1. Das Rekordbudget, die Rekordpleiten:

Noch nie in der Geschichte des FCA gab die Klubführung für eine Challenge-League-Mannschaft so viel Geld aus. Entsprechend gross waren die Erwartungen zum Saisonstart, entsprechend brutal die Ernüchterung nach 5 Niederlagen in Serie (und einem mühsamen Sieg im Cup gegen eine unterklassige Mannschaft).

Und: Noch nie, seit es die Challenge League gibt (2003), startete eine Mannschaft schlechter. Sechs Punkte Rückstand auf den Zweitletzten hat der FCA bereits. Am kommenden Wochenende heisst der Gegner Rapperswil-Jona. Es gilt, was bereits fünf Mal in dieser Saison verlangt wurde: Ein Sieg muss her.

Nicht der mögliche Aufstieg steht jetzt im Fokus, sondern das Verhindern des Abstiegs in die Bedeutungslosigkeit. Der Klub wirkt wie gelähmt.

2. Der Leichtsinn:

Statt nach der erneuten Fanrandale vor einer Woche in der Ostschweiz die Vorfälle zu verurteilen, verzichtete der Verwaltungsrat auf eine Stellungnahme. Begründung: «Wenn wir gegen Chiasso gewinnen, ist alles wieder gut und vergessen.» Dabei ist offensichtlich, dass aktuell nichts zusammenpasst. Durchhalteparolen helfen nichts.

Im Gegenteil: Wer so denkt, handelt leichtsinnig. Statt der Realität ins Auge zu sehen und die wirklichen Probleme anzupacken, ist bei Führungscrew inklusive Sportchef und Trainer die «Super-League-Rückkehr» in den Köpfen.

3. Die Disziplinlosigkeit:

Stürmer Mickael Almeida war in Chiasso eigentlich für die Startelf eingeplant, erschien am Spieltag aber zu spät zum Mittagessen und wurde für das Spiel aus dem Kader gestrichen. Trainer Patrick Rahmen: "Sportlich tat's weh, Mickael aus der Startelf zu streichen. Aber es gibt Regeln, die über allem stehen. Ich kann nicht von den Spielern Disziplin verlangen, aber bei Verstössen keine Konsequenzen ziehen. Das wäre unglaubwürdig."

FC Aarau-FC Chiasso, 25.8.18, Interviews mit Olivier Jäckle sowie mit Cheftrainer Patrick Rahmen:

Der verletzte Patrick Rossini sorgte in der letzten Woche für Schlagzeilen. Allerdings keine positiven. Statt sich auf sein Comeback nach Verletzung vorzubereiten, sorgte er für Tumulte in der Badi Suhr. Sportchef Sandro Burki: «Rossini soll sich auf seinen Job konzentrieren».

Und nun zeigt auch noch der Trainer Patrick Rahmen Nerven: Im Spiel gegen Chiasso liess auch er sich zu einer Disziplinlosigkeit verleiten. Als ihm ein Chiasso-Spieler den Ball aus der Hand schlug, um einen Einwurf machen zu können, kam es zu einem kleinen Gerangel. Rahmens Reaktion: «Das ist normal und hat mit der Krise nichts zu tun.»

4. Das Verletzungspech:

Wie in der vergangenen Saison geht es auch in dieser Spielzeit weiter: Die Tribüne im Brügglifeld wird zum Lazarett. Der Stürmerroutinier Marco Schneuwly ist verletzt. In ihn setzte die Klubführung grosse Hoffnungen. Patrick Rossini ist ebenfalls immer noch rekonvaleszent. Und jetzt musste gegen Chiasso auch noch Miguel Peralta verletzt raus. Nach etlichen Knieverletzungen traf es ihn dieses Mal an der Schulter. Noch ist nicht bekannt, wie lange er ausfällt.

