Doch als die Exponenten des FC Basel nach dem 0:3 gegen Manchester United allesamt in frappierend ähnlicher und überwiegend positiver Art und Weise das Spiel Revue passieren liessen, mochte und konnte ihnen niemand vorwerfen, sie wollten Tatsachen verdrehen.

Denn obwohl die Basler dem englischen Rekordmeister deutlich unterlegen waren, war es trotzdem kein Spiel und schon gar keine Darbietung, die dem geneigten Fan, den Akteuren auf dem Platz, dem Trainer an der Seitenlinie oder der Vereinsleitung auf der Tribüne hätte Sorgen bereiten müssen. Denn es ist eine Niederlage, mit der man in Basel leben kann.

Weil zum einen der Gegner Manchester United und nicht Lausanne geheissen hat, und zum anderen weil der FCB Eigenschaften an den Tag gelegt hat, von denen man zuletzt befürchten musste, er hätte sie in der Sommerpause in den Ferien gelassen und die im Liga-Alltag schmerzlich vermisst wurden: Teamwork, Solidarität, Einsatz, Laufbereitschaft und Kampfgeist. Dessen waren sich alle einig.

Sportchef Marco Streller war nach dem Abpfiff in den Katakomben des «Theatre of Dreams» dennoch froh, dass nicht nur er, sondern auch die anwesende Presse sah, was er gesehen hatte: eine ansprechende Leistung – trotz Pleite. «Das war ein Schritt in die richtige Richtung. Ich habe eine Mannschaft gesehen, die lebt, die defensiv abgesehen von zwei, drei Flanken sehr gut war und die sich in der zweiten Halbzeit offensiv etwas getraut und sich Chancen erarbeitet hat.»

Man hätte diese noch nutzen müssen, in diesen Tenor stimmte vor allem Renato Steffen ein, der einer der besten Basler war. Doch auch wenn dies nicht gelungen war, betonte Streller: «Dieser Match war wichtig für uns alle, für die Mannschaft aber auch für mich persönlich. Wir haben einen guten Auftritt gezeigt und vor allem einen, auf den wir aufbauen können.»

Der mögliche Schlüssel

Der FCB hat sich tatsächlich in diesem schwierigen Spiel eine Basis gelegt. Vielleicht hat es die Mannschaft enger zusammengeschweisst, weil man gemerkt hat, dass viel mehr möglich ist, als was man in der Meisterschaft gezeigt hat, wenn man denn gemeinsam arbeitet.

Und oben drauf die Einstellung stimmt, was vor allem gegen Lausanne nicht ersichtlich war. «Unser Anspruch muss es sein, jeden Ball so zu verteidigen, wie das gegen Manchester der Fall war. So muss es immer sein. Das kann und muss man verlangen», nimmt FCB-Trainer seine Mannschaft in die Pflicht, aber auch sich selber, seinen Spielern etwas mehr Dampf zu machen.

Er wolle dieses Denken seinen Jungs in Gesprächen und in den Trainings vermitteln. Natürlich würden auch die Fehler angesprochen in der Nachbearbeitung, beispielsweise jener von Blas Riveros vor dem 0:1, dessen Ursprung Wicky vor allem im Mangel an Erfahrung des 19-jährigen sieht.

Viel mehr wolle er aber die positiven Punkte des Gastspiels im Old Trafford wiederholt erwähnen. «Prinzipiell hat jeder Spieler gemerkt, dass diese Leistung ansprechend war und das Team gut agiert hat. Das kann uns Energie geben und muss jedem Spieler einen kleinen Schub geben.»

Geht Wickys Wunsch auf und die Spieler appellieren auch an sich selbst, verlangen sich mehr ab und ziehen die richtigen Schlüsse aus dem Startspiel in der Champions League, dann könnte diese Partie zu einem Schlüssel werden.

Dann könnte es tatsächlich ein Schritt in die richtige Richtung sein. Dann könnte der FCB wieder erstarken in der Meisterschaft und sich wieder an die Spitze hinarbeiten. Aber eben nur, wenn dies alles eintrifft und der FCB Charakter beweist, ohne dass auf der anderen Seite Weltstars wie Paul Pogba, David de Gea und Romelu Lukaku agieren.

Die erste Chance, zu beweisen, dass die Botschaft angekommen ist, hat der FCB am Sonntag in der zweiten Cuprunde gegen Chiasso. Die Gegner könnten unterschiedlicher kaum sein. Das Dargebotene aber der Basler sollte sich nur marginal verändern.