Schwarz herzt Frei. Es ist ein seltenes Bild, das am Abend des 16. Dezember in die Öffentlichkeit findet. Denn unter dem Trainer Alois Schwarz hat der Fussballer Fabian Frei beim 1. FSV Mainz 05 kein leichtes Leben gehabt. Ist für seinen Geschmack viel zu oft auf der Ersatzbank gesessen und hat deshalb im Hintergrund seine Rückkehr zum FC Basel aufgegleist.

Dann aber, im letzten Bundesligaspiel des Jahres, gelingt dem Schweizer in Bremen mit einem Volleyschuss in der Nachspielzeit der Ausgleich zum 2:2. Wie wichtig dieser für die Mainzer ist, zeigt sich an der dichten Jubeltraube um den Torschützen − und wie innig Schwarz danach den Retter eines Punktes umarmt.

Der Clou: In 52 Bundesligaspielen seit seiner Ankunft in Mainz hat Mittelfeldspieler Frei kein einziges Tor geschossen. Jetzt aber, bei der allerletzten Gelegenheit, hat es der Thurgauer buchstäblich in der allerletzten Sekunde doch noch geschafft. Man kann sich gut vorstellen, dass es den gelernten Offensivspieler ziemlich gewurmt hätte, wäre er torlos aus Deutschlands Vorzeigeliga abgezogen. Dabei hatte doch wenig bis nichts auf dieses späte Erfolgserlebnis hingedeutet, nachdem Frei während des Spiels in die Innenverteidigung abkommandiert worden war.

Grussnachricht von Fabian Frei an die FCB-Fans.

Fabian Frei kehrt per sofort zurück zum FC Basel: Der Schweizer Internationale unterschreibt beim FC Basel einen Vertrag bis 2022.

Strellers Lob

Wobei dies zu einer spannenden Frage führt: Auf welcher Position wird Frei künftig spielen? Wo ist er am stärksten? Als der FC Basel am Tag vor Heiligabend vermeldete, dass der bald 29-Jährige per sofort mit einem bis zum 30. Juni 2022 gültigen Vertrag zu Rot-Blau zurückkehre, stand in der Mitteilung natürlich nicht, in welcher Rolle ihn Trainer Raphael Wicky sieht. Dass Frei ein Führungsspieler sein wird, ist klar.

Ein solcher ist er schliesslich schon gewesen, bevor er im Sommer 2015 den FCB für 3,6 Millionen Euro verlassen hatte und nun gemäss «Kicker» für 1,5 Millionen zurückkommt. Aber eben, welchen Platz wird er in Wickys Aufstellung einnehmen? Sportdirektor Marco Streller sagt: «Jeder kennt die grossen Qualitäten von Fabian. Er kann das Spiel lesen und leiten, kann strategisch vorgehen und kreativ sein, er arbeitet gut gegen hinten und ist gleichzeitig torgefährlich.»

Fabian Frei untschreibt beim FC Basel einen Vertrag bis 2022.

Fabian Frei untschreibt beim FC Basel einen Vertrag bis 2022.

Das klingt trotz des Adjektivs «torgefährlich» danach, als sehen die Basler in Frei weiterhin den zentralen defensiven Mittelfeldspieler, zu dem der damalige Trainer Murat Yakin ihn überraschenderweise gemacht hatte. Doch auf dieser Position ist der FCB mit Luca Zuffi, Taulant Xhaka und Geoffrey Serey Die schon gut aufgestellt. Oder verlässt Letzterer den Verein vielleicht schon im Januar?

Frei auf der «Zehn»?

Denkbar wäre allenfalls auch, dass Frei weiter vorne spielt; dort, wo Matias Delgado bis zu seinem Rücktritt am Werk war. Im Länderspiel im Oktober gegen Ungarn hat Frei auf der «Zehn» nicht nur wegen seines Tores einen überaus vorteilhaften Eindruck hinterlassen.
Obwohl er vor einer Woche im abschliessenden Cupspiel der Mainzer gegen Stuttgart (3:1) als Innenverteidiger zum Einsatz kam, dürfte der FCB kaum in dieser Funktion mit Frei planen. Selbst dann nicht, wenn weiter der Abgang von Manuel Akanji für 23 Millionen Franken zu Borussia Dortmund oder einem anderen europäischen Spitzenverein im Raum steht.

Wie Frei selber seine Situation beurteilt, wird erst zu erfahren sein, wenn er Ende der Woche aus den Ferien zurückkehrt. Im Kurzinterview auf der FCB-Homepage gab er vor allem seinen Emotionen freien Lauf. Er sagte Sätze wie: «Ich bin überglücklich. Das ist ein absolutes Weihnachtsgeschenk. Ich habe den FCB immer im Herzen behalten.» Oder: «In Deutschland habe ich auch als Mensch viel gelernt. Ich habe die Zeit in Mainz genossen, aber auch gelernt, die Ellbogen auszufahren. Ich möchte meine Erfahrungen im Ausland nun beim FCB einbringen.»

Nicht der erste Rückkehrer

Wie das vor ihm schon Alex Frei, Marco Streller, Benjamin Huggel, die Degen-Zwillinge und Dejan Kuzmanovic getan haben. Der vom FCB angebotene Viereinhalbjahresvertrag dürfte der Hauptgrund gewesen sein, dass Frei im besten Alter in die Schweiz zurückkehrt. Aber natürlich spielen auch die grösseren Chancen, bei der WM dabei zu sein, eine Rolle. Wie die Verlockung, in der Champions League gegen Manchester City zu spielen.

Der Transfer von Frei war beim FCB nicht der einzige über die Festtage. Gestern gab der Verein bekannt, dass Aufbauer Alexander Fransson bis Saisonende an Lausanne-Sport ausgeliehen wird. Der 23-jährige Schwede, beim FCB noch bis 2020 unter Vertrag, möchte damit wie Frei seine WM-Chancen wahren. Im Gegenzug dürfte Offenspieler Samuele Campo in den St. Jakob-Park zurückkehren.

Früher oder später wird auch Dimitri Oberlin ein Wechselkandidat sein. Der Basler Stürmer wurde von der Uefa ins «Allstar-Team» der Newcomer in der Champions League gewählt. Der 20-Jährige hatte mit vier Toren grossen Anteil an der Qualifikation für die Achtelfinals.