Fabian Frei sagt es klipp und klar: «Es muss von der ersten Sekunde im ersten Spiel an klappen. Sonst nerve ich mich.» Das sind die Anforderungen, die er an sich selber stellt. Hoch sind sie, ja, aber er sagt auch: «Eine Eingewöhnungszeit zu brauchen, ist eine Ausrede. Das will ich nicht. Für was brauchst du die? Du spielst ja Fussball. Ich habe genügend Selbstvertrauen, um mich nicht mit einer Ausrede schützen zu müssen.»

Es sind Worte, die von Mitte Januar stammen, als Frei mit dem FCB in Marbella im Trainingslager weilte. Mittlerweile ist ein Monat vergangen, drei Spiele sind bereits passé. In einem davon wurde er erst für die Nachspielzeit eingewechselt. Und in den anderen beiden machte er keine gute Falle. Alles andere als das.

Sowohl gegen Lugano als auch bei der 0:4-Niederlage am Dienstag gegen Manchester City war der Rückkehrer einer der schwächsten, am Dienstag gar der schwächste Akteur in den Reihen von Rotblau. Während dies bei seinem Comeback noch dahingehend verständlich gewesen war, spielte doch die ganze Equipe ungenügend, ist es gegen City frappierend, wie schwach Frei ist. Zumeist kommt er einen Schritt zu spät, wirkt mit dem Tempo der Citizens grossmehrheitlich überfordert, bekommt seine Grenzen deutlich aufgezeigt.

Freis Fehler als Dosenöffner

So passt es zu diesem Abend, als wäre dessen Handlung in Hollywood geschrieben worden, dass es ausgerechnet Frei ist, der am Ursprung des 0:1 steht. Nach einem City-Eckball soll er in der Manndeckung Ilkay Gündogan daran hindern, in den Abschluss zu gehen. Gündogan, gemeinhin nicht eben als Kopfballmonster bekannt, kann sich aber im richtigen Moment von Frei lösen, weil dieser nicht konsequent nachsetzt.

Gündogan kommt zum Kopfball, und drin ist der Ball. Ein Tor via Standard, ein geschenkter Dosenöffner für das Offensiv-Spiel der Gäste, das phasenweise im Spektakel mündet. Die Mancunians so ins Spiel kommen zu lassen, war insbesondere insofern absolut unnötig, als dass der FC Basel zu diesem Zeitpunkt noch gut im Spiel war. Der Rest ist Geschichte.

Innert neun Minuten folgten zwei weitere, in der zweiten Halbzeit noch ein drittes Tor. Und bei Letzterem war Frei erneut zu inkonsequent und zu wenig reaktionsschnell, um erneut Gündogan am Abschluss zu hindern. Es ist ein gebrauchter Abend für den 29-Jährigen. Und einer, der Fragen aufwirft.

Keine Zeit für Ausreden 

Natürlich, Frei hat erst zwei Partien gespielt. Natürlich, Man City ist ein brutaler Gradmesser. Und natürlich muss man Frei auch anrechnen, dass er nach dem Spiel im Interview mit dem SRF sagte: «Er ist mein Gegenspieler und mein Ziel muss es sein, dass er kein Tor macht. Daher ist es zum Teil auch mein Fehler.» All dies ist schön und gut. Aber das Spiel hat eben auch gezeigt, wo Freis Limiten sind.

Auch sein Trainer Raphael Wicky enervierte sich nach Spielschluss darüber, dass das zweite, aber insbesondere auch das erste Gegentor nicht ausreichend zu verhindern versucht wurde. «Das ist ein Eins gegen Eins und das musst du gewinnen», sagte Wicky. «Da spielt es keine Rolle, ob einer im Herbst schon da war oder nicht.» Auch Frei selber will keine Ausreden suchen, betont er stets. Auch nicht, dass die Mannschaft neu zusammengewürfelt ist und daher die perfekte Feinabstimmung sowie die Automatismen noch nicht stimmen können.

Noch nicht wie gewünscht

Aber dieser Herbst, den Wicky anspricht, er weckt Erinnerungen an sensationelle Champions-League-Nächte, von denen man am Dienstag in etwa so weit entfernt war wie Sergio Agüero von einer Ladehemmung vor dem Tor. Das hatte zum Einen natürlich mit der immensen Qualität des Gegners und dessen an Perfektion grenzendem Spielstil zu tun. Zum Anderen aber auch damit, dass der FCB im Winter doch an Substanz im Team verloren hat.

Auch wenn Wicky vor dem ersten Pflichtspiel des Jahres sagte: «Wir haben an Qualität gewonnen im Vergleich zum 2017.» Und auch wenn proklamiert wird, dass Valentin Stocker ein qualitativ gleichwertiger Ersatz von Steffen und Léo Lacroix selbiger von Manuel Akanji ist, muss bislang bilanziert werden: Dem ist nicht so. Stocker lässt jene Galligkeit und das unaufhörliche Anrennen von Steffen vermissen. Lacroix ist in der Spielauslösung mitnichten auf dem Niveau Akanjis.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Hinzu kommt, dass Frei wie erwähnt nicht der Stabilisator und Chef ist, der er sein sollte und als der er sich neben dem Platz gibt. Sondern aktuell noch einer, der seine Versprechen nicht halten kann. Und des Weiteren sitzt der als Ersatz von Matías Delgado zurückgeholte Samuele Campo bislang mehr auf der Bank respektive ist nicht gemeldet für die Champions League.

Das Positive aus Sicht der Basler ist, dass mit der Gewissheit, chancenlos in puncto Weiterkommen zu sein, der komplette Fokus auf die Liga gelegt werden kann. Und in den weniger werdenden englischen Wochen mehr trainiert und justiert werden kann. Und auch, dass die Hoffnung noch da ist, dass Frei und Stocker irgendwann vielleicht wieder die Alten werden.