86 Tage vor dem Aufeinandertreffen mit der SFV-Auswahl in Rostow lieferte Brasilien im Luschniki, dem WM-Finalstadion, einen Steigerungslauf ab. Tat sich die "Seleção" in der torlosen ersten Halbzeit noch schwer mit den mit fünf Verteidigern spielenden Russen, traf er nach der Pause innert 13 Minuten drei Mal.

Bezeichnenderweise war es mit Inter Mailands João Miranda ein Verteidiger, der den Bann in der 53. Minute brach. Davor hatte sich Brasilien trotz klar mehr Ballbesitz nur wenige Chancen heraus erspielt. Miranda erzielte im Anschluss an einen Corner aus kürzester Distanz das 1:0. Später trafen Barcelonas Offensivakteure Philippe Coutinho (per Foulpenalty) und der davor in zwei Offensiv-Aktionen glücklos gebliebene Paulinho. Letzterer ist mit nunmehr sieben Treffern hinter Gabriel Jesus (8) und ex-aequo mit Neymar zweitbester Torschütze seit der Amtsübernahme von Tite Mitte Juni 2016.

In Abwesenheit des verletzten Neymar erhielt der Coach (noch) keine abschliessende Antwort auf die Frage, wer die Rolle als Nummer 10 ausfüllen könnte. "Um Samba spielen zu können, braucht es einen Taktgeber", hatte der Nationalcoach neulich gesagt. "Selbst wenn dieser Spieler nicht in Topform ist, werde ich ihn bringen. Das Team braucht ihn."

In Moskau agierte primär Coutinho als "Zehner", nach der Pause mit wesentlich mehr Einfluss als davor. Am kommenden Dienstag in Berlin gegen Deutschland dürfte wieder, wie bereits meistens in der WM-Qualifikation, der in China engagierte Renato Augusto Brasiliens Spiel gestalten.

Knapp drei Monate vor dem WM-Auftaktspiel gegen die Schweiz zeigte sich Tite mit dem Auftritt im bitterkalten Moskau zufrieden. "Ich denke, das Team ist bereit für die WM", sagte er. "Wir hatten unsere Chancen und erzielten unsere Tore. Die Mannschaft hat umgesetzt, was ich von ihr verlangt habe. Das zeigt, dass sie verstanden hat, worum es mir ging."

Serbien verliert

Für Serbien setzte es im ersten Spiel unter dem nun offiziellen Nationaltrainer Mladen Krstajic und dem neuen Captain Aleksandar Kolarov eine Niederlage ab. Mit dem ehemaligen Bundesliga-Verteidiger, der die Mannschaft im November 2017 nach der Entlassung von Slavoljub Muslin interimistisch übernommen hatte und Ende Januar einen Vertrag bis Ende 2019 unterzeichnete, verlor der zweite Schweizer WM-Gegner in Turin gegen Marokko 1:2. Das Tor zum Ausgleich (37.) nach sehenswertem Steilpass im Strafraum erzielte Stürmer Dusan Tadic von Premier-League-Klub Southampton.

Schottlands neuer Chefcoach Alex McLeish dürfte sich den Beginn seiner zweiten Amtszeit ebenfalls anders vorgestellt haben. Sein Team unterlag dem letzten Schweizer WM-Gruppengegner Costa Rica durch ein Tor von Marcos Ureña (Los Angeles FC) nach einer knappen Viertelstunde 0:1. Costa Rica hatte zudem kurz nach der Pause einen Lattenschuss durch Bryan Ruiz zu beklagen.

Telegramme:

Russland - Brasilien 0:3 (0:0)

Moskau. - 65'000 Zuschauer. - Tore: 53. Miranda 0:1. 62. Coutinho 0:2. 66. Paulinho 0:3.

Brasilien: Alisson; Dani Alves (83. Fagner), Thiago Silva, Miranda (86. Geromel), Marcelo; Willian (79. Taison), Paulinho (71. Renato Augusto), Casemiro, Coutinho (79. Fred), Douglas Costa; Gabriel Jesus (65. Firmino).

Bemerkungen: Brasilien ohne Neymar, Filipe Luis und Alex Sandro (alle verletzt).

Serbien - Marokko 1:2 (1:2)

Olimpico Grande Torino, Turin. - 15'700 Zuschauer. - Tore: 29. Ziyech (Penalty) 0:1. 37. Tadic 1:1. 40. Boutaib 1:2.

Serbien: Dmitrovic; Basta, Maksimovic (73. Ivanovic), Tosic, Kolarov (78. Obradovic); Zivkovic (46. Milivojevic), Matic (67. Grujic), Ljajic (82. Prijovic); Tadic (70. Gacinovic), Mitrovic, Kostic.

Schottland - Costa Rica 0:1 (0:1)

Glasgow. - Tor: 14. Ureña 0:1.

Costa Rica: Navas; Gamboa (75. Smith), Gonzalez, Acosta, Duarte, Oviedo (78. Calvo); Colindres (64. Wallace), Borges, Guzman (56 Tejeda/Lausanne-Sport), Bryan Ruiz; Ureña (69. Ruiz).