Pius: Kann mir bitte einer von euch erklären, warum der FC Basel eine Kooperation mit einem indischen Klub eingeht und sogar Anteile an diesem erwirbt?

David: Vielleicht will man künftig im St. Jakob-Park eine Halbzeitshow mit Elefanten bieten.

Flavio: Vielleicht wollen die Basler ihre Informatik dank indischen Fachkräften etwas aufpeppen.

Tobias: Vielleicht stellt sich das Ganze als Riesen-Joke der Giacobbo-Figur Rajiv Prasad heraus.

David: Vielleicht hat Bollywood im Gegenzug die Rechte an Karli Odermatts Lebensgeschichte erworben.

Flavio: Vielleicht will der FC Basel nach E-Sports weiter diversifizieren und baut nun ein Cricket-Team auf.

Tobias: Vielleicht sucht der FC Basel einfach nur einen Abnehmer respektive eine neue Heimat für sein ach so lästiges Frauen-Team.

François: Der Fussball jedenfalls kann kaum das Motiv für diesen Deal sein.

Pius: Warum nicht? Die Basler reden von einer engen Zusammenarbeit im Scouting und der gemeinsamen Ausbildung von Talenten. Und man spricht von einem fussballbegeisterten Land, welches ein vielversprechendes Potenzial hat und man deshalb dort präsent sein will. Tönt doch nach einleuchtender Goldgräber-Logik, oder?

François: Gewiss. Doch die Sache hat ein paar Haken. Die alles dominierende Sportart in Indien ist Cricket. Wenn überhaupt so etwas wie Fussballbegeisterung herrscht, dann – bei aller Liebe – nicht für den FC Basel oder die Schweizer Super League.

Tobias: Absolut. Da müssten schon drei, vier Inder beim FCB kicken – und die müssten in ihrer Heimat absoluten Heldenstatus haben –, damit man in Indien auch nur ein paar Rupien mit TV-Vermarktung verdienen könnte. Jene, die sich für Fussball interessieren, gucken die englische Liga, vielleicht noch die spanische oder die deutsche. Kurz: Der TV-Markt ist besetzt.

David: Ausserdem glaube ich: Bis Indien international taugliche Fussballer hervorbringt, werden noch Jahre vergehen. Und wenn es so weit ist, wenn tatsächlich mal ein indischer Mo Salah auftauchen sollte, dann wird er – der Entwicklungshilfe zum Trotz – kaum je beim FC Basel kicken.

Pius: Du widersprichst dir: Ebendieser Mo Salah hat beim FCB gekickt.

David: Mo Salah war ein absoluter Glückstreffer, eine heute fast unwirklich anmutende Verkettung von glücklichen Umständen, die heute kaum mehr wiederholbar ist. Warum? Weil heute jeder Winkel des Fussball-Kosmos noch besser ausgeleuchtet ist und der FC Basel im internationalen Bieter-Wettbewerb eher an Terrain verloren als gewonnen hat.

Tobias: Der Verdacht ist naheliegend, dass es beim Indien-Deal eher um Geschäfte in der Unterhaltungsbranche geht. Denn sowohl FCB-Präsident Bernhard Burgener als auch der Präsident des Chennai City FC sind in diesem Bereich tätig.

Pius: Warum glaubt keiner von euch an das Gute dieser Partnerschaft? Seht ihr denn gar keinen positiven Aspekt bei dieser Geschichte?

David: Klar doch. Der FC Basel ist wieder dort, wo er immer sein wollte: im internationalen
Geschäft.

Flavio: Genau. Hinter der Zielvorgabe indernational überwintern kann man nun für alle Zeiten einen Haken machen.