Auf Kuschelkurs Richtung Euro 2016: Knapp zwei Monate nach dem kleinen Final bei der WM in Brasilien startet die Holland mit seinem neuen alten Trainer Guus Hiddink in die EM-Qualifikation. Noch ohne die angeschlagenen Bundesliga-Stars Arjen Robben, Klaas-Jan Huntelaar und Rafael van der Vaart setzt der «nette Onkel» in Tschechien auf einen Neubeginn – nach der Zeit unter «General» Louis van Gaal darf wieder gelacht werden.

«Jeder Trainer bringt seine eigene Persönlichkeit mit», sagte Wesley Sneijder (30) vor der Partie der Oranjes in Tschechien (20.45 Uhr) der Tageszeitung De Telegraaf: «Mit Louis stand der Oberlehrer auf dem Feld und jetzt haben wir eher den netten Onkel. Er ist ein Stück weit entspannter als van Gaal – das ist für das Team nach den zwei intensiven Jahren vielleicht ganz gut.»

«Keine Panik» trotz verpasster Hauptprobe

Bei der verpatzten Generalprobe in Italien (0:2) in der vergangenen Woche hatte der 67-jährige Hiddink auch gleich kräftig am taktischen Vermächtnis seines Vorgängers gerüttelt, der auf dem Weg zu Platz drei bei der WM eine komplette Abkehr vom typisch-holländischen 4-3-3-System vollzogen hatte. Der Erfolg blieb (noch) aus. «Wir geraten nicht in Panik», sagte Hiddink, der die Elftal bereits von 1995 bis 1998 betreut hatte: «Wir bleiben konzentriert. Mit einem anderen System kommt es auf dem Rasen zu Problemen. Wir haben auch positive Dinge gesehen.»

Grosse Schwierigkeiten erwarten den Europameister von 1988 in den kommenden Monaten ohnehin nicht: Neben Tschechien warten die zweit- und drittklassigen Gegner aus der Türkei, Island, Lettland und Kasachstan auf die Niederländer - Hiddink wird genug Zeit und Raum für seine Experimente finden. «In Prag erwarte ich eine Steigerung», sagte er: «Mit einem guten Start in die Qualifikationsrunde.»

Italien will eine neue Ära beginnen

Deutlich forschere Töne kamen nach dem Sieg gegen Holland aus Italien, wo gleich der Beginn einer neuen Ära ausgerufen wurde. Mit dem ebenfalls neuen Trainer Antonio Conte scheint die katastrophale WM mit Vorrunden-Aus und ohne Perspektive zunächst abgehakt – zum Messias berufen lässt sich der 45 Jahre alte Ex-Profi aber nicht. «Ich bin nicht der Retter, den gibt es nicht», sagte Conte vor dem Pflichtspielauftakt des viermaligen Weltmeisters in Norwegen (20.45).

Ein Mann könne «niemals alles alleine machen», sagte Conte, der auf Geschlossenheit und auf Borussia Dortmunds 19-Millionen-Mann Ciro Immobile (24) setzt: «Ein Trainer kann 1000 Ideen haben – es sind die Spieler, die über Glück oder Ruin entscheiden.» Der BVB-Neuzugang lobte den Coach in höchsten Tönen. Conte sei «ein Hammer», sagte der 24-Jährige: «Er fordert viel, aber er gibt seinen Spielern auch sehr viel.»