Wenn nicht jetzt, wann dann?

Mit dieser Frage hatte die «Berner Zeitung» die Gefühlslage bei den Young Boys und in der Hauptstadt vor den Playoff-Spielen gegen Dinamo Zagreb auf den Punkt gebracht. Gegen den 19-fachen kroatischen Meister rechnete sich der Schweizer Titelträger gute Chancen aus, erstmals an die Honigtöpfe der Champions League zu kommen und im Stade de Suisse magische Nächte zu feiern.

Doch am Ende eines warmen Sommerabends kehrte der Grossteil der 21 463 Zuschauer im Bewusstsein nach Hause zurück, dass die Chancen der Young Boys auf die Königsklasse und die Aussichten auf den 30-Millionen-Franken-Jackpot kleiner geworden sind. Das 1:1 spricht vor dem Rückspiel am nächsten Dienstag im Maksimir-Stadion auch dank des Auswärtstores für Dinamo. Dieses blieb auch im vierten Europacupspiel gegen einen Schweizer Klub ungeschlagen. Es bräuchte in einer Woche einen veritablen Exploit von YB, um sich den Traum von den Sternen doch noch zu erfüllen. Die Europa League haben sie ja bereits auf sicher. Im sechsten Pflichtspiel unter dem neuen Trainer Gerardo Seoane blieb YB zum ersten Mal ohne Sieg.

Hajrovics Pfostenschuss

Ja, es war gar festzustellen, dass es für die Berner noch schlechter hätte kommen können. Denn die wie verwandelt aus der Kabine gekommenen Gäste hatten in der Viertelstunde nach der Pause drei exzellente Torchancen, den zweiten Auswärtstreffer zu erzielen. Zwei Mal hielt David von Ballmoos überragend, einmal rettete nach einem Schuss des Aargauers Izet Hajrovc der Pfosten. YB spielte nach der Pause längst nicht mehr so gut, nicht mehr so zwingend, wie zuvor. Deshalb war das 1:1 auch leistungsgerechnet.

Begonnen hatten die Berner dagegen äusserst beeindruckend. Sie hatten strotzend vor Selbstvertrauen und Tatendrang losgelegt, als müssten sie das Duell mit Dinamo schon in der ersten Viertelstunde des Hinspiels zu ihren Gunsten entscheiden. Lange mussten sie nicht auf den Lohn warten, denn schon nach zwei Minuten schoss Rechtsverteidiger Kevin Mbabu das 1:0. Er schloss einen von ihm selber eingeleiteten Angriff über Christian Fassnacht und Moumi Ngamaleu mit einer Direktabnahme ab. Es war erst sein viertes Tor im Profifussball.
Er schockte damit die Gäste, die zunächst nicht ins Spiel kamen und nach 20 Minuten hätte Guillaume Hoarau das 2:0 machen müssen. Nach einer Flanke von Loris Benito kam der Franzose zum Kopfball, scheiterte aber mit seinem Aufsetzer am glänzend parierenden Keeper Danijel Zagorac. Eine Chance, die Hoarau in neun von zehn Fällen zu einem Tor nützt – höchst bedauerlich nur, dass er es ausgerechnet in einem Spiel von dieser Bedeutung nicht tat.

Vielleicht etwas übermütig

YB liess sich nicht entmutigen, powerte weiter und hinterher liess es sich (leicht) sagen, wurde vielleicht ein Quäntchen übermütig. Fünf Minuten vor der Pause waren alle Berner in der Vorwärtsbewegung, als sich Miralem Sulejmani vom spanischen Talent Dani Olmo den Ball wegspitzeln liess und die Zagreber über Kévin Théophile-Catherine und Izet Hajrovic blitzschnell einen Konter lancierten. Der linke Aussenläufer Mislav Orsic bewahrte ruhig Blut und nützte das starke Zuspiel Hajrovics zum 1:1.

Es war der erste Schuss aufs YB-Tor. Aber er sass. Und könnte YB, im wahrsten Sinne des Wortes, viele Millionen teuer zu stehen kommen.

Wenn nicht jetzt, wann dann? Gut möglich, dass es erst im nächsten Jahr so weit ist.