Flavio: Übler Wertewandel. Wo man hinschaut, werden Menschen reihenweise per Telefon gekündigt. Dzemaili und Behrami fliegen aus der Nati. Und Monika Fasnacht verliert nach gefühlten 40 Jahren beim Schweizer Fernsehen ihren Moderatoren-Job.

Pius: Traurig, in der Tat. Es ist doch keine Art, per Telefon eine Kündigung auszusprechen.
Da setzt man sich doch zusammen an einen Tisch, redet von Angesicht zu Angesicht. Eine Kündigung ist doch nicht vergleichbar mit einer Terminvereinbarung mit dem Coiffeur.

Tobias: Ich versteh eure Aufregung nicht. Wer von euch vermisst Monika Fasnacht am Fernsehen? Erstaunlich für mich an der ganzen Geschichte war, dass man ihr gekündigt hat. Denn ich dachte, das sei schon längst geschehen. Am Jasstisch hab ich sie seit Jahren nicht mehr gesehen. Bis zu der Geschichte mit der Absetzung wusste ich gar nicht, dass sie zuletzt eine Tiersendung moderierte.

David: Ja, und die Ausbootung von Dzemaili und Behrami aus der Nati ist auch kein grosser Verlust. Okay, Dzemaili taugte immerhin als Sündenbock, weil er so viele Chancen versemmelt hat. Das ist jetzt vor allem blöd für Seferovic, Mehmedi und wie sie alle heissen. Die können jetzt nicht mehr mit dem Finger auf Dzemaili zeigen und sagen: «Er hats verbockt.»
Flavio: Aber Behrami ist schon ein Verlust.

François: In gewisser Weise. Gegen starke Gegner kann er als Zerstörer immer noch ein wichtiges Element sein. Aber wenn gegen schwächere Gegner Kreativität und spielerische Lösungen gefragt sind, ist er überflüssig. Ich bin sowieso der Meinung: Behrami wird überschätzt. Sowohl was seinen fussballerischen Einfluss betrifft wie auch jenen als Teamleader.

Pius: Aber er ist nicht mehr der introvertierte Einzelgänger. Stattdessen gibt er sich in Interviews als reflektierter und verantwortungsbewusster Führungsspieler des Nationalteams.

Tobias: Du sagst es richtig: Er gibt sich.

Flavio: Du denkst, er spielt in der Öffentlichkeit bloss eine Rolle?

David: Das ist sehr gut möglich. Wenn er sich in Selbstironie übt und über seine fussballerischen Defizite spricht, suggeriert er, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Klar, das kommt unglaublich sympathisch rüber. Aber wenn ihm der Nationaltrainer mitteilt, kurzfristig auf jüngere Spieler setzen zu wollen, oder wenn er für sich Sonderrechte reklamiert wie die ständigen Besuche von Lara Gut im Teamhotel, dann mutieren Selbstironie und Verantwortungsbewusstsein zur blossen Fassade.

Pius: Soll sich Behrami etwa darüber lustig machen, wenn er im Nationalteam nicht mehr gefragt ist? Behrami hat mehr Empathie verdient, als in 30 Sekunden am Handy abserviert zu werden. Dabei bewahrheitet sich einmal mehr ein weiser Spruch.

Tobias: Und der wäre?

Pius: Das Telefon macht die Möglichkeit zunichte, sich lästige Menschen vom Leib zu halten.

Tobias: Hör bloss auf mit diesem antiquierten Gefasel. Ohne gehts schon längst nicht mehr. Ohne Handy fühlen wir uns gehandicapt. Übrigens: Was tippst du in dein Handy?

Pius: Ah, nichts Wahnsinniges. Bloss eine Standardantwort an jene Bewerber, die den Job nicht kriegen.

David: Gewiss mit sehr viel Empathie.