Jetzt soll alles besser werden als damals. Damals, das war vor sechs Jahren. Im Sommer 2011 wechselt Gabri aus Katar zum FC Sion. Als 33-jähriger Profi mit Vergangenheit beim grossen FC Barcelona, Ajax Amsterdam und einem Jahr in der Wüste. Er wollte zurück, freute sich auf internationale Wettbewerbe, europäischen Fussball und Meisterschaft. Es kam anders. Gabri verletzte sich und durfte dann nicht mehr spielen, weil der FC Sion Spieler verpflichtete, obwohl er eine Transfersperre aufgebrummt bekam.

Im Winter 2012 wechselt der Spanier zu Lausanne. Im Frühling zwei Jahre später sagt er dem Fussball-Magazin «Zwölf»: «Der FC Sion ist ein Zirkus. Es war die schlimmste Zeit meiner Karriere.» Und: «Dass es so einen Klub im Jahr 2014 noch gibt, und dann erst noch in der Schweiz! Die Leute haben ein sehr gutes Bild von diesem Land. Aber so geht das verloren.» Er habe nichts von der Transfersperre gewusst, im Winter hätte der Klub seinen Vertrag ohne sein Wissen aufgelöst.

Zurück im Zirkus

Seit Ende Oktober ist Gabri wieder im Wallis, zurück im Zirkus. Rückblickend sagt er: «Ich freute mich auf die Europa League – und dann durfte ich nicht spielen. Mir passierte das niemals zuvor und niemals danach. Das war frustrierend und sehr, sehr hart für mich.» Seine Aussagen will er nicht leugnen, dazu steht er.

Trotzdem hat er es fertig gebracht mit dem Zirkus-Direktor, mit Präsident Christian Constantin, die Beziehung aufrecht zu erhalten. Es ist ein oder zwei Jahre her, so sicher ist sich der neue Sion-Coach nicht mehr, da besuchte ihn CC in Barcelona. Gemeinsam schauten sich eine Champions-League-Partie zwischen dem grossen FCB und Juventus Turin an. «Wir verstehen uns perfekt, auch wenn wir bisher noch nicht allzu viel Zeit miteinander verbracht haben. Er ist ein beschäftigter Mann und ich hatte auch alle Hände voll zu tun», sagt Gabri zur «Schweiz am Wochenende».

Der Anspruch von CC ist immer noch gross

Doch der Direktor ist nicht weniger anspruchsvoll als damals. Am Donnerstag sagt CC gegenüber «Blick»: «Er will versuchen hier den Barça-Stil einzupflanzen. Das ist okay. Nur darf das nicht dogmatisch passieren. Ich habe ihm gesagt, er müsse flexibel bleiben und sein System nach den zur Verfügung stehenden Spielern richten.»

Gabri hat in seinen bisher zwei Auftritten als Sion-Trainer immer im 4-3-3 spielen lassen. Im System von Barcelona. Und ja, er hat gesagt, dass er kreativen, offensiven, Ballbesitz orientierten Fussball spielen lassen will. Wie Barcelona eben.

Schmusekater versus Raubtiere

«Man hat mich falsch verstanden. Man darf nicht erwarten, dass wir wie Barcelona spielen. Viele versuchen, Barcelona zu kopieren, die meisten scheitern», sagt Gabri am Telefon. Aber er gesteht, dass er gewisse Elemente von Barcelona ins Wallis bringen will: «Aber das braucht Zeit.» An seinem System indes will er festhalten: «Das 4-3-3 ist die Basis. Aber innerhalb des Systems kann man gewisse Dinge anpassen.»

Gestern reiste er mit seinen Spielern nach Basel. Heute geht es für ihn erstmals gegen den Serienmeister, «der grosse Favorit auf den Meistertitel», wie Gabri sagt. Und CCs neuer Dompteur muss liefern. Bei seinem ersten Auftritt gegen YB setzte es eine 1:5-Klatsche für die Walliser ab, beim zweiten resultierte nach einem Steigerungslauf in der zweiten Hälfte immerhin ein 1:1 gegen den FC Zürich. «Wir brauchen Punkte, das ist klar. Aber in erster Linie müssen wir ein gutes Bild abgeben, das Maximum rausholen.»

Gabri will bald Sprachkurs machen

Die grösste Herausforderung für den neuen Mann in der Manege: Er muss aus verängstigten Schmusekatern wieder böse Raubtiere machen. Dazu hat er in der Länderspielpause viele Gespräche mit seinen Spielern geführt, versucht, ihnen Selbstvertrauen einzuimpfen, den Glauben an die eigenen Fähigkeiten zurückzugeben.

Sein grösstes Problem: die Sprache. «Ich kann mich auf Französisch verständlich machen, aber natürlich macht es die Sprachbarriere nicht immer einfach. Ich will möglichst bald mit einem Sprachkurs beginnen, um mich noch besser ausdrücken zu können.» Denn er braucht schnell Resultate. In der Winterpause will CC Bilanz ziehen. Und wenn der Totomat dann nicht für Gabri spricht, wird der Zirkus-Direktor einen neuen Dompteur suchen. Manege frei!