5. Der Leidensdruckdruck:

Die Zukunftsaussichten für den FCA sind alles andere als gut. Die Ära von Präsident Alfred Schmid geht zu Ende. Am Saisonschluss ist fertig. Der Verwaltungsrat ist amtsmüde vom langen Warten auf ein neues Stadion. Um einen Nachfolger und Geldgeber finden zu können, braucht es positive Resultate.

Positive Schlagzeilen braucht es auch für neues Stadion – das gäbe Rückhalt für die anstehende Abstimmung. Damit erhöht auch die nicht enden wollende «Torfeld Süd»-Thematik den Druck auf den Klub und die Mannschaft.

Sandro Burki, FC-Aarau-Sportchef: «Ich mache diesen Job immer noch sehr gern»

«Ich mache diesen Job immer noch sehr gern»

FC-Aarau-Sportchef Sandro Burki vor dem Spiel gegen Chiasso.

6. Der Fan-Ärger und das leere Brügglifeld:

Wut, Bitterkeit, Galgenhumor: Die Fans des FC Aarau verlieren die Geduld. So analysieren die Fans das Spiel des FC Aarau gegen Chiasso im Beitrag von SRF.

«Das ist eine ganz traurige Vorstellung. Sie wissen nicht, was sie mit dem Ball machen sollen», sagt ein Fan.

«Es fehlte von Anfang an der Willen, das Spiel zu gewinnen, drei Punkte zu holen. Technisch ist das kein Zusammenspiel», sagt ein anderer.

«Mir fehlen die Leader auf dem Platz, die die anderen mitziehen und sagen, ‹ja, ich will›. Das Selbstvertrauen fehlt», erklärt ein dritter.

Die Fans fordern harte Massnahmen: Strafen für die Spieler, neuer Vorstand, ein neuer Trainer. Unzufriedene Fans sind für die Spieler schlecht. Sie brauchen deren Rückhalt, um ihre Leistung steigern zu können. 

Doch immer mehr Anhänger kehren dem FCA in den letzten Jahren den Rücken: In den zwei Super League-Saisons kamen durchschnittlich noch stattliche 5605 (2013/2014) und 4585 Zuschauer (2014/2015) ins Brügglifeld. Davon ist man heute weit entfernt.

In der ersten Challenge League-Saison 2015/2016 nach dem erneuten Abstieg kamen Schnitt noch 3632 Zuschauer ins Brügglifeld, 2016/2017 waren es immerhin auch noch 3495. In der vergangenen Saison konnte der FC Aarau noch auf 2621 Unterstützer zählen.

Und dieser Trend setzt sich – nach einem kurzen, den Vorschusslorbeeren geschuldeten Hoch zu Saisonbeginn – jetzt fort: Von 3481 im ersten Heimspiel sanken die Zuschauerzahl über 3119 runter auf bescheidene 2192. Selbst die «Fankurve» mit den treusten Anhängern hat sich seit Mitte letzter Saison immer mehr ausgedünnt.

7. Der fehlende Befreiungsschlag:

Von Spiel zu Spiel wurde ein Befreiungsschlag gefordert. Doch er kam nicht. Was jetzt? 

In der Länderspielpause nächste Woche muss es (schon wieder) zum Befreiungsschlag kommen. Präsident Alfred Schmid, Vizepräsident Roger Geissberger und Sportchef Sandro Burki müssen die Realität schonungslos analysieren und dann durchgreifen.

Alles steht auf dem Prüfstand, alles muss möglich sein:

  • Der ermüdete Verwaltungsrat tritt zugunsten frischer, dynamischer Kräfte zurück.
  • Spieler, die mit dem Druck nicht klarkommen werden aussortiert.
  • Spieler, die sich disziplinlos verhalten, werden aus dem Kader gestrichen.
  • Sportchef Sandro Burki sagte nach dem Spiel: Der Trainer bleibt. Denkbar ist aber: Einer oder beide machen für neue Impulse Platz – freiwillig oder nicht. 

(jk)