1. Wem gehört der Chennai City FC?

Der CCFC gehörte bislang den beiden Co-Inhabern Rohit Ramesh und Krishnakumar Raghavan. Seit gestern ist auch die FC Basel Holding AG zu 26 Prozent an Chennai City beteiligt.

2. Wie kam der Kontakt zustande?

Bernhard Burgener zog laut seinen Aussagen an der Pressekonferenz Indien China vor, da das Land nicht vom Staat kontrolliert wird. Den Kontakt stellte ein Mittelsmann her. Sindu Sivasuntharam ist Direktor einer Art Partnervermittlung für Fussballklubs. Er kennt Basel gut, da er in Konstanz Jura studiert hat und in Deutschland wohnt. Chennai City hat ihn beauftragt und er hat mit dem FC Basel einen Interessenten gefunden.

3. Was macht der FCB jetzt in Indien?

Im Zentrum der Partnerschaft steht zunächst die gemeinsame Ausbildung von Talenten und eine Zusammenarbeit im Scouting. Der FCB soll eine Nachwuchsakademie in Coimbatore und Fussballschulen für den Breitensport in ganz Südindien aufbauen.

4. Was erhofft sich der FCB?

Der FC Basel hofft auf einen Fussballboom in Indien, ähnlich wie ihn China zuletzt erlebt hat. Weil der FCB als erster europäischer Verein überhaupt Anteile eines indischen Fussballvereins kauft, hat man einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz. Beim FCB geht man davon aus, dass andere Vereine ihrem Beispiel folgen. Dann würden die Preise steigen. Noch ist das finanzielle Engagement überschaubar. Als Teilinhaber profitiert die FC Basel Holding AG von zukünftigen Erlösen von Chennai City. Insgeheim hoffen die Verantwortlichen, irgendwann den indischen Mohamed Salah zu finden und ihn beim FCB gross rauszubringen. Bernhard Burgener sagte an der Pressekonferenz auch, dass er hoffe, durch den Deal die in Basel lebenden Inder für den FCB zu begeistern.

5. Spielt E-Sports eine Rolle?

Auf dem Communiqué ist davon nichts zu lesen. Doch wie die bz weiss, will der FCB durch das Engagement in Indien auf dem deutlich grösseren asiatischen E-Sports-Markt Fuss zu fassen. Die Kooperation mit Chennai City dient hierfür als Eintrittskarte. Der FC Basel kann sich auch vorstellen, die von den Fans so kritisch beäugte Abteilung, eines Tages auszugliedern.

6. Was erhofft sich Chennai City?

CCFC-Präsident Rohit Ramesh glaub an die gesellschaftliche Kraft des Fussballs. Gestern teilt er mit: «Fussball ist Passion, Fussball ist eine Bewegung und wir müssen die Erwartungen der Fans stillen. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen. Jetzt kriegen unsere Fans das, was sie verdienen: einen Weltklasse Fussballklub».

Damit meint der Präsident den FCB. Rohit Ramesh hat Grosses vor und seine Philosophie erinnert an Bernhard Burgeners Konzept «Für immer Rot-Blau». Seit Jahren leistet Rohit Ramesh in Südindien Pionierarbeit und versucht mit verschiedenen Projekten, den Fussball in der Region zu verankern und lokalen Talenten eine Chance zu geben. Das FCB-Know-how soll die Entwicklung beschleunigen.

7. Führt der FCB Indien zur WM?

Das ist tatsächlich das Ziel des indischen Fussballverbandes. Spätestens 2026 soll Indien, das jüngst als Gruppenletzter beim Asia-Cup in der Vorrunde scheiterte und auf Rang 97 der Weltrangliste steht, an der WM dabei sein. Das forderte Indiens Premierminister Narendra Modi. Der FCB kommt da als Entwicklungshelfer gelegen.

8. Ist der CCFC ein Traditionsverein?

Nein. Anders als vom FCB kommuniziert, ist Chennai City kein Traditionsverein. 2013 übernahm Rohit Ramesh den 1946 gegründeten Nathaji SC und änderte den Namen in Chennai City FC. 2016 bekam das Team einen Platz in der I-League, der höchsten Liga Indiens, die aber im Vergleich zur zweieinhalb Monate andauernden Indian Super League finanziell weniger lukrativ ist. Heimspiele trägt der Verein seit 2017 und noch drei weitere Jahre im 500 Kilometer entfernten Coimbatore aus. Dort hat der CCFC auch eine Fanbasis aufgebaut. «C steht für Chennai und Coimbatore», sagt Rohit Ramesh. Wo der Verein ab 2022 beheimatet ist, steht in den Sternen.

9. Wie gut ist Chennai City sportlich?

Nach zwei durchwachsenen Jahren spielt der CCFC in dieser Saison um die Meisterschaft. Durch den Sieg des Konkurrenten Real Kashmir verlor Chennai gestern die Tabellenführung. Das sportliche Niveau ist allerdings überschaubar. Der Wert des gesamten Kaders liegt unter einer Million Franken. Die vier besten Spieler fielen vor anderthalb Jahren bei einem Probetraining bei einem finnischen Zweitligisten durch.

10. Wie viel Geld investiert der FCB?

Es ist von einem niedrigen einstelligen Millionenbetrag auszugehen. Wie viel 26 % der Anteile kosten, wollen alle Beteiligten bisher nicht verraten. Der Aufbau einer Nachwuchsakademie in Neu-Delhi kostete den FC Barcelona eine knappe Million. 

Das sagen Burgener und Ceccaroni zur Kooperation:

Dieses Video von NewsClick mit Interviews von Bernhard Burgener und Massimo Ceccaroni ist auf YouTube zu sehen