Die Schweizer Nati ist gut. Sie ist bei den grossen Turnieren ein Dauerbrenner. Sie hat in der A-Liga der Nations League ihre Gruppe vor Belgien gewonnen und ist in der Fifa-Weltrangliste die Nummer 8.

Wie aber steht es um den Schweizer Klubfussball?

Die Bilanz nach der Hälfte der Saison 2018/19 fällt durchzogen aus. Im internationalen Vergleich ist die Super League auf dem absteigenden Ast. In der aktuellen Europacupsaison liegt die Schweiz nur auf Rang 26, hinter Ländern wie Kasachstan, Weissrussland und Zypern. In der Fünfjahreswertung ist sie auf Rang 15 abgerutscht. Die Zukunft auf der internationalen Bühne ist damit alles andere als verheissungsvoll. Es sollte aber nicht vergessen gehen, dass fünfzig(!) der besten Schweizer Spieler im Ausland engagiert sind und der hiesige Klubfussball ausgedünnt ist. Dies ist jedoch nicht zu beklagen, denn die Vereine brauchen das Geld aus den Transfers. Ebenso profitiert die Nati von den Auslandprofis.

Auch wenn die Super League europäisch nicht auf Höhenflug ist, so hat sie ihren Reiz. Beweis dafür ist der Zuschauerschnitt von 11 274, der seit Einführung der Zehnerliga nur drei Mal höher war. Das hat durchaus einen Grund. Die Zuschauer wollen Tore sehen. In dieser Beziehung sind sie in der Schweiz bestens aufgehoben. Es gibt in Europas fünfzig ersten Ligen nur eine, in der mehr Tore fallen, als in der Super League: in Estlands Premier Liiga. Etwas Pech aus neutraler Sicht ist, dass sich YB nach Jahren der Basler Dominanz so überragend entwickelt hat, dass das Meisterrennen bereits nach der Vorrunde entschieden ist. Hinter den Bernern kann jeder jeden schlagen. Die zweite Saisonhälfte verspricht im Kampf um die Europacupplätze und gegen den Abstieg äusserst spannend zu werden.

Die Erwartungen übertroffen haben in der Vorrunde einzig die beiden Berner Klubs. Bei YB war ja nicht vorhersehbar, wie nahtlos der neue Trainer Gerardo Seoane die Arbeit von Meistermacher Adi Hütter fortführen würde. Bei Halbzeit mit nur einer Niederlage 16 Punkte Vorsprung auf den Zweiten zu haben, ist angesichts der erstmaligen Belastung durch die Champions League mehr als eindrücklich. Viel Lob hat sich auch der FC Thun verdient, der auf Rang 3 überwintert. Es ist vorbildlich, mit welcher Kontinuität im Oberland gearbeitet wird.

Die Erwartungen knapp erfüllt haben der FC Zürich (4. Rang) und der FC Luzern (5.). Die Zürcher haben die Europa-League-Einsätze ordentlich verkraftet wie auch die Abgänge der Stürmer Dwamena und Frey in der laufenden Spielzeit. Aber ihnen fehlt wie den Luzernern die Formkonstanz. Beide haben nie mehr als zwei Siege aneinandergereiht.

Die Erwartungen knapp nicht erfüllt haben der FC St. Gallen (6.) und der FC Lugano (8.). Die Ostschweizer rotieren unter Trainer Peter Zeidler nach dem Umbruch zu stark und übertreiben es mit Offensivfussball. Pech war indes der Ausfall von Cédric Itten. Die Tessiner kommen auch nach dem Trainerwechsel zu Fabio Celestini nicht richtig in die Gänge.

Klar unter den Erwartungen geblieben sind der FC Basel, der FC Sion (7.), GC (9.) und Xamax (10.). Obwohl die Basler auf Rang 2 in die Rückrunde starten, haben sie angesichts von 16 Punkten Rückstand einen Herbst zum Vergessen hinter sich. Der viel zu frühe Trainerwechsel von Raphael Wicky zu Marcel Koller hat nichts bewegt. Der Spieleraufstand gegen den Zürcher war ein Tiefpunkt in der jüngeren Basler Geschichte. Sion (7.) hat trotz eines kleinen Aufschwungs unter Murat Yakin unter dem Strich die Hälfte aller Spiele verloren und muss wieder einmal auf den Cup hoffen. Das von viel Verletzungspech gebeutelte GC hat sogar elf Mal nicht gepunktet. Die Mannschaft hat unter Trainer Thorsten Fink in 23 Spielen nur sechs Mal gewonnen und kommt nicht vom Fleck.

Schlusslicht Xamax hat zwar das kleinste Budget, aber nach dem souveränen Aufstieg mit 21 Punkten Vorsprung sind lediglich zwei Siege im Oberhaus eine dürftige Bilanz. Der 35-jährige Goalgetter Raphaël Nuzzolo kann es nicht alleine richten.