Er macht seinem Übernamen alle Ehren, seit er beim FCB von Raphael Wicky übernommen hat. In Österreich nannten sie Marcel Koller «Wunderwuzzi». Auch, weil er die Nationalelf unserer Nachbarn an die EM 2016 dirigierte. Ein kleines Wunder hat Koller auch in Basel vollbracht. Nach drei Niederlagen und bloss einem Unentschieden gegen Aufsteiger Xamax übernahm er in Basel ein zutiefst verunsichertes Team. Doch kaum kam Koller, siegte der FCB. Sechs Mal in Folge verliess sein Team den Platz als Sieger, seit der Zürcher übernahm. Jetzt ist die Serie gerissen. 1:1 gegen den FCZ. Ausgerechnet, muss man sagen, denn der FCZ ist Erzrivale des FCB und von GC, wo Koller als Spieler Karriere machte.

Koller sagt, dass das Unentschieden «letztlich verdient» sei und sein Opponent, Ludovic Magnin, pflichtet dem bei. Verdient, weil der FCB zwar mehrheitlich das Spiel kontrollierte, der FCZ aber die besseren Chancen hatte. Aber zufrieden kann Koller mit diesem Resultat nicht sein. Erst fünf Runden sind gespielt, aber der Rückstand auf Meister YB, dem man den Titel so gerne wieder abluchsen möchte, ist schon auf stattliche sieben Punkte angewachsen. Danach gefragt, ob er das Gefühl habe, sein Kader genüge, um die beeindruckend stilsicheren Berner zu gefährden, weicht Koller aus. Man sei erst drei Wochen da, habe viele Junge im Kader, brauche noch Zeit.

Hansen spricht Klartext

Der FC Basel hat es nicht nur verpasst, an YB dranzubleiben. Er hat es auch verpasst, für eine klare Hierarchie in der Tabelle zu sorgen. Punktgleich mit dem FCZ liegt man auf Platz 2. Das ist insbesondere aus Sicht der Zürcher beachtlich. Sie haben während der letzten Saison angekündigt, dass man näher an die Liga-Dominatoren aus Bern und Basel rücken wolle.

Man hat sich verstärkt, verlor aber mit Raphael Dwamena und Michael Frey die besten Torschützen. Zwar will man noch einen grossen, physisch starken Stürmer holen. FCZ-Trainer Ludovic Magnin sagt aber auch: «Wenn wir nicht zu 100 Prozent überzeugt sind oder es nicht klappt, dann holen wir halt keinen. Wir machen keinen Panikkauf.» Stand heute gilt: Die Distanz zu

FCB und YB ist grösser geworden.

Auch deshalb ist das 1:1 gegen den FCB ein Achtungserfolg für die Zürcher. Ein Erfolg, den sie auch ihrer taktischen Disziplin zu verdanken haben. Auf dem Blatt spielen sie ein 3-4-3, tatsächlich verteidigen sie anfänglich vor allem in einem 5-4-1. Der Riegel hält, bis Samuele Campo aus der Drehung und mit dem ersten Schuss aufs Tor zum 1:0 trifft. Doch der FCZ reagiert, drückt in der zweiten Halbzeit vehement auf den Ausgleich.

Der fällt eigentlich schon in der 67. Minute. Und zwar durch den einzig nominellen FCZ-Stürmer Stephen Odey. Doch das Schiedsrichter-Gespann um Alain Bieri annulliert den Treffer wegen eines vermeintlichen Offsides. Ein Fehlentscheid. Und Magnin meint: «Die Szene zeigt, dass in der Schweiz der Videoschiedsrichter kommen muss. Das tut weh.» Ausgerechnet nach diesem Wochenende.

In der deutschen Bundesliga war es schon am ersten Spieltag wieder zu heftigen Debatten gekommen über Sinn und Unsinn des Video-Schiris. So oder so: Am Resultat hätte sich im Letzigrund kaum etwas geändert, so die Vermutung. Denn die Zürcher hätten sich kaum anders verhalten als nach dem tatsächlichen Ausgleich durch Pa Modou in der 76. Minute. Ausgleich, Rückzug, Resultat halten – so kann man das zusammenfassen.

Martin Hansens Patzer

Obwohl der Ausgleich verdient ist, brauchen Magnins Männer auch eine Portion Glück. Denn Martin Hansen, der bei Basel den aufgrund einer Oberschenkel-Verletzung mehrere Wochen fehlenden Jonas Omlin ersetzt, patzt. Der Kopfball rutscht ihm unter dem Körper durch. «Ich habe den Ball ein bisschen unterschätzt, hätte wohl einfach ins Seitenaus boxen sollen», gesteht der Däne. Die Schuld am Gegentor nimmt er auf sich. Dann sagt er: «Wir haben eine sehr schlechte zweite Halbzeit gespielt. Wir haben die Bälle viel zu einfach verloren.» Kaum hat der FCZ gepresst, hatte der FCB gewaltig Probleme.

Trotz sieben Spielen ohne Niederlage ist klar: Der FCB hat sich unter Koller gefangen. Wundersam waren aber vor allem die Resultate. Koller kann etwas, daran besteht kein Zweifel. Aber Wunder vollbringen kann auch er nicht.