Der Transfer von Ex-FCB-Stürmer Marc Janko zum FC Lugano ist vollzogen. Der Wechsel war seit Tagen so gut wie fix, nur fehlte die Bestätigung. Diese war hängig, weil Jankos Anwalt erst noch die Papiere hatte prüfen müssen.

Am Dienstagnachmittag nun meldeten Verein und Spieler den Vollzug. Bei seinem Ex-Club Sparta Prag war Janko aussortiert worden. Auch deshalb hatte der Spieler die Möglichkeit eines  Transfers ins Tessin sehr begrüsst. Aber nicht nur für ihn, sondern vor allem für Lugano-Präsident Angelo Renzetti war es ein besonderer Tag: "Beim letzten Spiel, bei dem Marc noch für den FCB gegen uns spielte (am 7. Mai 2017, Anm. d. Red.), war schon klar, dass er den Verein würde verlassen müssen. Da sagte ich zu ihm, er solle doch zu uns kommen. Damals war es noch ein Traum, jetzt aber ist dieser wahr geworden."

Aufgrund des Transfer-Coups berief Lugano gestern extra eine Pressekonferenz ein, um seinen Neuzugang gebührend vorzustellen. Dort erklärte der 34-jährige Österreicher ausführlich die Hintergründe seines Transfers und die Probleme in Prag. 

Marc Janko über ...

... seine ersten Eindrücke von Lugano: 

"Meine ersten Eindrücke sind sehr gut. Ich bin sehr glücklich und sehr zufrieden, endlich hier zu sein. Die Verhandlungen mit Prag waren ziemlich hart, aber wir haben doch endlich noch eine Einigung erzielen können. Ich bin glücklich, endlich wieder in einem Umfeld zu sein, in dem ich mich wertgeschätzt fühle. Die Teamkollegen sind fantastisch, sie haben mich sehr toll willkommen geheissen. Ich hatte von der ersten Sekunde an ein gutes Gefühl. Es fühlt sich hier an wie in einer grossen Familie, und das mag ich sehr." 

... das 1:0 Luganos über seinen Ex-Club, den FC Basel, das er im Stream verfolgt hat: 

"Ich war sehr beeindruckt von der Performance, die das Team in Basel gezeigt hat. Es ist ja kein Zufall, dass der letzte Sieg Luganos in Basel fast 18 Jahre zurück liegt. Aber die Leistung am Sonntag hat gezeigt, dass diese Mannschaft grosses Potential hat und alles, was es braucht, um internationalen Fussball spielen zu können. Das oberste Ziel ist und bleibt es aber, den Ligaerhalt zu schaffen. Alles, was danach kommt, ist ein Zusatz. Aber die Erwartungen, die wir an uns selber haben, sind hoch." 

... Druck, Tore schiessen zu müssen:

"In all meinen Clubs haben die Leute Tore von mir erwartet. Das ist etwas Normales, wenn man Stürmer ist. Ich werde mir aber Zeit geben, da die letzten sechs Monate nicht gerade die tollsten  meines Lebens waren. Ich habe nur wenige Minuten gespielt. Aber ich weiss, dass der Staff und die Vereinsführung hier in Lugano Geduld mit mir haben. Ich werde aber dennoch versuchen, mich so schnell wie möglich bereit zu sein. Ich muss dazu aber mein Selbstvertrauen wieder finden. Die Qualität hingegen verliert man nie. Und dass ich diese habe, vor allem im Strafraum, das ist in der Schweiz bekannt. Ich möchte so schnell wie möglich wichtig werden für das Team. Und als Teil des solchen sehe ich mich auch. Ich will kein Star sein. Wir können nur gewinnen, wenn wir als Team arbeiten."

... sein missglücktes Intermezzo bei Sparta Prag und die Gründe dafür:

"Haben Sie überhaupt so viel Zeit, damit ich Ihnen das alles erklären kann? (lacht) Nein, im Ernst, ich wüsste selber auch gerne, wieso ich so wenig gespielt habe. Ich kann dazu gar nicht allzu viel sagen. Es war aber so, dass ich während der Nationalmannschaft-Pause im Sommer Verhandlungen mit Prag hatte. Am Tag der Unterschrift wurde ich krank. Ich hatte mir einen schweren Virus eingefangen und musste Antibiotika nehmen, was mich viel Kraft gekostet hat. Ich fiel fast zwei Wochen aus und verpasste fast die komplette Vorbereitung. Dann kamen in der Folge gleich die wichtigsten Spiele für den Club - jene in der Europa-League-Quali. Dort sind wir ausgeschieden, der Club aber hatte offenbar das Weiterkommen und die damit verbundenen Einnahmen bereits budgetiert. Aufgrund des fehlenden Geldes wollten sie dann schauen, ob mein Vertrag aufgelöst werden kann - nach nur 34 Tagen im Amt. Das ist nicht eben die grösste Unterstützung, die man so zu spüren bekommt. Danach habe ich kaum mehr gespielt. In den letzten drei Spielen aber, die ich für Prag gemacht habe, habe ich zwei Mal getroffen. Und dann ich musste auf einmal wieder auf die Tribüne und spielte nie mehr. Wieso, konnte ich nicht nachvollziehen und weiss ich bis heute nicht."

... die Spiele mit dem FCB, die er gegen Lugano bestritten hat:

"Die Spiele gegen Lugano waren immer schwierig. Lugano war immer sehr gut organisiert und es waren nie Duelle zum Geniessen. Das, was sie am Sonntag gezeigt haben, war aber herausragend. Natürlich kann man immer noch etwas mehr aus dem Team heraus holen, aber mein Eindruck war stets ein sehr guter. Das 1:0 war ein grosser Sieg. Vor allem, weil es nicht einfach ist, in Basel zu gewinnen. Als ich noch dort gespielt habe, haben kaum Teams im Joggeli siegen können, daher weiss ich, wie schwierig das ist. Niemand hat das erwartet, was da am Sonntag passiert ist. Aber die nächsten Spiele für uns werden anders sein. Es geht gegen Teams, die eine andere Einstellung haben, bei denen es darum geht, den Ligaerhalt zu schaffen. Wenn wir aber so spielen, wie das Team das in Basel getan hat, dann bin ich mir sicher, dass wir noch einige Siege werden feiern können in der Meisterschaft." 

... seine Italienischkenntnisse: 

(auf Italienisch): "Ich verstehe es ein bisschen, aber mein Italienisch ist sehr schlecht. Daher fragt mich doch lieber auf Englisch oder Deutsch (lacht)."