Die Sprechhöre habe ich immer noch im Ohr. Sie verfolgen mich. «Mir glaube nid an Gaischter mir glaube nid an Gaischter, dr FCB wird Schwizermaischter!!!» Ja, ja, die Basler sind zu unserem Leidwesen noch und noch Meister geworden. Und so arrogant, dass ihre Fans gar über die höheren Fussball-Mächte spotten dürfen. Mir glaube nid a Gaischter. Aber diesmal haben sie die Rechnung ohne uns, ohne die Berner, ohne YB gemacht. Im fernen Südkorea bin ich zwar fernab von der helvetischen Fussballwelt. Weit, weit weg ist auch der Juniorentrainer meines Vertrauens mit allen Diplomen, der uns sonst am Stammtisch so klug erklären kann, warum wir wissenschaftlich und taktisch und technisch und überhaupt besser sind als Basel. Warum wir Meister werden.

Dafür habe ich jetzt sozusagen auf einer höheren geistigen Ebene – so es denn eine solche im Fussball gibt – die definitive Bestätigung für unsere ruhmreiche meisterliche Zukunft gefunden. Dass wir die Gaischter sind, die Basel endlich aus dem helvetischen Tempel des fussballerischen Ruhmes vertreiben werden. Ich verfolge natürlich auch vom fernen Südkorea das nationale Fussball-Championat und unseren langen Aufstieg zu meisterlichen Gipfeln. Und dabei habe ich den Beweis gefunden, dass wir Meister werden. Daheim wäre ich nie darauf gekommen.

YB spielte bekanntlich am vergangenen Sonntag um 16.00 Uhr Schweizer Zeit in Lausanne. Hier habe ich acht Stunden Zeitvorsprung. Gemäss meiner Zeit hier hat YB exakt um 00.00 Uhr gespielt. Ich war noch im Medienzentrum und suchte nach einem Liveticker für das Spiel. Ein ausländischer Kollege machte mich darauf aufmerksam, dass bald der letzte Bus fahren wird. Was ich denn immer noch mache? Was, Fussball? So spät? Jetzt beginne doch die Geisterstunde! Das ist es! YB hat sein grosses Spiel in Lausanne exakt mit dem ersten Glockenschlag der Geisterstunde begonnen. Fussball zur Geisterstunde! Und grandios gespielt. Zumindest habe ich das so zu mitternächtlicher Stunde aus der Ferne mitbekommen. 4:1 gegen Lausanne! Eine Mannschaft, die uns im Cup sogar auf unserem eigenen Rasen gedemütigt hat.

Also ein Titan des helvetischen Fussballs. Wenn wir inzwischen sogar während der Geisterstunde auswärts gegen fast übermächtige Gegner siegreich sind, dann kann uns nichts und niemand mehr aufhalten.  Ja, ja, liebe Basler, es hilft euch nichts, dass ihr nicht mehr an Gaischter glaubt. Ihr seid verloren. Wir, die Siegreichen der Geisterstunde, sind keine Gaischter. Wir sind Wirklichkeit. Wir sind Berner. Wir sind YB. Die beste Mannschaft im Lande. Der künftige Meister. Und wenn wir erst einmal auch in der Champions League rangehen dürfen, werden wir Europa rocken. Bald könnt ihr singen: «Mir si nümme Maischter, mir si nümme Maischter, mir arme Basler si numeno Tschuttigaischter!!!» Und uns zum Titel gratulieren.