Die Young Boys haben an dem bitterkalten und dennoch denkwürdigen Abend im Stade de Suisse 19 Klubs der Serie A vorgemacht, dass es möglich ist, die mit Cristiano Ronaldo massiv aufgetakelte Alte Dame in die Knie zu zwingen. Tatsächlich hat Juventus in den ersten 15 Runden der Meisterschaft erst zwei Punkte (durch ein Unentschieden) liegenlassen. In Bern aber musste sich Juve einer an diesem Abend besseren Mannschaft beugen.

Beide Berner Tore erzielte der Goalgetter Guillaume Hoarau; das erste auf Penalty, das zweite nach einem magistralen Steilpass von Nicolas Moumi Ngamaleu. Es waren Hoaraus Tore Nummern 100 und 101 für YB. Der Argentinier Paulo Dybala kam erst nach 72 Minuten auf den Platz. Er hatte beim 3:0 in Turin alle Tore erzielt, und diesmal benötigte er nur acht Minuten für das Anschlusstor. Danach liessen sich die Berner einkesseln. Sie benötigten Glück in der letzten Viertelstunde, um die Führung über die Zeit zu bringen. In der Nachspielzeit wurde ein Weitschuss-Treffer von Dybala wegen einer knappen Abseitsposition aberkannt. Dafür jedoch hatten die Berner vor und nach dem 2:0 sehr gute Szenen - nicht nur bei einem Kopfball von Christian Fassnacht aus bester Position.

«Ein sehr schönes Weihnachtsgeschenk»: Der YB-Matchwinner Guillaume Hoarau nach dem Sieg gegen Juventus überglücklich aber bescheiden. (Interview auf Französisch)

Hoarau hat im Dress von YB auch schon auf auf souveränere Art Tore erzielt als das hundertste. Er verwertete den Foulpenalty nach einer halben Stunde über den rechten Pfosten. Juves polnischer Nationalgoalie Wojciech Szczesny war zudem mit den Fingerspitzen am Ball.

Ob der früh für den verletzten Juan Cuadrado eingewechselte Verteidiger Alex Sandro den YB-Offensivspieler Moumi Ngamaleu im Strafraum wirklich zu Boden gerissen hatte, war fraglich. Der deutsche Schiedsrichter Tobias Stieler zögerte jedenfalls lange, bis er auf Penalty erkannte. Ein anderer deutscher Schiedsrichter, Deniz Aytekin, hatte im Heimspiel gegen Manchester United (0:3) einen sehr strengen Handspenalty gegen YB gepfiffen. Vielleicht war es diesmal ein (später) Ausgleich.

Trotz des eher glücklichen Führungstors durfte sich die Leistung der Young Boys in der ersten Halbzeit sehen lassen. Es war kein Vergleich zu dem passiven, ängstlichen Spiel, das sie beim 0:3 in Turin abgeliefert hatten. Immerhin ging es in Bern auch für Juventus um etwas. Trainer Massimiliano Allegri hatte vor dem Spiel einen Sieg verlangt. Einen solchen benötigten die Turiner, um den für die Auslosung der Achtelfinals Vorteile bringenden Gruppensieg unabhängig vom Abschneiden von Manchester United in Valencia sicherzustellen. Juventus erspielte sich - einmal durch Cristiano Ronaldo - die etwas besseren Möglichkeiten.

Dafür aber kreierten die Berner die gefährlicheren Situationen, indem sie viele Male mit Tempo gegen den Strafraum preschten. Erstmals in einem Champions-League-Match spielten sie phasenweise so, wie sie in der heimischen Meisterschaft die Gegner vor allem in den zweiten Halbzeiten vor grosse Probleme stellen. Im Unterschied zu den Spielen in der Super League schlugen sie daraus lange Zeit kein Kapital.

Die drei gewichtigen Absenzen - Steve von Bergen und Miralem Sulejmani verletzt, Sékou Sanogo gesperrt - wurden hervorragend aufgefangen. Ali Camara respektive Nicolas Moumi Ngamaleu und Michel Aebischer zeigten auf ihren Positionen einen ausgezeichneten Match. Nicht kompensiert wurden Sulejmanis Freistösse und Corner. Nach keinem der zahlreichen Corner wurde es in Juventus' Strafraum gefährlich.

Manchester United verpasst Chance

Manchester United hätte mit einem Erfolg in Valencia den Gruppensieg erreicht. Doch die bereits vor der Partie für die Achtelfinals qualifizierten Engländer waren von Punkten ziemlich weit entfernt. Sie unterlagen nach einer schwachen Leistung mit 1:2. Der 21-jährige Carlos Soler, der schon gegen YB getroffen hatte, und Phil Jones mit einem Eigentor in der 47. Minute sicherten den Erfolg der Spanier, die im kommenden Frühjahr die K.o.-Runde in der Europa League bestreiten.

Obwohl Valencia im letzten Heimspiel nichts mehr zu gewinnen hatte, trat die Mannschaft entschlossener auf als Manchester United. Auch Paul Pogba, der nach zuletzt zwei Spielen auf der Ersatzbank wieder eine Bewährungsprobe erhielt, konnte lange Zeit kaum Impulse setzen. Bis zum ersten Schuss auf das Tor von Valencia vergingen 74 Minuten. Der Anschlusstreffer durch Marcus Rashford fiel in der 87. Minute.

Telegramme und Tabelle:

Young Boys - Juventus Turin 2:1 (1:0)

31'120 Zuschauer (ausverkauft). - SR Stieler (GER). - Tore: 30. Hoarau (Foulpenalty) 1:0. 68. Hoarau (Moumi Ngamaleu) 2:0. 80. Dybala 2:1.

Young Boys: Wölfli; Mbabu, Camara, Lauper, Benito; Moumi Ngamaleu (84. Schick), Sow (91. Wüthrich), Aebischer, Garcia; Fassnacht (80. Bertone), Hoarau.

Juventus Turin: Szczesny; Cuadrado (23. Alex Sandro), Rugani, Bonucci, De Sciglio (72. Dybala); Costa, Betancur, Pjanic (65. Can), Bernardeschi; Mandzukic, Ronaldo.

Bemerkungen: Young Boys ohne Sanogo (gesperrt), Sulejmani, Von Bergen, Wüthrich und Lotomba (alle verletzt). Juventus Turin ohne Benatia, Khedira, Barzagli und Spinazzola (alle verletzt). 46. Kopfball von Alex Sandro an die Latte. Verwarnungen: 62. Camara (Foul), 64. Bernardeschi (Foul), 72. Garcia (Foul), 83. Wölfli (Spielverzögerung).

Valencia - Manchester United 2:1 (1:0)

SR Kabakov (BUL). - Tore: 17. Soler 1:0. 47. Jones (Eigentor) 2:0. 87. Rashford 2:1.

Valencia: Domenech; Piccini, Vezo, Diakhaby, Lato (51. Garay); Soler, Parejo, Kondogbia, Tscheryschew (66. Torres); Batshuayi, Santi Mina (68. Rodrigo).

Manchester United: Romero; Valencia, Jones, Bailly, Rojo (46. Young); Fellaini, Pogba; Pereira, Mata, Fred (57. Rashford); Lukaku (69. Lingard).

Bemerkungen: Valencia ohne Gaya (gesperrt), Gameiro und Gabriel (beide verletzt). Manchester United ohne Sanchez, Lindelöf, Martial, Smalling und Shaw (alle verletzt).

1. Juventus Turin 6/12 (9:4). 2. Manchester United 6/10 (7:4). 3. Valencia 6/8 (6:6). 4. Young Boys 6/4 (4:12).