Matías Delgado lächelt. Es ist der 4. Februar diesen Jahres. Kurz vor 22 Uhr. Ein emotionaler Abend neigt sich dem Ende zu. Emotional, weil der FCB-Captain vor dem Anpfiff seine Vertragsverlängerung bekannt gegeben hatte. Bevor er unter die Dusche verschwinden kann, soll er erklären, wem man es zu verdanken hat, dass er dem FCB noch ein weiteres Jahr erhalten bleibt.

Matías Delgado erklärt seinen Rücktritt (auf Spanisch)

Matías Delgado erklärt seinen Rücktritt (auf Spanisch)

Es ist dieser Moment, in dem Matías Delgado etwas Bemerkenswertes sagt: «Die Leute sehen etwas Spezielles in mir. Ich verstehe das nicht. Ich bin doch ein ganz normaler Spieler.» Es sind keine leeren Phrasen, die der 34-Jährige von sich gibt. Sondern es sind Worte, die den Menschen Matías Delgado zeigen. Diesen zurückhaltenden, allen Erfolgen zum Trotz bescheidenen Mann. Der zuweilen gar schüchtern wirkt. Der von allen geliebt werden will, dem alle Huldigungen aber doch manchmal etwas zu viel sind. Weil er ja eben ganz normal ist. Oder das zumindest meint. Denn Matías Delgado ist etwas mit absoluter Sicherheit nicht: normal.

Er war ein Geschenk für den FCB

Matías Delgado ist einer jener Spieler, die den Fussball ausmachen. Das betonte Ex-FCB-Präsident Bernhard Heusler immer wieder. Nötig wäre es nicht gewesen, es war für jeden sichtbar. Matías Delgado war einer der Letzten seiner Art. Ein klassischer Zehner, wie sie im modernen Fussball langsam aussterben. Ein Magier. Einer, der Räume sieht, wo keiner sonst sie auch nur zu vermuten vermochte. Ein Regisseur. Einer, der den fussballerischen Geniestreich verkörpert. Einer, der das Publikum elektrisiert. Berührt. Bewegt. Ein Fantastista. So werden Spielertypen wie er in seiner argentinischen Heimat genannt. Wortwörtlich übersetzt hiesse dies Variétékünstler.

Ein Künstler, das war Matías Delgado wahrlich. «Ich bin einfach glücklich, wenn ich den Ball am Fuss habe», sagte er unlängst. Denn mit der Art, wie er den Ball mit einer Perfektion, wie ihn der Schweizer Fussball selten gesehen hat, streichelte, drückte sich Matías Delgado aus. Das war seine Art, zu kommunizieren.

Matías Delgado war ein Geschenk für den FC Basel und der Verein eines für ihn. Hier machte er als junger, wilder 20-Jähriger die ersten Schritte in Europa. Er verliess sein Land, wo er bei den Chacarita Juniors bereits auf höchster Ebene spielte, und verwirklichte sich seinen grossen Traum. Delgado war schon damals ein Spieler, der Fantasien weckte.

Vom ersten Spiel an hatte er sich in die Herzen der Fans gezaubert. Dieses familiäre Umfeld und die Nähe und unbändige Zuneigung der Fans führten dazu, dass er sich in diesen Verein verliebte. So, wie in keinen anderen.

«Er ist zu einem Basler geworden»

Er spielte noch für Besiktas und Al-Jazira. Doch als ihn der FCB zurückwollte, zögerte er nicht. Er wollte an diesem Ort, den er auch fernab in der Türkei und den arabischen Emiraten immer im Herzen trug, seine Karriere beenden. Bei diesem Verein, der der einzige ist, dessen Emblem er jemals geküsst hat. In 265 Spielen für den FCB (83 Tore) wurde Matías Delgado zur Integrationsfigur. Auf dem Platz. Und neben dem Platz. Und das, ohne der deutschen Sprache mächtig zu sein.

«Er ist nicht in Basel geboren, aber er ist zu einem Basler geworden», ehrte Marco Streller ihn. Und genau als diese Identifikationsfigur tritt Matías Delgado ab. Als ein ganz Grosser dieses so fantastischen Spiels, dessen schöne Seite er wie kaum ein anderer verkörperte. Als Captain. Als Fan-Liebling. Als Ikone.

Die Muttenzerkurve stürmt die Pressekonferenz, bei der FCB-Captain Delgado seinen Rücktritt bekannt gibt.

Die Muttenzerkurve stürmt die Pressekonferenz, bei der FCB-Captain Delgado seinen Rücktritt bekannt gibt.

Was er fortan machen wird, weiss er nicht. Unter Tränen sagte er, dass er «den Fussball immer lieben werde». Und Basel wird ihn immer lieben. Matías Delgado. Diesen so faszinierenden Spieler, der bis zum Ende seiner Karriere nie wusste, wie speziell er wirklich ist.

Der Videokommentar zu Delgado von BZ-Redaktor Jakob Weber hier im Video.