verbunden, doch diesmal steht eine magische Marke auf dem Spiel. Es wäre Federers 100. Turniersieg auf der Profi-Tour, nur der Amerikaner Jimmy Connors (109 Titel) hat diese bisher geknackt. Spätestens seit Federers Aus in den Achtelfinals der Australian Open gegen Stefanos Tsitsipas steht dieses Drehbuch. Schon vor dem Turnier empfing Salah Tahlak seinen Lieblingsspieler im Burj Khalifa, in einem der höchsten Gebäude der Welt. Federer kennt sich hier bestens aus. Seit 13 Jahren besitzt er in Dubai ein Domizil, wo er zwei Monate im Jahr verbringt. Längst ist er für das Emirat zu einem Botschafter geworden, auch wenn er das Turnier im Vorjahr ausliess.

Doch das perfekte Drehbuch ist das eine, die Ausführung das andere. Dem 37-Jährigen war gegen den Deutschen Philipp Kohlschreiber (35, ATP 31) die einmonatige Pause anzumerken. Zwar gewann er den ersten Satz nach einem Break im ersten Game, musste im zweiten Durchgang aber gleich zwei Mal den eigenen Aufschlag abgeben. Selten war Kohlschreiber, mit dem Federer vor dem Turnier noch trainiert hatte, der aber alle 13 bisherigen Duelle verloren hatte, so nah an seinem ersten Sieg gegen den Schweizer. Doch es kam, wie es so oft kommt gegen Federer: Wie schon im ersten Durchgang gelang ihm unter gütiger Mithilfe des Gegners ein frühes Break. Ein Vorsprung, den er sich nicht mehr nehmen liess. 6:4, 4:6, 6:1 in einer Stunde und 35 Minuten.

roger federer

Sein nächster Gegner ist der Spanier Fernando Verdasco (35 ATP 32), auf den er am Mittwoch trifft. Auch gegen den Linkshänder hat Federer eine weisse Weste: sechs Siege in sechs Duellen. Nun ist es nicht so, dass das ATP-500-Turnier in Dubai schlecht besetzt wäre, doch bereits am ersten Tag lichteten sich die Reihen. Mit Milos Raonic (ATP 14) und Karen Khachanov (ATP 12) verabschiedeten sich Federers potenzielle Gegner in den Viertel- und Halbfinals. Im letzten Jahr, in dem Federer Dubai ausliess und die Zuschauerzahlen sanken, wäre das für Turnierdirektor Tahlak ein Ärgernis gewesen. Doch in diesem Jahr entspricht das ganz dem Drehbuch. In ihm ist die Handlung nur Nebensache. Was zählt, ist nur der Ausgang: Er sieht Federers 100. Titel vor.