Fussball und Schwulsein. Das ist nicht neu, aber noch immer ein Tabuthema. Oder kennen Sie einen Super-League-Spieler, der sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekennt? Auch in Deutschland machen immer wieder Gerüchte die Runde. Im Herbst sagte ein anonymer Profispieler, dass zwei Spieler der deutschen Nationalelf schwul seien. Trotzdem hat sich noch kein aktiver Spieler zu seiner gleichgeschlechtlichen Liebe bekannt. Zu gross die Furcht vor den Reaktionen der Fans, Sponsoren oder Mitspieler.

Rogers lässt Bombe Freitagnacht hochgehen

«Mein Geheimnis ist nun gelüftet, ich bin ein freier Mann», schreibt der 25-jährige kalifornische Fussballspieler Robbie Rogers Freitagnacht in seinem Blog am Freitag, 15. Februar. Dass der 18-fache US-Internationale, der sich in Europa beim holländischen Heerenveen und später bei Leeds United (4 Einsätze)versuchte, gleichzeitig sein Karriereende verkündet, zeigt allerdings, dass die Zeit noch nicht reif ist, für schwule Profifussballer.

Rugby-Spieler und Wales-Captain Thomas Gareth outete sich 2012. Foto: Keystone

Rugby-Spieler und Wales-Captain Thomas Gareth outete sich 2012. Foto: Keystone

Lob von Sepp Blatter

«Das ist 2013. Danke» twitterte FIFA-Chef Sepp Blatter als Reaktion auf Rogers persönliches Outing. Weiter geht der US-Torwart Kasey Keller. Er schreibt: «Der Mut von Robbie Rogers ist lobenswert. Ich hoffe, er weiss, dass er nicht zurücktreten muss. Er bekommt mehr Unterstützung, als er denkt.» Rogers, der 2008 für die USA am olympischen Fussballturnier teilgenommen hatte, für die WM 2010 aber nicht berücksichtigt wurde, dachte offensichtlich anders darüber: «In den vergangenen 25 Jahren hatte ich Angst – Angst zu zeigen, wer ich wirklich bin.» Seine Karriere habe ihm «mehr Freude gegeben, als ich mir je habe vorstellen können». Rogers schreibt weiter, dass er von der Furcht überzeugt war, ein Coming-out während seiner Karriere ihn gehindert hätte, «meine sportlichen Träume zu erfüllen».

Wäre die Schweiz bereit für einen schwulen Spieler?

FCB-Goalie und Nationalspieler Yann Sommer denkt laut Aussage im «Blick», dass man in der Schweiz tolerant ist: «Heutzutage sollte man sich outen können, ohne etwas befürchten zu müssen.» Auch Basels Valentin Stocker zeigt sich offen: «Wenn es jemanden aus unserem Team betreffen würde, dann hätte ich damit null Probleme!», sagt er am Montag im «Blick», «es ist sicher schwierig, wenn man nicht sagen kann, welche sexuelle Vorlieben man hat, und sich immer verstecken muss.»

Negative Reaktionen würden nicht ausbleiben

Trotzdem sind sich beide Spieler einig, dass negative Reaktionen in den Stadien nicht ausbleiben würden. GC-Captain Vero Salatic sagt im «Blick»: «Nach einem Outing müsste der Spieler womöglich mit Reaktionen rechnen.» Davide Chiumento denkt sogar, dass ein solcher Spieler mit Sicherheit abgestempelt würde.

Rugbyspieler hat Schritt vollzogen

Im Gegensatz zum Fussball gibt es in der Rugbyszene einen bekannten Spieler, der sich selbst geoutet hat. Der walisische Rekord-Nationalspieler und Captain Thomas Gareth hat im letzten Jahr erst sein Team und dann die Öffentlichkeit informiert. Der 35-Jährige, 100-fache Internationale trennte sich 2006 von seiner Ehefrau, lebte also ebenfalls lange in einer Scheinwelt. Die Reaktionen waren positiv: «Niemand distanzierte sich von mir, keine einzige Person», erzählt er der «Daily Mail». Deswegen machen sich Schwulen-Organisationen in ganz Europa Hoffnungen, dass Gareths Vorbild auch in anderen Sportarten zum Tabubruch führen könnte – insbesondere im Fussball.