Vom deutschen Clasico war in besseren BVB-Zeiten die Rede, wenn ein Treffen mit dem Münchner Primus anstand. Tempi passati, ein Klassiker fühlt sich anders an. Dortmund erreicht die Bayern-Flughöhe schon länger nicht mehr - im Gegenteil: "Rund 120 Punkte haben wir Dortmund in den letzten sechs Jahren in der Liga abgenommen", rechnete Karl-Heinz Rummenigge vor dem Anpfiff genüsslich vor.

Dass der frühere Champion in der Allianz-Arena dann aber derart chancenlos bleiben würde, damit hätte wohl nicht einmal der Vorstandsvorsitzende der Bayern kalkuliert. Robert Lewandowski, er mit einer Triplette, Franck Ribéry und Co. zertrümmerten den instabilen Kontrahenten mit fünf Treffern in den ersten 45 Minuten regelrecht. Und eben: Nicht der inferiore Hamburger SV war der überforderte Sparringpartner, sondern ein Koloss, der im letzten Juni einen Rekordumsatz von über 400 Millionen Euro vermeldete.

Im Europacup ist das Team der Schweizer Roman Bürki und Manuel Akanji enttäuschend früh gescheitert, im Cup war gegen Bayern vorzeitig Schluss. Nun folgte in der Liga eine eigentliche Bankrotterklärung - anders ist die schlimmste Niederlage seit einem 0:7 in Stuttgart im Februar 1991 nicht zu deuten. Die Verlierer waren konsterniert und ratlos. "Reden hilft nicht mehr viel", stammelte Captain Schmelzer in die Mikrofone.

Derzeit verbindet Bayern und Dortmund nur ein Fakt: Beide suchen fieberhaft nach neuen Trainerlösungen. Jupp Heynckes wird in München ein letztes Mal abtreten, Peter Stöger hat seine Chance im Ruhrpott verspielt. Und der Österreicher spürt, dass seine Zeit bereits wieder abläuft. In einem "Sky"-Interview sagte er, dass sich sein Leben nicht über einen Job beim BVB definiere.

Lucien Favre wird immer konkreter zum Thema - und mit ihm wohl ein tiefgreifender Umbau des Kaders; zu viele Grossverdiener, zu wenige Leader. Ändern wird sich auch das Profil von Sportchef Michael Zorc. Der Ex-Coach und Meisterspieler Matthias Sammer kehrt als Berater zurück, ein Comeback des früheren Captains Sebastian Kehl als Chef der Lizenzspielerabteilung ist ebenso beschlossene Sache.

Embolos Rolle

Breel Embolo kehrte nach einem sehr guten WM-Camp mit der Schweiz und zwei problemlosen Testsiegen gestärkt nach Gelsenkirchen zurück. Dass er sich inzwischen auch ausserhalb der SFV-Komfortzone wieder ausgesprochen wohl fühlt, war gegen den SC Freiburg unübersehbar. Den wegweisenden Foulpenalty-Treffer Caligiuris (63.) hatte Embolo provoziert, vor dem 2:0 der Schalker entzückte er das Publikum mit einer Soloeinlage.

Er spürt, dass der Coach Domenico Tedesco endgültig ohne Vorbehalte auf ihn setzt, die körperlichen Beschwerden sind kein Thema mehr, das Selbstvertrauen ist zurück. "Ich bin nach einer langen Reha auf dem Weg nach oben", erklärte der Nationalspieler zuletzt in einem SDA-Interview. "Ich merke, wie mir die Mitspieler mehr und mehr vertrauen, ich bekomme auch in schwierigen Situationen Bälle - so wie früher beim FC Basel." Seit Embolo regelmässig zur Stammelf zählt, hat Schalke sechs Siege in Folge zelebriert.

Kölns Absturz

Beim SC Freiburg kam indes keine Feststimmung auf. Die Süddeutschen regten sich in corpore über den Ausschluss ihres Captains Petersen auf. Christian Streich, in entspannter Atmosphäre gelegentlich ein Fussball-Philosoph und gesellschaftskritischer Beobachter erster Güte, verlor komplett die Fassung - während seiner Tirade gegen den Schiedsrichter verhinderten Schalker und Freiburger Spieler in Co-Produktion Schlimmeres, indem sie den entnervten Coach von einem Platzsturm abhielten.

