Plötzlich herrscht ein bisschen Panik. Eben hat sich Michael Lang nach Gladbach in die Bundesliga verabschiedet. Und sein interimistischer Ersatz Taulant Xhaka ist verletzt. Rückkehr unbekannt. Drei Wochen vor Saisonstart steht der FC Basel ohne Rechtsverteidiger da. Und das ausgerechnet vor einem Saisonstart, auf den nur drei Tage nach dem Liga-Eröffnungsspiel das erste Spiel in der Champions-League-Qualifikation folgt. Eine Startphase also, die es eigentlich nicht zulässt, auf Nachwuchsspieler zu setzen.

Der Ersatz für Michael Lang (Bild) ist gefunden: Es ist Silvan Widmer.

  

So sieht sich der FCB gezwungen, zu reagieren. Und das tut er: Gut eine Woche nachdem die Panik begann, vermeldet der «Blick» gestern, dass der Transfer von Silvan Widmer zum FCB fix ist. 131 Serie-A-Spiele für Udinese Calcio, fünf Jahre Erfahrung in einer grossen Liga, dazu neun Einsätze für die Schweizer Nationalmannschaft.

Es ist ein namhafter Neuzugang, den sich der FCB gesichert hat (auch wenn der Verein gestern noch nichts bestätigt hat). Und einer, der sich in der vergangenen Woche abgezeichnet hat. Bereits vor Tagen galt der Deal als fast durch. Der FCB hatte Widmer zum Wunschspieler auserkoren, Widmer ebenfalls seinen Wechselwunsch ausgedrückt.

Rekord-Einkauf für den FCB

Dass es so lange dauerte, lag an den unterschiedlichen finanziellen Vorstellungen der beiden Vereine. Udinese wollte mehr, als der FCB zu zahlen gewillt war. Denn auch wenn die Basler seit dem Winter schon 60 Millionen Euro durch Verkäufe eingenommen haben, sind die kolportierten acht Millionen Euro, die Udinese forderte, eine Menge Geld. Am Ende soll es dem FCB sechs Millionen Euro Wert gewesen sein, die Qualitäten des Aargauers einzukaufen. Mehr hat der FCB noch nie für einen Spieler ausgegeben. Der teuerste Einkauf war bislang César Carignano, für den man 2004 4,7 Millionen Euro bezahlt hatte.

Cesar Carignano war einer der teuersten FCB-Spieler, aufgefallen ist er aber nur als Dauerpatient..key

  

Aber nicht nur deshalb ist die Verpflichtung Widmers ein Fingerzeig. Sie zeigt, wie wichtig die Qualifikation für die Champions League dem FCB ist. Und es ist ein Zeichen an YB. Die Berner konnten ihre Leistungsträger bislang halten – etwas, das der FCB als Ziel ausgegeben hatte, aber nicht realisieren konnte. Dass man jetzt viel Geld bezahlt, auf Erfahrung statt Experimente setzt, zeigt, dass die titellose Saison ein Ausrutscher bleiben soll.

Nach viel Kritik eine Erfolgsmeldung

Dass der FCB Widmer von einem Transfer hat überzeugen können, wird vor allem Sportchef Marco Streller freuen. Streller musste sich in den vergangenen, von Abgängen geprägten, Tagen viel Kritik anhören. Einen adäquaten Lang-Ersatz gefunden zu haben, wird die Stimmung beruhigen. Auch, weil diese Neubesetzung im Kader wohl mit die schwierigste war, seit Streller im vergangenen Sommer sein neues Amt übernommen hat.

Nach einiger Kritik endlich eine Erfolgsmeldung. Sportchef Marco Streller dürfte froh sein, dass die Personalie Rechter Aussenverteidiger geklärt ist.

Nach einiger Kritik endlich eine Erfolgsmeldung. Sportchef Marco Streller dürfte froh sein, dass die Personalie Rechter Aussenverteidiger geklärt ist.

In Widmer hat der FCB einen Spieler gefunden, der seine Stärken in einem Interview einst so beschrieb: «Ich bin athletisch und schnell, habe eine gute Kondition und unterstütze gerne die Offensive.» In der vergangenen Saison konnte er drei Tore erzielen sowie zwei vorbereiten. Qualitäten, die man auch beim FCB von einem modernen Rechtsverteidiger erwartet. Ausserdem sei er sehr ehrgeizig und «selten zufrieden, weil ich immer mehr will, weil ich mich ständig steigern will».

Vaterfreuden bei Familie Widmer

Was für Widmer den Ausschlag gegeben hat, die Serie A hinter sich zu lassen und stattdessen den Schritt zurück in die Schweiz zu machen, darüber kann erst spekuliert werden. Er meldete sich gestern nicht zu Wort. Einer der Gründe dürfte seine Tochter sein. Im Mai wurde Alissa Chloé, das erste Kind des Aargauers und seiner Frau Céline, geboren.

Zurück in der Schweiz: Silvan Widmer zusammen mit Frau Céline.

  

Mit der Rückkehr in die Schweiz, die Widmer 2013 verlassen hatte, ist er näher bei seiner Familie und seine Frau hat folglich mehr Unterstützung. Sportlich dürfte der Gedanke, sich durch allfällige Auftritte in der Champions League bei Nati-Trainer Vladimir Petkovic noch mehr aufdrängen zu können, den Ausschlag gegeben haben.