Der 1. FC Köln verliess den Kraichgau im Kriechgang. Die Rheinländer liessen sich beim 0:6 vorführen und ohne Gegenwehr erniedrigen. Bayerns Leihgabe Serge Gnabry beschleunigte den Absturz des Vorletzten mit einer Doublette. Hoffnungslos ist die Lage des "Effzeh" gleichwohl nicht. Im nächsten Heimspiel steht das Schlüsselspiel gegen den formschwachen Direktkonkurrenten Mainz an. Verliert der 16. am Sonntag zu Hause gegen Mönchengladbach und eine Woche später in Köln, beträgt die Marge des FSV fünf Runden vor Schluss nur noch zwei Punkte.

Schwierig bis aussichtslos dürfte es für den Hamburger SV werden, den erstmaligen Bundesliga-Abstieg der Klubgeschichte noch zu verhindern. Alle Rochaden im Spielerkader und auf dem Trainerposten bewirkten nichts Grundsätzliches: Der HSV bleibt nach dem 1:1 in Stuttgart 2018 sieglos und letztplatziert.

Telegramme und Rangliste:

Hoffenheim - Köln 6:0. (1:0). - 30'150 Zuschauer (ausverkauft). - Tore: 23. Gnabry 1:0. 47. Gnabry 2:0. 56. Uth 3:0. 61. Rupp 4:0. 65. Uth 5:0. 72. Zuber 6:0. - Bemerkungen: Hoffenheim mit Zuber (ab 65.), Kobel (nicht im Kader).

Schalke 04 - Freiburg 2:0 (0:0). - 61'688 Zuschauer. - Tore: 63. Caligiuri (Foulpenalty/Embolo) 1:0. 73. Burgstaller 2:0. - Bemerkungen: Schalke mit Embolo (bis 83.), Freiburg mit Sierro. 66. Gelb-Rot gegen Petersen (Freiburg) und Rot gegen Freiburgs Coach Streich.

Bayer Leverkusen- Augsburg 0:0. - 25'831 Zuschauer. - Bemerkung: Augsburg mit Hitz.

VfB Stuttgart - Hamburger SV 1:1 (1:1). - 58'826 Zuschauer. - Tore: 18. Holtby 0:1. 44. Ginczek 1:1. - Bemerkung: Hamburg ohne Janjicic (Ersatz).

Hannover 96 - RB Leipzig 2:3 (0:1). - 42'300 Zuschauer. - Tore: 16. Forsberg 0:1. 54. Orban 0:2. 71. Sané 1:2. 76. Poulsen 1:3. 79. Füllkrug 2:3. - Bemerkungen: Hannover mit Schwegler (verwarnt), Leipzig ohne Mvogo (Ersatz).

Bayern München - Dortmund 6:0 (5:0). - 75'000 Zuschauer (ausverkauft). - Tore: 5. Lewandowski 1:0. 14. James 2:0. 23. Müller 3:0. 44. Lewandowski 4:0. 45. Ribéry 5:0. 87. Lewandowski 6:0. - Bemerkungen: Dortmund mit Bürki, Akanji.

Hertha Berlin - Wolfsburg 0:0. - 34'765 Zuschauer. - Bemerkungen: Wolfsburg mit Steffen (ab 69.), ohne Mehmedi (verletzt). 91. Gelb-Rot gegen Guilavogui (Wolfsburg/Foul).

Rangliste: Rangliste: 1. Bayern München 28/69 (72:20). 2. Schalke 04 28/52 (43:30). 3. Borussia Dortmund 28/48 (54:39). 4. RB Leipzig 28/46 (43:37). 5. Eintracht Frankfurt 27/45 (38:30). 6. Bayer Leverkusen 28/45 (47:35). 7. Hoffenheim 28/42 (52:41). 8. VfB Stuttgart 28/38 (26:31). 9. Borussia Mönchengladbach 27/36 (36:42). 10. Augsburg 28/36 (37:36). 11. Hertha Berlin 28/36 (32:32). 12. Werder Bremen 27/33 (30:32). 13. Hannover 96 28/32 (35:42). 14. SC Freiburg 28/30 (26:46). 15. Wolfsburg 28/26 (28:37). 16. Mainz 05 27/25 (29:46). 17. 1. FC Köln 28/20 (27:55). 18. Hamburger SV 28/19 (20:44).